Buchungen

Geld soll erst fließen, wenn das Flugzeug abhebt

Für den Platznehmen im Flugzeug soll das Geld erst beim Abheben der Maschine fließen – und nicht vorher.
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Für den Platznehmen im Flugzeug soll das Geld erst beim Abheben der Maschine fließen – und nicht vorher.

Die Forderung ist nicht neu, doch Wirtschaftsverbände erneuern sie angesichts der Flugstornierungen in Pandemie-Zeiten: Passagiere sollen für gebuchte Flugtickets nicht mehr im Voraus bezahlen.

Die Forderung ist inzwischen fast zwei Jahre alt, und die fvw hat seither schon mehrfach darüber berichtet: Fluggesellschaften sollen erst in dem Augenblick ihr Geld bekommen, wenn der Flug stattfindet.

Verbände wie VDR und BME hatten diese Forderung kurz nach der Air-Berlin-Pleite erhoben, da etliche Firmenkunden – aber auch Privaturlauber – auf den bereits bezahlten Ausgaben für ihre Tickets sitzengeblieben waren. Angesichts der Corona-Pandemie und den vielen Tausend noch ausstehenden Erstattungen seitens der Airlines erneuern die Verbände ihren Wunsch nun.

"Bei einer Insolvenz wären dann keine Versicherungen oder Bürgschaften im Vorfeld nötig", begründet VDR-Vize-Präsidentin Inge Pirner das Ansinnen. Bereits 2019 war sie mit dem Konzept im Rechtsausschuss des Bundestags auf breite Zustimmung gestoßen, wie sie sagt.

Kritik am kostenfreien Kredit für Airlines

Genau wie beim Einkauf etwa eines Kugelschreibers oder eines Computers soll das Geld erst dann fließen, wenn die Ware den Besitzer wechselt. Im Falle des Fliegens würde das bedeuten: Wenn der Reisende in der Maschine Platz nimmt und diese tatsächlich auch abhebt.

Geschehen ist seither dennoch nichts in dieser Richtung. "Dabei ist die jetzige Methode der Vorauszahlung eines Fluges für die Fluggesellschaft eine kostenfreie Kreditgewährung ohne Absicherung für den Kunden", kritisierte Pirner schon vor einem Jahr im Gespräch mit der fvw. Auch müssten sich Airlines über Rückerstattungen keine Gedanken mehr machen, wenn Flüge nicht stattfinden, da sie das Geld ja noch gar nicht bekommen hätten.

Zahlen erst bei Abflug? Die Fluggesellschaften lehnen diese Forderung ab – mit dem Hinweis darauf, dass sich das Produkt "Flug" von solchen wie "Kugelschreiber" oder "Computer" unterscheidet. Im Gegensatz zu diesen ist es "eine schnell verderbliche Ware": Ein einmal nicht verkaufter Flugsitz kann – wenn die Maschine erst einmal gestartet ist – nicht an jemand anders verkauft werden.

Airlines bemängeln Vorschlag als unprofitabel

Um rentabel fliegen zu können, sind die Fluggesellschaften jedoch darauf angewiesen, ihre Maschine zumeist zu 80 Prozent und mehr zu füllen – dazu ist eine langfristige Planung nötig. Zudem gehe die Airline finanziell in Vorleistung, wenn sie Flüge vorbereitet, die – auch wieder anders als ein Computer – nur ein einziges Mal zum Verkauf angeboten werden können. Sei eine Maschine jedoch nicht ausreichend ausgelastet, dann mache das Unternehmen damit Verlust und schade überdies dem Klima.

Das wiederum lässt der VDR nicht gelten: Es gehe bei seiner Forderung lediglich um den Zeitpunkt des Zahlungsflusses. Denn dass der Reisende sich zur Zahlung verpflichte, solle auch weiterhin bereits bei der Buchung des Flugs feststehen. Nur solle der Betrag erst zum Abflug von der Krediktarte abgebucht werden. Erscheine der Reisende nicht zum Flug, müsse er natürlich trotzdem zahlen – mindestens eine Stornierungsgebühr. Dieses Modell wenden in der Regel die Hotels an.

Eine Änderung des bisherigen Bezahlmodells kann übrigens nicht die deutsche Regierung bewirken, auch wenn sie dies wollte. Zuständig wäre die Europäische Union.

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5.
Stefan Gruettke
Erstellt 14. Juli 2020 15:41 | Permanent-Link

Bei Hotelbuchungen - beispielsweise via Booking.com - funktioniert es Problemfrei. Der Gast bucht einen Non Ref Tarif und zahlt. Das Hotel bekommt eine virtuelle Kreditkarte die am Anreisetag belastet werden kann. Thema durch.

Wenn man zwischen Kunde und Airline eine Clearingstelle setzt, die die Kundengelder am Abflugtag frei gibt (dürfte EDV technisch weitestgehend automatisiert ablaufen) haben beide Seiten die Sicherheit.

4.
Andreas Blase
Erstellt 14. Juli 2020 15:29 | Permanent-Link

Nahezu jede Airline nimmt Überbuchungen von bis zu 50% (je nach Region) vor, um eine bessere bzw. sicherere Auslastung zu erreichen! Somit kann die Aussage, nur einmal einen Sitzplatz verkaufen zu können, ja nicht richtig sein. Im Optimalfall kommen eben nur maximal 100% der Ticketkäufer, der Rest sind kostenpflichtige (= vorausbezahlte) NoShows. Oftmals hieß es in der Vergangenheit bei unverschämt hohen (zB 100%) Stornokosten nach Ticketing, teilweise 10 Monate vor Abflug, dann, man müsse als Kläger gegen die Airline aktiv nachweisen, dass genau dieser Platz freigeblieben sei... unmöglich! Daher sehe ich hier auch einen enormen Handlungsbedarf, um den Fluggesellschaften ein anderes Zahlungskonzept - notfalls per Gesetz - aufzuzwängen. Irgendwas zwischen Kugelschreiber und Kredit ohne Bürgschaft sollte ja möglich sein, eben wie bei den Hotels...

3.
Uwe Liebold
Erstellt 13. Juli 2020 15:55 | Permanent-Link

Ein Sicherungsfonds wie in Dänemark wäre hier sicherlich eine gute Lösung.

2.
Ingo Simandi
Erstellt 13. Juli 2020 15:17 | Permanent-Link

Der dritte Absatz von unten ist sehr erklärungsbedürftig bzw. ein Armutszeugnis für die Luftfahrtindustrie. Immer noch hochnäsig, arrogant und nicht bereit dazuzulernen. Auf die Absicherung der Tickets wird mit keiner Silbe eingegangen.

1.
thomas schemer
Erstellt 13. Juli 2020 14:28 | Permanent-Link

Alles klar: no shows sind Klimakiller!
Die Airlines haben wenig Lust ihrem Geld nachzulaufen.
So wie gerade ihr Kunden...

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