Branchentreffen

Airliner fordern rasche Änderung der Fluggastrechte

Lufthansa-Chef Carsten Spohr sieht sich zu Sparmaßnahmen gezwungen.
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Lufthansa-Chef Carsten Spohr sieht sich zu Sparmaßnahmen gezwungen.

Schon jetzt ist abzusehen, dass die Branche erheblich unter den Corona-Folgen leidet. Auch deswegen fordern Airline-Vertreter von der Politik eine Reform der Fluggastrechte. Zudem sei es an der Zeit, mehr in erneuerbare Kraftstoffe zu investieren.

Bei einem Branchentreffen berichten mehrere Airline-Chefs von einem starken Rückgang der Buchungszahlen infolge der Corona-Ausbreitung. "Es ist klar, dass wir noch nicht die vollen Auswirkungen von Covid-19 erkennen können", sagte Air-France-KLM-Vorstand Benjamin Smith, der auch dem Verband Airlines for Europe (A4E) vorsitzt.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr erklärte, "die Situation ist sehr dynamisch". Derzeit blieben wegen der Viruskrise rechnerisch 23 von 200 Langstreckenmaschinen am Boden. "Die Aussichten hängen sehr von der Entwicklung in Europa in den nächsten Tagen ab", sagte Spohr. So werde das Angebot an Kurz- und Mittelstrecken in den nächsten Wochen voraussichtlich um 25 Prozent reduziert. 

Ryanair-Chef Michael O’Leary erwartet nach eigenen Worten eine sehr schwache Nachfrage "in den nächsten zwei, drei Wochen", glaubt aber, dass sich die Lage zum Sommer beruhigt hat. 

Die "außergewöhnlichen Umstände" der Coronavirus-Lage zeigten außerdem, dass die Politik Europas Fluggastrechte rasch ändern müsse, sagte A4E-Geschäftsführer Thomas Reynaert. Auch mit den angestrebten EU-Regeln für die Entschädigung bei Flugverspätungen und -ausfällen blieben die Fluggesellschaften angespornt, ihre Passagiere so schnell wie möglich ans Ziel zu bringen.

Der Verband und die Airline-Chefs forderten die Politik zudem auf, der Branche bei der Umstellung auf einen umweltfreundlicheren Betrieb zu helfen. "Es ist ein Skandal, dass wir im europäischen Luftraum fliegen wie vor 40 Jahren", sagte Willie Walsh, Noch-Chef der International Airlines Group mit British Airways und Iberia. "Wir dürfen unsere Maschinen nicht so effizient wie möglich fliegen." Wenn der Luftraum besser genutzt würde, ließen sich in Europa 25 Mio. Tonnen Kohlendioxid pro Jahr einsparen, erklärte Walsh.

Lufthansa-Chef Spohr sagte, die Bundesregierung habe ihm zugesagt, die effizientere Kontrolle des europäischen Luftraums zu einer Priorität der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr zu machen. Europa müsse zudem mehr in die Produktion erneuerbarer Kraftstoffe investieren. Diese seien noch sehr rar und vier- bis fünfmal teurer als fossile Treibstoffe, sagte Spohr. Einnahmen aus Flugverkehrssteuern sollten auf diesem Gebiet investiert werden.

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