Meinungsdebatte

Braucht es wirklich Fluggastentschädiger?

Ist der Flugmarkt durch die Fluggastportale ein Stück gerechter geworden? Oder handelt es sich um Wegelagerer, die sich durch eine hohe Provision auszeichnen? Die fvw-Redakteure Tobias Pusch und Rita Münck liefern sich ein Pro und Contra.

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von Tobias Pusch, Rita Münck, 17.10.2018, 07:31 Uhr
Die fvw-Redakteure Rita Münck und Tobias Pusch kommentieren ihre Sicht auf die Fluggastentschädiger.
Foto: fvw

Tobias Pusch: Ohne Portale keine Gerechtigkeit

Als Self Loading Cargo – selbst ladende Fracht – soll Ryanair-Chef Michael O’Leary einmal seine Passagiere bezeichnet haben. In diesem Sommer wurde deutlich, was passiert, wenn diese zynische Sichtweise flächendeckend Einzug hält. Die Fluggäste werden zur Verschiebemasse, die irgendwie in den Ablauf der Airline reingequetscht wird. Service? Komfort? Flugerlebnis? Ein schöner Traum! Denn es wird nicht einmal mehr das Minimum geboten: eine pünktliche Beförderung.

Auf diesem Nährboden gedeihen die Fluggastportale. Sie helfen den geschädigten Passagieren dabei, an ihr Geld zu kommen. Daran ist nichts Schändliches, zumal die Airlines sich oft mit Händen und Füßen gegen diese Ansprüche wehren.

Natürlich sind die happigen Entschädigungssätze für die Fluggesellschaften schmerzhaft, teilweise sogar existenzbedrohend. Aber die Höhe ist angemessen. Durch sie soll verhindert werden, dass Airlines viel zu knappe Flugpläne stricken und so auf Kosten der Passagiere ihren Profit maximieren. Dass es trotzdem zu so einem Chaossommer wie 2018 kommen konnte, zeigt eher, dass der finanzielle Schmerz für viele Airlines offenbar noch nicht groß genug ist.

Wenn man die Entschädigungssätze nun – wie von den Fluggesellschaften gefordert – senkt, dann würden die Portale rasch sterben. In der Folge würden die Airlines ihre Kunden wieder am langen Arm verhungern lassen und Flugpläne bestenfalls als unverbindliche Empfehlung betrachten. Das kann nicht die Lösung sein. Stattdessen muss die Luftfahrt wohl damit leben, dass die Portale mit ihrem aggressiven Auftreten auch dabei helfen, unredlich agierende Airlines aus dem Markt zu drängen – und somit für etwas mehr Gerechtigkeit im brutalen Wettbewerb am Himmel sorgen.

 
 
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