Ferienflieger-Verkauf perfekt

LOT will mit Condor international expandieren

Auf einer Pressekonferenz in Frankfurt verkündeten LOT und Condor die Übernahme.
fvw/Rita Münck
Auf einer Pressekonferenz in Frankfurt verkündeten LOT und Condor die Übernahme.

Die Zukunft der Condor ist gesichert. Die Muttergesellschaft der polnischen LOT übernimmt die ehemalige Thomas-Cook-Tochter. Condor soll unter ihrer Marke und mit dem bisherigen Management in Deutschland und Europa wachsen.

Die Polish Aviation Group (PGL), Eigentümerin der LOT Polish Airlines, kündigt auf einer Pressekonferenz die Übernahme von Condor an und führt damit Condor aus dem Schutzschirmverfahren. Der Zusammenschluss von LOT und Condor in der PGL Group schaffe "einen der führenden Luftfahrtkonzerne in Europa mit den Kernmärkten Deutschland und Polen".

Mit dem Fokus auf weiteres Wachstum in Deutschland sowie in angrenzenden Märkten werde Condor zur zentralen Säule der PGL-Tourismusstrategie und damit zu einer der führenden europäischen Ferienfluggesellschaften. Condor werde weiterhin unter der Führung ihres bisherigen Managements und unter ihrer eigenen Marke fliegen.

"Die Übernahme der Condor passt perfekt zur Strategie der PGL. Der Kauf sichert die Zukunft von Condor und bietet damit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Kunden sowie Partnern Stabilität und eine großartige Perspektive. Wir wollen die traditionsreiche Marke Condor in Deutschland weiterentwickeln und diese auch in andere europäische Märkte einführen", sagt Rafał Milczarski, Vorsitzender der Geschäftsführung von PGL.

"Wir freuen uns, dass Condor mit PGL und LOT stabile, erfahrene und sich dynamisch entwickelnde Partner gewonnen hat, die die Zukunft unseres Unternehmens sichern. Zusammen werden wir doppelt so viele Passagiere bedienen und damit eine der größten Luftfahrtgesellschaften und eine führende Ferienfliegergruppe in Europa bilden. Unsere Partner und Kunden können ihre Urlaubsflüge mit Condor sicher planen", sagt Ralf Teckentrup, Vorsitzender der Geschäftsführung von Condor. Der Ferienflieger werde von der erweiterten Konnektivität und den operativen Synergien zwischen den Fluggesellschaften profitieren.

Kauf soll bis April abgeschlossen sein

Das von PGL unterbreitete Angebot zur Übernahme von Condor wurde vom Gläubigerausschuss als das attraktivste für Condor, seine Mitarbeiter, Partner, Lieferanten und Kunden ausgewählt. Die Transaktion wird den Angaben zufolge voraussichtlich bis April 2020 abgeschlossen sein, sobald die üblichen kartellrechtlichen Genehmigungen vorliegen und Condor das Schutzschirmverfahren beendet hat.

Die Condor-Geschäftsführung und Sachwalter Lucas Flöther wollten eine schnelle Lösung bis Ende Januar, denn derzeit läuft die Hauptbuchungsphase für den Sommer. Eine längere Hängepartie hätte Veranstalter, Reisebüros und Kunden beunruhigt. Zudem muss Condor bis zum 15. April einen Überbrückungskredit der staatlichen KfW-Bank von 380 Mio. Euro zurückzahlen, mit dem nach der Insolvenz von Thomas Cook der Betrieb aufrecht erhalten werden konnte. Dieser Kredit soll nun vom Käufer vollständig zurückgezahlt werden.

LOT ist innerhalb der Star Alliance Partner der Lufthansa, auf deren Zubringerflüge Condor für ihre Fernstrecken angewiesen ist. Lufthansa konnte aus kartellrechtlichen Gründen nicht selbst für die ehemalige Tochter bieten. LOT arbeitet in Polen und Ungarn auch mit Reiseveranstaltern zusammen. 2019 beförderte die Airline zehn Millionen Passagiere und setzt stark auf Langstrecken nach Nordamerika und Asien, die ausschließlich mit der Boeing 787 Dreamliner bedient werden.

Neben LOT waren zwei Finanzinvestoren im Rennen. Der US-Finanzinvestor Apollo, der am spanischen Billigflieger Volotea eine Minderheit hält und auch in der Kreuzfahrt aktiv ist, hatte sich mit deutschen Veranstaltern verbündet, die ebenfalls Anteile übernehmen sollten. Die Veranstalter wollten damit den Fortbestand ihres Carriers sichern. Der britische Finanzinvestor Greybull Capital hatte 2014 die britische Airline Monarch samt deren Veranstalter übernommen, konnte diese aber im Oktober 2017 trotz mehrerer Finanzspritzen nicht vor der Insolvenz retten.

Finanzinvestoren aus USA und GB vor Hürden

Für beide Investoren wäre ein Komplettkauf der Condor schwierig geworden, weil die deutsche Fluggesellschaft wegen der Verkehrsrechte mehrheitlich im Besitz von Eigentümern aus der EU stehen muss. Wegen des bevorstehenden EU-Ausstiegs Großbritanniens hätte auch Greybull ein Konstrukt finden müssen, um Condor nach einem Brexit mit Hilfe von anderen Investoren oder einer Stiftungslösung noch kontrollieren zu können.

Condor hatte im Geschäftsjahr 2018/19 (bis 30. September) den operativen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 32 Prozent auf 57 Mio. Euro gesteigert. Der Umsatz wuchs um sechs Prozent auf 1,7 Mrd. Euro. Zuletzt hatten die Condor-Beschäftigten Einschnitte hinnehmen müssen, um die Gewinnaussichten der Airline mit Kostensenkungen zu verbessern und das Unternehmen möglichst als Ganzes zu verkaufen. So wurde beschlossen, 170 von 750 Arbeitsplätze in der Frankfurter Verwaltung abzubauen. Jüngst hatte sich Condor zudem mit den Gewerkschaften Verdi und UFO auf einen Sanierungstarifvertrag geeinigt, der die Streichung von 150 Flugbegleiter-Stellen vorsieht.
6 Kommentare Kommentieren
  1. Wolfram Schneppe
    Erstellt 24. Januar 2020 11:46 | Permanent-Link

    Das ist ja nun widererwarten ganz schnell ein Ergebnis, kartellrechtl. ok vorausgesetzt, mit dem alle werden leben können und das Planungssicherheit schafft! Mein Glückwunsch an alle Beteiligten!

    Ich gehe davon aus, das sauber die Zahlungsfähigkeit der PGL geprüft wurde, denn da fällt einiges an, was zu begleichen ist...

  2. andreas w. schulz
    Erstellt 24. Januar 2020 11:51 | Permanent-Link

    Für Lot und Condor fordert eine europäische Expansion - jetzt die Traditionsmarke auch in anderen Märkten zu positionieren - eine Herausforderung, die Wizzair & Co sicher nicht unbeantwortet werden lassen.

  3. Dietmar Rauter
    Erstellt 24. Januar 2020 12:10 | Permanent-Link

    Ham Spohr mit Herrn Milczarski telefoniert und verabredet: 'Nimm Du mal und wir teilen uns den Markt in Mitteleuropa auf , ich mit meinen hubs und Du mit Deiner günstigeren Kostenstruktur, da haben andere noch weniger Chancen ? '

  4. Deniz Ugur
    Erstellt 24. Januar 2020 13:44 | Permanent-Link

    Herzlichen Glückwunsch Herrn Teckentrup und seinem Team, ein Airline Eigentümer ist, so denke ich, sehr viel besser geeignet als ein reiner Finanzinvestor. Habe nichts gegen Finanzinvestoren aber man sollte jetzt keine Zeit verlieren um das Airline Business neu zu erklären. Condor hat nun die Chance wieder zur beliebten Traditionsmarke in Deutschland zu werden.

  5. Amadeus
    Erstellt 27. Januar 2020 13:35 | Permanent-Link

    Während wir über Nachhaltigkeit, life-work Balance und Klima schwadronieren, übernimmt die polnische LOT die traditionsreiche Condor. Und, die Polen können sich das leisten, ohne ihren Steuerzahlern in die Tasche zu greifen. So haben sich die Zeiten geändert, die einen kaufen, und die anderen lassen sich aufkaufen...

  6. Dietmar Rauter
    Erstellt 27. Januar 2020 14:22 | Permanent-Link

    Wie funktioniert (diesmal polnisches) Wirtschaftswunder ? Amerikanische Investitionen und eine industriefreundliche Regierung ! Es ist auch kein Wunder, daß Lufthansa und LOT fast farbgleich unterwegs sind. Nenne mir mindestens fünf Flughäfen, die LH in Polen täglich anfliegt ! Herr Spohr hätte ja seine Probleme bei einem Kauf der Condor gehabt. So heißt es: divide und impera, wie schon die Römer wußten: Teile und herrsche ! PS: Brandenburg liegt nahe an Polen, da bekommt die US-Firma Tesla mit deutschen Krediten eine neue Autofabrik und überholt damit VW aus Niedersachsen (im DAX)....

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