Kabinenbeschäftigte (Update)

Verdi bereitet Streiks bei Eurowings vor

Vor neuen unruhigen Zeiten steht Eurowings. Jetzt drohen Ausstände der Kabinenmitarbeiter.
fvw/Rita Münck
Vor neuen unruhigen Zeiten steht Eurowings. Jetzt drohen Ausstände der Kabinenmitarbeiter.

Im Tarifkonflikt zwischen der Gewerkschaft Verdi und dem LH-Billigflieger Eurowings stehen die Zeichen auf Eskalation. Es geht um die Konditionen für rund 1000 Kabinenbeschäftigte.

Kunden des Lufthansa-Konzerns drohen die ersten Streiks seit dem Frühjahr des vergangenen Jahres. Im Tarifkonflikt um die rund 1000 Flugbegleiter beim Billigflieger Eurowings sind die Fronten so verhärtet, dass die Gewerkschaft Verdi Verhandlungen absagt und sich für Streiks rüstet. Angesichts monatelanger ergebnisloser Gespräche „bereite man sich nun auf Arbeitskampfmaßnahmen vor“, teilt sie in Berlin mit. Ein Datum wurde nicht genannt. Über Ausstände muss Verdi aber erst abstimmen.

„Es gibt keinen Grund für den Aufschub von Streiks“, sagt Verhandlungsführer Volker Nüsse dpa. „Sie sind theoretisch jederzeit denkbar.“ Reisende würden aber im mit ausreichend Vorlauf informiert.

Die Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft und Eurowings gerieten immer wieder ins Stocken, auch die 13. Runde brachte keinen Durchbruch. Zum nächsten Termin Anfang Dezember will Verdi nun erst gar nicht antreten, da kein Entgegenkommen absehbar sei. Die Airline habe zwar bei Gehältern und Betriebsrenten Verbesserungen vorgeschlagen, wolle aber Arbeitszeiten verschlechtern. „Damit provoziert die Eurowings Streiks“, kritisiert Nüsse.

Verdi fordert verlässliche Dienstpläne, Arbeits- und Bereitschaftszeiten, aber auch einen schlagkräftigen Betriebsrat. Eurowings lehne dies ab und ändere Arbeitszeiten ohne tarifliche Grundlage, klagt die Gewerkschaft. So gebe es bis zu 18 Stunden lange Dienste, was Tarifverträgen widerspreche. „Die Situation ist für die Beschäftigten nicht mehr länger tragbar“, erklärt die Gewerkschaft.

Billigflieger kritisiert die Streikankündigung

(Update) Das Eurowings-Management reagiert auf die Streikankündigung mit Unverständnis. Es sei nicht nachvollziehbar, warum Verdi das Angebot nach „sehr konstruktiven Gesprächen urplötzlich ablehnt, sich vom Verhandlungstisch entfernt“, heißt es in einer Stellungnahme. Das Airline-Management wirft der Gewerkschaft vor, aus eigenen Machtmotiven eine Drohkulisse aufzubauen. „Verdi eskaliert ohne Not, weil sie sich in einem Wettbewerb mit anderen Gewerkschaften für das Kabinenpersonal befindet.“ Man sei unverändert gesprächsbereit. Zu den Vorwürfen äußert sich Eurowings allerdings nicht.

In den Verhandlungen geht es auch um Beschäftigte, die von der insolventen Air Berlin zur Eurowings kamen. Lufthansa hatte nach der Pleite im Sommer 2017 Teile von Air Berlin übernommen und Beschäftigte bei Eurowings eingegliedert. Über die Vergütungen der Flugbegleiter haben sich Verdi und die Konzerntochter geeinigt.

Eurowings fliegt von Airports wie Düsseldorf, Leipzig/Halle, Berlin-Tegel und München zahlreiche Ziele in Deutschland und beliebte Urlaubsorte im Mittelmeerraum an, ist aber auch ins Geschäft mit Fernflügen etwa in die Karibik eingestiegen. Die Gehälter und sonstigen Bedingungen für Beschäftigte liegen klar unter jenen im Lufthansa-Konzerntarifvertrag. Bei der Übernahme ehemaliger Air-Berliner gab es darüber schon Streit.

Allerdings sind Ausstände bei Eurowings noch nicht ausgemacht. Verdi muss dafür erst die Mehrheit seiner Mitglieder hinter sich bringen. Da auch die konkurrierende Gewerkschaft UFO Flugbegleiter vertritt, ist das ungewiss. Auch ist es nicht das erste Mal, dass Verdi in den Gesprächen mit Eurowings mit Streiks droht. Schon im August hatten die Arbeitnehmer-Vertreter Ausstände ins Spiel gebracht.

Passagiere des LH-Konzerns haben schon öfter unter Streiks gelitten. Der letzte große Arbeitskampf der Piloten-Gewerkschaft VC hatte Lufthansa 14 Ausstände in Serie eingebrockt, insgesamt waren über eine Million Kunden von Flugausfällen betroffen. Lufthansa entstand ein Schaden von mehr als 500 Mio. Euro. Im März 2017 legten die Piloten und Lufthansa den Konflikt nach langem Ringen bei.

Bei neuerlichen Streiks von Verdi wären die Folgen für Passagiere im Ernstfall wohl etwas geringer, da der LH-Billigflieger kleiner als die große Konzernschwester ist. Streiks in der Weihnachtszeit könnten aber Passagiere empfindlich treffen und Reisepläne durcheinanderwirbeln. (dpa)

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