Lufthansa-Tarifkonflikt

Management geht auf Piloten zu

Die Streiks der Piloten halten Lufthansa und die Reisenden in Atem. Seit langem fordert das Unternehmen eine Schlichtung im Tarifkonflikt. Kommt es nun dazu?

Im Dauerkonflikt mit den streikenden Piloten will die Lufthansa die Gewerkschaft mit einem verbesserten Angebot zurück an den Verhandlungstisch holen. Die Airline bietet eine Erhöhung der Bezüge in zwei Stufen um insgesamt 4,4 Prozent und zusätzlich eine Einmalzahlung an. „Wir wollen dringend weiteren Schaden vom Unternehmen abwenden und unseren Passagieren endlich wieder den Service bieten, den sie von uns erwarten können“, heißt es offiziell. Das Angebot sei der Gewerkschaft bereits am Dienstagabend unterbreitet worden.

Im einzelnen bietet die Lufthansa für 2016 eine Vergütungserhöhung um 2,4 Prozent und für 2017 um weitere 2,0 Prozent. Dieses Angebot sei nicht an weitere Bedingungen geknüpft. Die Lufthansa gehe damit auf eine zentrale Forderung der Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) ein, hieß es. Die Gewerkschaft habe gegenüber Medien wiederholt erklärt, auf Basis eines solchen Angebotes zu einer Schlichtung bereit zu sein. Lufthansa stehe ab sofort zur Verfügung, um auf Basis dieses Angebotes gemeinsam mit der VC eine Schlichtung des Vergütungstarifvertrages vorzubereiten.

Lufthansa und Vereinigung Cockpit streiten schon seit Jahren um die Gehälter von rund 5400 Piloten der Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings. Die VC verlangt für einen Zeitraum von fünf Jahren Tariferhöhungen von zusammen 22 Prozent bis zum nächsten April.

Die Piloten hatten am Mittwoch ihre Streiks bei Lufthansa fortgesetzt. Der Konzern strich wegen der Ausstände 890 Flüge, davon waren rund 98.000 Passagiere betroffen. Die Jets der Töchter Eurowings und Germanwings hoben wie geplant ab. Am Donnerstag will die Airline wieder nahezu nach Plan fliegen. Nach den Streiks am Dienstag und Mittwoch werde es nur noch zu vereinzelten Flugstreichungen kommen. Rund 40 Flüge dürften demnach ausfallen.

Nach Informationen der „Bild“ könnte es in den nächsten Tagen auch Ausstände bei der Tochter Germanwings geben. Ein VC-Sprecher sagte dazu: „Davon wird aktuell nicht geredet.“

Gegendemo und Piloten-Demonstration

Innerhalb des Lufthansa-Konzerns formiert sich Widerstand zu den Piloten. Nach Polizeischätzungen demonstrierten am Mittwoch zeitweise bis zu 400 Beschäftigte vor der Unternehmenszentrale am Frankfurter Flughafen gegen den Kurs der Piloten. Der Betriebsrat des Frankfurter Bodenpersonals hatte ohne Rückendeckung der Gewerkschaften zu der Kundgebung aufgerufen. Er forderte ein schnelles Ende des „zerstörerischen Streits“ und verlangt von der VC, in eine Schlichtung einzuwilligen.

„Was immer die Piloten herausholen, muss am Ende des Tages an anderen Stellen im Unternehmen gegenfinanziert werden“, sagte das Mitglied des Lufthansa-Betriebsrates Frankfurt Boden, Ruediger Fell, der dpa. Bei Lufthansa gebe es eine schweigende Mehrheit, die von den Streiks die Nase voll habe. Zeitgleich demonstrierten nach Polizeischätzungen etwa 400 Piloten am Flughafen für ihre Belange. (dpa)

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