Klima-Proteste

Verzichtet die Jugend jetzt aufs Fliegen?

In vielen Städten Deutschlands gehen Schüler für den Klimaschutz auf die Straße.
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In vielen Städten Deutschlands gehen Schüler für den Klimaschutz auf die Straße.

Europaweit gehen Schüler gegen den Klimawandel auf die Straße, inspiriert von der 16-jährigen Schwedin Greta Thunberg. Sie fordern deutlich teurere und weniger Flüge. Leidet die Flugbranche unter den Protesten?

"Flygskam" (deutsch: Flugscham) – so lautet ein Begriff, der in Schweden derzeit die Runde macht. Erfunden wurde er von den Schülern, die jeden Freitag statt zum Unterricht auf die Straße gehen, um dort gegen die derzeitige Politik zu protestieren. Im Fokus stehen auch Flugreisen: Protagonisten der Bewegung plädieren dafür, möglichst nur noch den Zug zu nehmen und auf Flüge weitgehend zu verzichten. Und Prominente, die für Fernreisen werben, müssen Shitstorms über sich ergehen lassen.



Der Aufruf zum Flugverzicht trifft Schweden besonders stark. Denn die Menschen des skandinavischen Staates sind extreme Vielflieger. Sie fliegen fünf Mal häufiger als der Durchschnitt – und produzieren dementsprechend mehr Klimagifte. Welche Folgen hat der Aufruf für die skandinavische Fluggesellschaft SAS? Wir sprachen mit Lars Andersen Resare, der bei SAS für Nachhaltigkeit verantwortlich ist.

fvw: Europaweit gehen Schüler gegen den Klimawandel auf die Straße, inspiriert von der 16-jährigen Schwedin Greta Thunberg. Sie fordern deutlich teurere und weniger Flüge. Spüren Sie ein geändertes Buchungsverhalten der Jüngeren?

Lars Andersen Resare: Ja, aber nicht in Form eines Verzichts. In den vergangenen zwölf Monaten ist die Zahl der jungen Menschen, die sich für eine Reise mit SAS entscheiden, gestiegen. Wir sehen dies als Folge dessen, dass wir vor einem Jahr für alle Jugendflugscheine eine CO2-Kompensation eingeführt haben. Damit reagieren wir auf die klare Botschaft junger Reisender, dass sie die Welt auf eine nachhaltigere Weise als bislang erkunden wollen. Seit Februar gleichen wir zudem den CO2-Fußabdruck aller unter einer Eurobonus-Nummer gebuchten Tickets aus.

Stellt das Engagement der jungen Menschen für Klimaschutz ein Problem für die Luftfahrtbranche dar?

Die Reduzierung der negativen Klimafolgen ist für unsere Branche ganz entscheidend. SAS will ihre CO2-Emissionen bis 2030 um 25 Prozent verringern. Dies wird auch durch den verstärkten Einsatz von Biokraftstoffen erreicht. Bis 2030 wollen wir für alle Inlandsflüge in Skandinavien Biokraftstoff verwenden. Wir sehen eine steigende Nachfrage bei unseren Reisenden nach derart aktiven Entscheidungen. Grundsätzlich wollen junge Menschen aber immer noch reisen und inspiriert nach Hause zurückkehren und damit hoffentlich zu einer positiven Entwicklung unserer Gesellschaft beitragen. Aber dies soll gewissenhaft und nachhaltig geschehen.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Dietmar Rauter
    Erstellt 15. April 2019 15:25 | Permanent-Link

    Ehrlich gesagt, an den ansonsten öffentlich angeschnittenen Themen zeigt sich, dass die Gesellschaft das Thema Klima und damit das Überleben der Menschheit verdrängt. Weil das so ist, trauen sich Politiker (selbst die Grünen !) nicht, hier konsequenter zu insistieren . 'Wir' bringen unsere Nachkommen um, es sei denn die Jugend drängt darauf noch heftiger, endlich die Notbremse zu ziehen ! Zu verlockend immer noch, zu reisen und auf inzwischen immer schmutzigeren Ozeanen 'lustreisen' zu unternehmen. Ja, es kostet Arbeitsplätze, wenn wir uns darauf zurückziehen, die Welt in 3D-Kinosälen zu erkunden! Es ist aber besser, jetzt noch den Rückzug zu planen, bevor ökonomisch alles zusammenbricht. Sorry, liebe Kollegen, auch ich habe gesündigt ohne Ende...

  2. Rainer Maertens
    Erstellt 15. April 2019 17:00 | Permanent-Link

    Tschernobyl überlebt, Waldsterben ausgefallen und die DDR ohne genetischen Nachwirkungen ausgesessen. Ich halte nichts von solchen medialen Weltuntergangshypes. Jedoch können wir Gretas Aktivismus zum Nachdenken annehmen, auch wenn hinter Greta Kreise mit entsprechenden finanziellen Interessen stehen.

    Müssen wir innerdeutsch fliegen?
    Müssen wir zu jedem Feiertag wegfahren?
    Oder reicht es nicht, so wie früher, Urlaub als Jahreshöhepunkt zu nehmen?

    Unüberlegtes Reisen, vor allem individuell, macht die Umwelt kaputt. Viele meiner Bekannten werden dieses Jahr eine Kanutour mit Zelt durch Schweden unternehmen, wie tausende andere auch. Angeregt durch Werbung in sozialen Medien. Ich befürchte, dass die schwedische n Flussgebiete im Herbst aussehen, wie Autobahnparkplätze. Hinter jedem Busch ein Haufen und überall Toilettenpapier.

  3. Rainer Maertens
    Erstellt 15. April 2019 17:28 | Permanent-Link

    https://www.webaffin.de/blog-details/oekologischer-fussabdruck-des-internets-so-gross-wie-der-globale-flugverkehr.html

  4. Dietmar Rauter
    Erstellt 15. April 2019 17:34 | Permanent-Link

    Greta ist ja nicht allein. Über 20000 Wissenschaftler (sie sind auch meine Kunden !) sehen die Notwendigkeit zum Umsteuern noch drastischer als Greta. Wenn die geschätzte Öffentlichkeit (=unsere Kundschaft) dies auch gern an sich heranlassen würden, statt viel unnützes Geld für ein Status-Fahrzeug auszugeben , wo ein Klein-wagen voll ausreicht.... Ich kann mich weiß Gott nicht beschweren, kenne alle Erdteile und spots, meine Generation hat aber -leider wird das erst jetzt klar- soviel Schadstoffe hinterlassen, wie keine andere vor mir. 'Weiter so' ist mehr als unfair gegenüber den Nachfolgern, uns betreffen die Folgen nicht mehr und Optimismus in Bezug auf neue Techniken sind kommerziell gesteuert (im Gegensatz zu Greta) .

  5. frank jochim
    Erstellt 15. April 2019 21:29 | Permanent-Link

    Ich würde an einen Flugverzicht der Jugend erst glauben, wenn Friday for Future auch in den Osterferien stattfindet.

  6. Dietmar Rauter
    Erstellt 15. April 2019 21:43 | Permanent-Link

    Am letzten Freitag (Schulferien in SH) waren die Schüler in Lübeck per Fahrrad unterwegs, Karfreitag ist Greta (per Bahn) in Rom.

  7. Michael Schroeder
    Erstellt 16. April 2019 16:52 | Permanent-Link

    Als erstes verzichten unsere kindlichen Panikmacher samt ihrer 16 jährigen Prophetin den Osterferien aufs Demonstrieren.

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