Zitate

Wie frei dürfen Manager reden?

In Deutschland gebe es einen "Autorisierungswahn" von Zitaten, beklagt die FAZ. Stimmt, so auch unsere Erfahrung.

von Klaus Hildebrandt, 08.07.2008, 14:42 Uhr

In dem

schildert Autor Olaf Sundermeyer, wie Politiker, Manager und Show-Promis inflationär ihre Zitate autorisiert haben wollen. In der Touristik greift dies auch immer mehr um sich. Wortinterviews werden in Deutschland immer schon autorisiert. Dies lässt sich auch nachvollziehen, schließlich werden Interviews vom Redakteur umgeschrieben, und so mancher Manager möchte seinen in der Hitze des Wortgefechts geäußtern O-Ton dann doch noch mal etwa relativieren. Heftig verhandelt wird allerdings, wenn gemachte Aussagen plötzlich ganz verschwinden – oder was auch schon vorgekommen ist – ins Gegenteil verkehrt werden sollen. Problematisch finde ich, wenn auch einfachste Zitate für einen Fließtext mit einer ganzen Reihe von Quellen – zumal bei ziemlich unkritischen Themen – abgestimmt werden sollen. Das nervt – und im übrigen schützen wir unsere Gesprächspartner oft genug durch unsere Bearbeitung der Zitate vor sich selbst. In anderen Ländern, und darauf verweist auch der FAZ-Artikel, gibt es diese deutsche Praxis sowieso nicht. Ich erinnere mich an ein großes Interview vor über zehn Jahren mit dem damaligen Chairman von First Choice in London. Der sagte gleich eingangs im Gespräch: "Ich rede ganz offen mit Ihnen. Ich habe gehört, dass die fvw ein sehr professionelles Medium ist. Deshalb gehe ich davon aus, dass sie das, was ich ihnen off the records sage, nicht zitieren." So viel Vertrauensvorschuss und Gelassenheit würde ich mir manchmal auch hierzulande wünschen.

Kommentare

von Jürgen Barthel, 08.07.08, 16:08
Es gibt leider die "Yellow Press", wo ein solches Verhalten sicher sinnvoll ist. -- Die FVW ist aber sicherlich keine Yellow Press... Die FVW hat einen Ruf (und damit einen Ruf zu verlieren). Aber nicht nur beim Interviewpartner, sondern auch beim Leser - als UNABHÄNGIGES Medium! -- Nochmal vorlegen, damit man grobe Fehler oder Missverständnisse rausnehmen kann ist kulant und professionell. Alles was darüber hinaus geht ist der Versuch von Zensur. Und die passt besser in eine Bananenrepublik...

von Simone Lapossy, 08.07.08, 20:09
Auch ich kann Ihnen nur zustimmen. Oft ärgert es mich wenn insbesondere große Unternehmen sich alles herausnehmen wollen. Das schadet auch dem Ruf der PR-Verantwortlichen der gesamten Branche und ich finde in eigenem Interesse sollte man sich beim Abändern nur sehr vorsichtig bewegen. Hier ist der Spruch "So wenig wie möglich, gerade mal so viel wie nötig" wirklich gefragt.

von Wolfgang Hoffmann, 09.07.08, 11:33
Sorry, aber das hat sich die "Journaille" nun wirklich selbst eingebrockt. Ganz unabhängig davon, dass Anwesende immer ausgenommen sind, bedeutet "Investigativer Journalismus" doch mittlerweilen, dass jeder sich um jeden Preis, unter Einbeziehung der Anzeigenabteilung profilieren muss. Leider hat das Fernsehen diesbezüglich als Vorreiter die ganze Branche unwiderruflich versaut. Dass ein Mitbewerber am Markt der touristischen Fachzeitschriften seine Kompromisslosigkeit schließlich mit der Existenz quittieren musste, das hängt doch auch damit zusammen, dass die Schere im Kopf des Journalisten bereits eingerechnet ist. Schleichend hat sich da bereits eine vorauseilende Zensur etabliert, die dem eigentlichen Sinn der "Freien Presse" völlig entgegen läuft. Zum Glück würde eine schonungslose Offenlegung aller touristischen Kellerleichen, im Gegensatz zur Offenlegung derselben in der Politik, allerhöchstens eine Lachsalve quer durch die Branche auslösen..., aber wenn man eh schon nichts zu lachen hat ;-)

von Klaus Hildebrandt, 09.07.08, 16:16
Lieber Herr Hoffmann, das mit der vorauseilenden Zensur würde ich nicht ganz so unterschreiben. Und eine "schonunglose Offenlegung aller touristischen Kellerleichen" wäre wahrscheinlich gruseliger als Dr. Mabuse und Frankenstein zusammen.

von Hendrik, 15.07.08, 17:25
Einen guten Manager zeichnet eben auch aus, dass er ordentlich und möglichst selbständig kommuniziert, intern wie extern. Gibt mir schon zu denken, wenn für jede Allerwelts-Äußerung die PR-Gefolgschaft vor der Veröffentlichung zur Abstimmung der Worte antritt.

von Hansjörg Kunze, 04.08.08, 10:39
Das Zitat am Ende beschreibt eine wünschenswerte Situation, die wohl alle Pressestellen begrüßen, Journalisten sicher ebenfalls. In der Praxis wird es manchmal etwas komplizierter, wenn auf der einen Seite Fantasie und auf der anderen Misstrauen überwiegen. Wir machen mit sorgfältiger Vorbereitung die besten Erfahrungen, gut eingestimmte Interviewer und Interviewte sparen Kraft und Nerven!

0
Folgen Sie uns:
Top
© 2018 FVW Medien GmbH, Alle Rechte vorbehalten
Über uns FAQ Impressum AGB Datenschutz Kontakt Mediadaten