Billigflieger-Gigant

Ryanair-Gewinn fällt um ein Fünftel

Ryanair wartet händeringend auf die Auslieferung der B-737max-200 von Boeing. Eigentlich sollte der erste Jet im Frühling 2019 zur Flotte stoßen und mit seinen extrem niedrigen Betriebskosten die Profitabilität des Billigfliegers erhöhen.
Boeing
Ryanair wartet händeringend auf die Auslieferung der B-737max-200 von Boeing. Eigentlich sollte der erste Jet im Frühling 2019 zur Flotte stoßen und mit seinen extrem niedrigen Betriebskosten die Profitabilität des Billigfliegers erhöhen.

Der Brexit, ein harter Preiskampf um Flugtickets, hohe Personal- und Spritkosten sowie Flugverbote für bestellte Boeing-Jets: Die Liste der Probleme bei Ryanair ist lang. Das bekommt die Airline auch finanziell zu spüren.

In Deutschland wütet ein harter Preiskampf um Flugtickets, in Großbritannien treibt der Brexit nicht nur die Luftfahrtbranche um: Europas größtem Billigflieger Ryanair macht das finanziell zu schaffen. Im ersten Geschäftsquartal bis Ende Juni brach der Gewinn deutlich ein. Einerseits stiegen die Aufwendungen für Sprit und Personal, andererseits musste Ryanair-Chef Michael O'Leary die Ticketpreise senken, um seine Flieger voll zu bekommen. Und darüber hinaus grassiert die Unsicherheit wegen der Flugverbote für den Boeing-Mittelstreckenjet B-737max.

Das Ryanair-Management beklagt den Preiskampf auf dem wichtigen deutschen Markt. Die Lufthansa verkaufe ihre überschüssigen Tickets unterhalb ihrer eigenen Kosten, kritisiert O'Leary. Seiner Ansicht nach haben die größte europäische Fluggesellschaft und ihre Tochter Eurowings seit der Übernahme großer Teile von Air Berlin überschüssige Kapazitäten.

Umgekehrt hat die Lufthansa Billiganbietern wie Easyjet und Ryanair samt ihrer österreichischen Tochter Laudamotion vorgeworfen, für Marktanteile in Deutschland Verluste in Kauf zu nehmen. Wegen der Rabattschlacht rechnet die LH-Billigmarke Eurowings im laufenden Jahr erneut mit roten Zahlen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr musste auch die Gewinnprognose für den Gesamtkonzern zurechtstutzen.

Ryanair verdiente in den Monaten April bis Juni unter dem Strich nun 243 Mio. Euro und damit 21 Prozent weniger als im entsprechenden Vorjahresquartal. Zwar wuchs die Zahl der abgesetzten Tickets um 11 Prozent auf 41,9 Millionen, und der Umsatz zog im gleichen Maße auf 2,3 Mrd. Euro an. Dies gelang aber nur, weil Ryanair die Ticketpreise im Schnitt um 6 Prozent senkte. Zusatzerlöse etwa für Sitzplätze nach Wunsch federten den Rückgang ab.

Doch die Mehreinnahmen konnten den Anstieg der Aufwendungen nicht ausgleichen. Denn Treibstoff, Flughafen-Gebühren und Personal schlugen deutlich teurer zu Buche als ein Jahr zuvor.

Unternehmens-Boss O'Leary hatte das vorausgesehen und für das laufende Geschäftsjahr nur noch einen Gewinn von 750 bis 950 Mio. Euro angekündigt. Damit dürfte Ryanair höchstens so viel verdienen wie im vorangegangenen Geschäftsjahr. An dieser Prognose hält das Management fest – obwohl sich die Aussichten eher verdunkeln.

So schlug die anhaltende Unsicherheit rund um den Brexit bei Ryanair schon im abgelaufenen Quartal negativ zu Buche. Der bevorstehende Austritt des Landes aus der EU dämpfe die Zuversicht und die Konsumfreude der Verbraucher, schreibt das Management. Für den Billigflieger ist Großbritannien ein wichtiger Absatzmarkt.

Hinzu kommen die allgemein fallenden Ticketpreise bei gleichzeitig steigenden Kosten. Für das laufende Geschäftsjahr bis Ende März 2020 rechnet O'Leary jetzt mit einem Rückgang der Ticketpreise um bis zu 2 Prozent, nachdem er zuvor auch einen leichten Anstieg für möglich gehalten hatte. Die Zahl der Fluggäste dürfte zwar um 7 Prozent auf mehr als 152 Millionen steigen, allerdings etwas weniger stark als ursprünglich geplant.

Wie es tatsächlich ausgeht, hängt dem Manager zufolge vom Geschäft des kommenden Winterhalbjahrs ab – sowie davon, ob es weitere negative Entwicklungen im Zuge des Brexit gibt.

Zu schaffen macht Europas größtem Billigflieger auch das Flugverbot für Mittelstreckenjets B-737max des Herstellers Boeing, deren Auslieferung sich voraussichtlich deutlich verzögert. Ryanair will 210 Maschinen der Serie kaufen, hat jedoch noch keine einzige erhalten. Denn nach dem Absturz zweier Flugzeuge des Typs bei anderen Airlines in Indonesien und Äthiopien mit 346 Toten gilt für die "max"-Jets seit März ein weltweites Flugverbot. Wann die Probleme und das Startverbot enden, ist weiterhin offen.

Das Ryanair-Management hat Wachstumspläne daher bereits Mitte Juli zusammengestrichen. Die ersten "max"-Maschinen erwartet sie jetzt nicht vor Januar 2020, und für den nächsten Sommer plant sie nur mit 30 statt mit 58 Jets des Typs. Die Zahl der Fluggäste soll im nächsten Geschäftsjahr bis Ende März 2021 zwar auf rund 157 Millionen steigen. Zuvor hatte Ryanair allerdings 162 Millionen angepeilt.

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