Investorensuche

Zukunft von Germania hängt an seidenem Faden

Derzeit betreibt Germania eine gemischte Flotte aus Airbus- und Boeing-Jets. Bestellt sind allein 25 Airbus-Mittelstreckenjets der A-320neo-Modellfamilie und Optionen auf 15 weitere Flugzeuge der Reihe erteilt.
Germania
Derzeit betreibt Germania eine gemischte Flotte aus Airbus- und Boeing-Jets. Bestellt sind allein 25 Airbus-Mittelstreckenjets der A-320neo-Modellfamilie und Optionen auf 15 weitere Flugzeuge der Reihe erteilt.

Noch gibt es ein Fünkchen Hoffnung für den Fortbestand der angeschlagenen Germania. Doch die akute Finanznot kann nur mit frischem Geld überstanden werden. Und dafür fehlt bislang ein solventer Investor.

Womöglich bleibt dem Berliner Ferienflieger Germania nurmehr der Gang zum Insolvenzgericht. Zumindest wenn der kurzfristige Liquiditätsbedarf nicht umgehend gedeckt werden kann. Denkbar wäre dafür ein neuer Teilhaber, der frisches Geld einschießt. Allerdings lässt sich solch ein solventer Investor nicht aus dem Ärmel schütteln. Und: Laut Branchengerüchten bereits im Dezember geführte Gespräche sind wohl gescheitert.

Einem Bericht des Airline-Portals Aerotelegraph zufolge benötigte Germania bereits zum Jahreswechsel eine Summe von 20 Mio. Euro, um den Flugbetrieb in vollem Umfang über den Winter fortführen zu können. Auf der Habenseite steht unter anderem der lukrative Werksverkehr, den Germania für Airbus unternimmt.

Der weltgrößte Reisekonzern TUI ist nach eigenen Angaben lediglich punktuell mit Germania im Geschäft. So gebe es für die kommenden Tage nur eine geringe Zahl von Germania-Vollcharter ab Leipzig/Halle, die schon per 19. Januar von einer anderen Fluggesellschaft übernommen werden. Zudem habe TUI vereinzelt Tickets für Flüge von kleineren Airports bei Germania eingekauft. Änderungen seien nicht geplant.

Auch andere deutsche Reiseveranstalter haben in der derzeitigen Nebensaison nur wenig Aufträge für Germania im Köcher. Vollcharter sind die große Ausnahme. Wenngleich Alltours, DER Touristik oder Schauinsland-Reisen große Sympathie für Germania halten und den unabhängigen Anbieter gern in der Luft halten würden. Schauinsland-Chef Gerald Kassner spricht mit Blick auf die Airline von einem „guten, zuverlässigen Partner“, den man gern nutze.

Gespräche schon, finanzielle Zusagen aber nicht

DER-Touristik-Flugeinkäufer Jörgen Bongartz zeigt sich überrascht über die akuten Liquiditätsprobleme der Berliner Fluggesellschaft. „Die Germania ist wichtig für Randflughäfen.“ Gleichwohl hat er keine Vollcharter mit dem unabhängigen Anbieter. Dem Vernehmen nach führt derzeit Alltours Gespräche mit Germania, doch ist nicht davon auszugehen, dass es dabei um eine Kapitalspritze geht.

Und von Airline-Seite? Als potenzielle Investoren für Germania kommen große europäische Luftfahrtkonzerne wie Lufthansa, Ryanair, Easyjet oder IAG in Frage. Eine Easyjet-Sprecherin sagte, man wolle die Spekulationen um Germania zum jetzigen Zeitpunkt nicht kommentieren. Von der Condor heißt es zudem: „Wir konzentrieren uns dieses Jahr auf unsere Perfomance und den Ausbau des Kundenerlebnisses an Bord, nachdem wir im letzten Jahr über 30 Prozent auf der Kurz- und Mittelstrecke gewachsen sind.“ Der Kauf einer Airline dürfte da derzeit kaum Sinn machen.

Und die Intro-Gruppe des Nürnberger Unternehmers Hans Rudolf Wöhrl, die 2017 Interesse an Air Berlin hatte, teilte auf Anfrage mit, man könne zu der Angelegenheit „keine Auskunft geben“.

Germania gehört über eine zwischengeschaltete Beteiligungsgesellschaft komplett ihrem Chef Karsten Balke. Dieser startete Mitte 2016 eine Investitionsoffensive. So orderte Germania auf der Farnborough Airshow bei London 25 Airbus-Mittelstreckenjets der A320neo-Modellfamilie und sicherte sich Optionen auf 15 weitere Flugzeuge der Reihe. Die Auslieferungen sollen nach bisherigen Angaben im Jahr 2020 beginnen. Künftig will Germania mit einer reinen Airbus-Flotte unterwegs sein.

Dass das Geld bei der Airline jetzt knapp wurde, begründete das Management mit den stark gestiegenen Kerosinpreisen im vergangenen Sommer und der Abwertung des Euro zum US-Dollar. Zudem habe es „erhebliche Verzögerungen“ bei der Aufnahme neuer Flugzeuge in die Flotte gegeben, und Germania habe außergewöhnlich viele technische Service-Leistungen bei ihren Flugzeugen in Anspruch nehmen müssen. Die Folge seien „große Belastungen“ gewesen.

Airline-Pleiten in Europa häufen sich

Den Problemen von Germania gingen in Europa jüngst eine ganze Reihe von Airline-Pleiten voraus. Nach den Insolvenzen von Air Berlin und der britischen Monarch 2017 waren im vergangenen Jahr gleich mehrere kleinere Gesellschaften wie Skyworks (Schweiz), VLM (Belgien), Small Planet und Azur Air (Deutschland), Cobalt (Zypern) und die skandinavische Primera Air kollabiert.

In Berlin forderte die FDP-Fraktion bereits den Senat auf, Germania in der Hauptstadt zu halten. Die Fehler von 2017, als Air Berlin von Regierungschef Michael Müller (SPD) vorschnell der Lufthansa angedient worden sei, dürften nicht wiederholt werden.

Neben gestiegenen Treibstoffkosten machte vielen Airlines 2018 das Flugchaos in Europa zu schaffen. Eine große Zahl von Verspätungen und Flugausfällen zogen Entschädigungen und Ersatzleistungen für die Passagiere nach sich. Der Weltluftfahrtverband Iata schätzt, dass Airlines für Entschädigungen europaweit rund zwei Milliarden US-Dollar (knapp 1,8 Mrd Euro) zahlen mussten. Zu den Ursachen zählten Streiks von Fluglotsen in Frankreich, Engpässe an deutschen Flughäfen und die Neusortierung der Luftfahrt-Branche nach der Air-Berlin-Pleite. (mit dpa)

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