300 Mio. Euro Sonderkosten

TUI hofft auf baldiges Ende für B-737max-Flugverbot

Der TUI-Konzern hat bereits 15 Boeing B-737max übernommen.
Michel Maes
Der TUI-Konzern hat bereits 15 Boeing B-737max übernommen.

Der TUI-Konzern wollte mit einer der modernsten Flugzeugflotten Europas glänzen. Doch dann machte ein Flugverbot für die Boeing B-737max diese Pläne zunächst zunichte. Konkrete Zeitpläne stehen auch bisher nicht fest – das macht die Planungen schwierig.

Der Reisekonzern TUI hofft auf ein Ende des Flugverbots für die B-737max. Die Kosten durch das Startverbot schätzt das Unternehmen in ihren Berechnungen auf insgesamt rund 300 Mio. Euro.
"Das haben wir so bis Ende September bewertet", sagte TUIfly-Sprecher Aage Dünhaupt der dpa. Sollten die Boeing-Maschinen der Baureihe B-737max jedoch bis Juli wieder abheben, könnte sich der Betrag um 100 Mio. Euro reduzieren. Der Chef des Weltluftfahrtverbands Iata, Alexandre de Juniac, erwartet ein Ende des Flugverbots erst in zehn bis zwölf Wochen.

In Deutschland stand die Einführung der jüngsten Version des Boeing-Verkaufsschlagers beim TUI-Konzern – einem der wichtigsten Kunden für diesen Flugzeugtyp auf dem europäischen Markt – eigentlich im April an. Insgesamt sollten 2019 vier neue Maschinen dieses Typs dorthin ausgeliefert werden. Zur internationalen TUI-Flotte gehören bereits 15 Jets dieses Typs, die bis zum Flugverbot in Großbritannien und den Benelux-Staaten auf Strecken zu den Kanaren oder den Kapverden im Einsatz waren. Der langjährige Boeing-Kunde TUI will seine Regressansprüche nicht öffentlich machen und setzt auf Zugeständnisse des US-Konzerns.

TUI hat wegen der Flugplanänderungen beispielsweise Leasing-Verträge verlängern sowie weitere Flugzeuge chartern müssen. TUIfly betreibt aktuell 39 Jets, von denen sieben Eurowings überlassen wurden. Bei diesen Maschinen handelt es sich um einen Teil der 14 Flugzeuge, die zuvor an die aufgelöste Air Berlin verliehen worden waren. Sie wurden dann der TUI zurückgegeben.

Von den anderen sieben Jets wurden nur drei in die Flotte integriert – beim Rest waren die Leasing-Verträge nicht mehr erneuert worden. Zudem setzt die Airline aktuell ab Paderborn einen gecharterten Airbus A-321 sowie einen weiteren vom Typ A-319 ab Karlsruhe/Baden-Baden ein.

Beim Absturz einer B-737max8 von Ethiopian Airlines im März und einer Maschine gleichen Typs der indonesischen Lion Air im Oktober waren insgesamt 346 Menschen ums Leben gekommen. In beiden Fällen war möglicherweise die Programmierung des Fluglagesystems MCAS in den Flugzeugen verantwortlich. Der Bordcomputer soll die Nase der Boeing nach unten gedrückt haben. Die Besatzung war nicht mehr in der Lage, den Fehler zu korrigieren.

Mitte März verhängten Luftfahrtbehörden in aller Welt ein Startverbot für den Flugzeugtyp. Auch die Auslieferung neuer Maschinen ist gestoppt. Die US-Luftfahrtbehörde FAA soll nun ein von Boeing entwickeltes Update für die MCAS-Software testen und freigeben. Das Flugverbot für die Boeing-Maschinen hatten den TUI-Konzern im vergangenen Winterhalbjahr bis Ende März bereits tiefer in die roten Zahlen getrieben. Der saisontypische Nettoverlust stieg um mehr als ein Fünftel auf 341 Mio. Euro, obwohl der Umsatz um knapp zwei Prozent auf fast 6,7 Mrd. Euro stieg.

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