Wochenschau

Wir spielen jetzt mal Facebook

Facebook manipulierte für eine Studie die Auswahl im Nachrichtenstrom. Das geht sogar ohne Social Media, wie ein touristischer Selbstversuch zeigt.

von Klaus Hildebrandt, 04.07.2014, 16:17 Uhr

Für ein Experiment änderte Facebook den Newsfeed bei ausgewählten Nutzern. Ergebnis: Wer mehr positive Nachrichten sieht, ist eher geneigt, selbst mehr zu posten. Dafür hätte es gar keine Manipulation gebraucht: Wer schlecht drauf ist, hat gar keine Lust, seine Nörgeleien mit den vielen ewig gut gelaunten Freunden zu teilen, die ständig ein fröhliches "Guten Morgen" aus dem Hotelzimmer mit Strandblick, die Vorfreude auf ein Konzert/Restaurant/Freundestreffen/Fußballgucken oder zuckersüße Bilder von der Katze teilen.

Ich kenne nur gewisse Facebook-Branchengruppen, in denen selbst der bestgelaunte Touristiker schnell depressiv wird, weil sich die ganze Welt gegen die Reisebüros verschworen hat und es einigen Mitgliedern gelingt, selbst über harmloseste Kleinigkeiten in einen erbitterten Streit zu geraten. Damit so etwas auf den Kommentaren bei fvw.de gar nicht erst passiert, haben wir diese Woche auch den Newsfeed manipuliert und unsere Leser glücklich gestimmt.

Sie haben es sicher geahnt: Meldungen, wonach der Pleite-Flughafen Lübeck mit der Pu-Ren-Group (allein der Name!) einen neuen Investor gefunden hat, die neue TUI-Vergütung unter dem Motto "Bei den Provisionen bleibt alles besser" steht, ausgerechnet ein Italiener die französische Touristik-Ikone Club Med vor den Chinesen retten will und Ryanair den neuesten Schmusekurs derart übertreibt, dass sie jetzt auch im Flug-Pool von Traveltainment schwimmen, sind genauso zutreffend wie die ungarischen Fahnen, die Ryanair-Mitarbeiter zur Eröffnung der Strecke Weeze-Perugia schwenkten. Und da gibt es noch viel mehr Nachrichten, die einfach nicht stimmen können!

Aber jetzt bitte keine bösen Kommentare oder gar Klagen: Sonst manipulieren wir den Newsfeed wieder und bringen nächste Woche nur schlechte Nachrichten. Das wollen Sie angesichts der derzeitigen Buchungslage (siehe Titelgeschichte der neuen fvw) doch nicht wirklich lesen, oder?

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