Flugplanwechsel

Airlines bauen Sommerkapazitäten massiv aus

Ein Eurowings-Jets am Flughafen Palma – der LH-Billigflieger wächst im Konzern derzeit am schnellsten.
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Ein Eurowings-Jets am Flughafen Palma – der LH-Billigflieger wächst im Konzern derzeit am schnellsten.

Am kommenden Sonntag startet der neue Sommerflugplan. Obwohl die Air Berlin nicht mehr an den Start rollt, hinterlässt sie nur minimale Flugplanlücken.

The only way is up. Mehr Flugzeuge, mehr Ziele und mehr Flüge lautet das aktuelle Credo der Branche, die in Europa weit schneller wächst als die allgemeine Wirtschaft. Lufthansa, Air France und British Airways kündigen genauso wie die Billigflieger Ryanair, Wizzair oder Easyjet zusätzliche Kapazitäten an. Gerade auf dem deutschen Markt schließen die Airlines rasch die Lücke, die der Marktaustritt der Air Berlin verursachte. Condor hat sich dafür mit der Niki-Nachfolgerin Laudamotion verbündet, und auch die kleine Germania stockt kräftig auf.

„Der Markt nimmt es zur Zeit auf“, sagt Lufthansa-Chef Carsten Spohr fast schon achselzuckend. Vor allem mit der Billigmarke Eurowings will der Marktführer schneller wachsen, von derzeit rund 150 auf 210 Flugzeuge soll die Flotte zulegen. Lediglich aktuelle Lieferprobleme der Flugzeughersteller sowie fehlende Crews haben den Expansionsdrang des Kranich-Konzerns etwas ausgebremst. Statt 12 Prozent stehen nun für die gesamte Gruppe nur noch 9,5 Prozent Wachstum im Plan. Zum Vergleich: Ryanair will auf dem deutschen Markt in diesem Jahr um 13 Prozent wachsen.

Global wächst der Passagiermarkt derzeit deutlich schneller als im langjährigen Schnitt, den der Airline-Verband Iata bei 5,5 Prozent verortet. Im vergangenen Jahr stieg die Nachfrage um 7,6 Prozent und lag damit deutlich über der Kapazitätssteigerung von 6,3 Prozent. Wer mehr Flugzeuge losgeschickt hatte, wurde also in der Regel mit mehr Buchungen und zusätzlichem Gewinn belohnt. Iata-Präsident Alexandre de Juniac warnt angesichts steigender Kosten vor allem für Kerosin allerdings davor, in diesem Jahr noch einmal ähnliches zu erwarten.

Massive Überkapazitäten drohen

Längst sprechen Experten vor einer drohenden Blase. „Es muss spätestens 2019 zu massiven Überkapazitäten kommen. Erste Anzeichen sind schon 2018 sichtbar“, sagte Unex-Travel-Berater Carsten Schaeffer dem „Handelsblatt“. Es gebe durchaus die Sorge, dass die Branche nichts dazu gelernt habe, räumt auch Spohr mit Blick auf frühere Zyklen ein. Er ist aber der Überzeugung, dass die Blasen auf Märkten auftreten, die für Lufthansa nicht so wichtig sind und folglich andere und wirtschaftlich schwächere Airlines treffen.

Den Passagieren kann der Boom vorerst recht sein, denn Konkurrenz führt zu niedrigen Ticketpreisen und einem breiten Angebot. Der Urlaubs-Hotspot Palma de Mallorca wird laut DLR von 24 deutschen Flughäfen angeflogen. Allein im Juli sind aus Deutschland 3400 Flüge auf die Balearen-Hauptinsel geplant, mehr als 100 pro Tag. Dass gleichzeitig die Zahl der Spanien-Flüge insgesamt abnimmt, liegt an der Erholung des türkischen Marktes, den deutsche Touristen seit 2016 gemieden hatten, der nun aber wieder verstärkt angeflogen wird.

Nach einer Analyse des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) wird es in diesem Sommer trotz der Air-Berlin-Pleite an deutschen Flughäfen mehr Starts geben als im Jahr zuvor. Vor allem die britische Easyjet und die Lufthansa-Tochter Eurowings, aber auch Ryanair und Condor nutzen die frei gewordenen Slots.

Von der verblichenen Air Berlin bleibt nur eine winzige Lücke im Sommerflugplan, der an diesem Sonntag (25. März) in Kraft tritt – nämlich der gerade von Lufthansa/Eurowings gestrichene Nonstop-Dienst von Berlin nach New York. Der Quellmarkt Berlin sei einfach zu klein, um den Flieger regelmäßig zu füllen, erklärt Lufthansa-Chef Spohr die Streichung kühl. Im Winter saßen seinen Angaben zufolge jeweils nicht einmal 100 Gäste im Flugzeug. Es geht also doch nicht alles. (dpa)

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