Interview CCO Jaggi

Aegean Airlines verlängert die Touristik-Saison

Der frührere Swiss-Manager Roland Jaggi arbeitet seit 14 Jahren bei Aegean Airlines und ist dort seit 2018 Chief Commercial Officer.
Christian Wyrwa
Der frührere Swiss-Manager Roland Jaggi arbeitet seit 14 Jahren bei Aegean Airlines und ist dort seit 2018 Chief Commercial Officer.

Die griechische Fluggesellschaft fliegt dank der guten Nachfrage nun bis Ende November nach Kreta. Wie Aegean die Krise meistert und für das kommende Jahr plant, sagt Chief Commercial Officer Roland Jaggi im fvw-Interview.

Herr Jaggi, wie lief bei Ihnen die verkürzte Sommersaison seit Juli, wie planen Sie für die nächsten Monate?
Roland Jaggi: Im Juli und August kamen die meisten Ankünfte aller Quellmärkte aus Deutschland. Insgesamt lag das Flugvolumen zwischen beiden Ländern aber signifikant niedriger. Im August haben wir 53 Prozent der Vorjahreskapazität geflogen, von Oktober bis Dezember werden wir ebenfalls etwa gut die Hälfte des Vorjahresvolumens anbieten. Da andere Fluggesellschaften noch stärker gekürzt haben, ist unser Marktanteil leicht gestiegen. Im Zeitraum April bis August war der bilaterale Luftverkehr um 80 Prozent niedriger als im Vorjahr, wir lagen 71 Prozent im Minus.

Kongresstag fvw Workshop Griechenland



Einige Veranstalter wollen die Saison für griechische Inseln verlängern. Ziehen Sie da mit?
Ja, aufgrund der zahlreichen Reisewarnungen erwarten wir eine Saisonverlängerung. In Deutschland haben wir deshalb in Absprache mit den Reiseveranstaltern beschlossen, die Nonstop-Flüge nach Kreta über die Herbstferien hinaus fortzuführen. Heraklion bedienen wir aus Frankfurt und München bis Ende November jeweils zweimal pro Woche.

Lufthansa und andere Airlines wurden vom Staat gestützt. Wie kommt Aegean durch die Krise?
Wir haben keine staatliche Finanzhilfe erhalten. Wir nehmen aber die für alle Unternehmen geltenden Hilfen an, insbesondere die Kurzarbeit-Regelung für unsere Mitarbeiter. Uns hilft, dass wir finanziell solide aufgestellt sind. Zu Beginn der Krise verfügten wir über liquide Mittel von 500 Mio. Euro, entsprechend 38 Prozent unseres Umsatzes. Aber natürlich ist die Situation eine große Herausforderung. Vergangenes Jahr beförderten wir mit 65 Maschinen noch 15 Mio. Passagiere, dieses Jahr werden es wohl nur 5,6 Mio. werden.
So entwickelt sich der Tourismus in Griechenland
Um die Zukunft des Tourismus in Griechenland und speziell auch in Thessaloniki und Chalkidiki ging es auf dem fvw Workshop, zu dem 30 Reisebüros und Veranstalter nach Thessaloniki flogen. In dem Video vom Kongresstag sehen Sie die kurze Präsentation von Roland Jaggi (Aegean) und eine Podiumsdiskussion mit den Experten von FTI, TUI, LMX und Attika-Reisen mit vielen Informationen zum Neustart. Einen großen Bericht vom fvw Workshop lesen Sie im neuen fvw Magazin.

Wie können Sie angesichts des Umfelds für nächstes Jahr planen?
Wir sind Griechen – wir haben zehn Jahre Rezession und viele Unsicherheiten in unserer 21-jährigen Firmengeschichte erlebt. Da ist man flexibel. Für 2021 gehen wir mit einer Kapazität von 60 bis 70 Prozent im Vergleich zu 2019 aus.

Aegean hat als Netzwerk-Carrier und Mitglied der Star Alliance einen höheren Anteil an Geschäftsreisenden, dieses Segment dürfte noch länger durchhängen. Was bedeutet das für Sie?
Das ist in der Tat eine zusätzliche Belastung, aber Griechenland ist kein so großer Corporate-Markt. Auf der anderen Seite aber sind wir auch deshalb Marktführer im Verkehr zwischen Deutschland und Griechenland, weil viele in Deutschland lebende griechischstämmige Menschen ihre Verwandten und Freunde besuchen. Das ermöglicht uns ein dichtes Netz mit ganzjährigen Direktflügen ab einer ganzen Reihe deutscher Flughäfen nach Athen und Thessaloniki.

Auch Low Cost Carrier wie Ryanair und Easyjet fliegen viel nach Griechenland. Ryanair startete schon eine Aktion mit Fünf-Euro-Tickets. Ist das die richtige Antwort auf die Krise?
Vielleicht ist es für Ryanair richtig, aber nicht für uns. Griechenland hat die Corona-Situation bislang gut gemeistert. Das führt dazu, dass viele Fluggesellschaften Kapazitäten aus Destinationen mit Reisebeschränkungen verlagert haben. Aber wir behaupten uns mit unserem Qualitätsprodukt.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem neuen Sicherheitskonzept?
Die Passagiere verhalten sich sehr diszipliniert, etwa beim Ein- und Aussteigen. Wir haben wenig Vorkommnisse, die Leute verstehen den Sinn der Maßnahmen. Wenn jemand keine Maske an Bord trägt, wird er von der Crew freundlich darauf hingewiesen. Unsere Crew-Mitglieder und alle Frontline-Mitarbeiter werden alle 15 Tage auf Covid-19 getestet.

Wie sehen die mittelfristige Perspektive?
Das Niveau früherer Jahre wird der Luftverkehr wohl erst in ein paar Jahren erreichen. Dazu braucht es einen Impfstoff, der hoffentlich schon Anfang nächsten Jahres zur Verfügung steht und Fortschritte in der Covid-Behandlung. Gegen die Verunsicherung würden auch günstigere und schnellere Tests vor dem Abflug helfen. Standardisierte Reiseprotokolle zumindest innerhalb der EU wären ein erster großer Schritt. Die Politik muss den Kunden und der Reisebranche mit klar kommunizierbaren Rahmenbedingungen wieder ermöglichen, dass Reisen länger als zwei bis drei Wochen im Voraus gebucht werden.


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