Wochenschau

Wer streut die Bonuskarten?

Air Berlins und Lufthansas Bonuskarten, Vertriebswechsel bei Alltours, Thomas Cooks Chefsuche: viel los diese Woche. Hier die persönliche Einschätzung von fvw-Blogger Klaus Hildebrandt.

von Klaus Hildebrandt, 14.10.2011, 16:29 Uhr

1. Promis und Politiker genießen Vorteile mit Air Berlins "Topbonus Gold Card": Ein gefundenes Fressen für die Presse. Doch je mehr sich die Berichte und die Kommentare von Anti-Lobby-Lobbyisten und Aktionärsschützern überschlugen, desto mehr dampfte die ganze Sache ein. Dass gute Freunde von Air-Berlin-Macher Joachim Hunold als "Markenbotschafter" Vergünstigungen genießen: Wirklich ein Skandal, der maßgeblich für den Ertrag verantwortlich ist? Und Politikern gewährt die Lufthansa mit der Senator-Karte schon viel länger Annehmlichkeiten beim Check-in (keine Freiflüge!) – mein Kollege Oliver Graue weist in seinem Kommentar in unserem Schwestermagazin BizTravel zu Recht darauf hin, dass dies nun wirklich kein Skandal ist. Zumal die Bundestagsverwaltung das alles in ihren Reiserichtlinien geregelt hat, etwa dass Bonusmeilen nur dienstlich verwendet werden.

Auch Touristiker und gute Agenturen kommen in den Genuss von Vergünstigungen und Freiflügen. Das ist im Geschäftsleben nun mal üblich, dass Partner sich gegenseitig helfen, zumal wenn Freiflüge etc dienstlich eingesetzt werden. Außerdem gibt es für das Privatvergnügen in unserer Branche nun mal eine Flut von Pep-Angeboten.

In den vergangenen Tagen konzentrierte sich die Diskussion in der Branche deshalb eher um die Frage: Warum kommen diese Bonus-Geschichten eigentlich gerade jetzt aufs Tablett? Zufällig gelangt so etwas ja nie an auflagenstarke Publikumstitel. Will da vielleicht sogar der neue CEO Hartmut Mehdorn reinen Tisch machen und endgültig mit der Ära Hunold brechen, wie einige in der Branche wegen der sehr zurückhaltenden Kommunikation von Air Berlin schon mutmaßen. Oder sind es Opfer des Sparprogramms, die jetzt ihr Müthchen kühlen? Und, kommt da noch was nach?

2. Dieter Zümpel stehen ein paar entspannte Monate bevor: Erst zum 1. März tritt er als Geschäftsführer für Vertrieb und Marketing bei Alltours an. Gleichzeitig mit diesem Datum verkündete der Veranstalter aus Duisburg, dass Vertriebsdirektor Aquilin Schoemig ausscheidet – er wird zweiter Derpart-Geschäftsführer. Alltours-Chef Willi Verhuven hat mit Touristiker Dierk Berlinghoff, Vertriebsprofi Zümpel und einem offenbar kurz vor der Verpflichtung stehenden Finanzmann seine Geschäftsführung fast komplett. Er kündigte erneut an, er wolle "schrittweise als Vorsitzender in den Beirat wechseln" und sich der strategischen Ausrichtung widmen. Diesmal scheint der Alltours-Gründer es wirklich ernst zu meinen. So schwer der Abschied aus dem Operativen auch fällt: Vornehmste Pflicht eines jeden Firmenchefs ist es, sein Haus optimal zu bestellen.

3. Thomas Cook bezog in den vergangenen Monaten reichlich Prügel von den Analysten. Einige malten sogar schon das Schreckgespenst an die Wand, der Konzern könne im Winter, wenn saisonüblich Verluste anfallen und die Schulden steigen, die mit den Banken ausgehandelten Eckwerte reißen. Dann wären die Kredite sofort fällig, oder müssten zumindest zu viel schlechteren Konditionen neu verhandelt werden. Doch nun haben Londoner Analysten sich zuversichtlich geäußert, der Kurs hat sich zumindest leicht erholt.

Nur einen neuen CEO gibt es nicht. Die Kandidaten von außen werden langsam knapp. Ex-TUI-Travel-Finanzchef Paul Bowtell hat einen anderen Job angenommen, Peter Rothwell von Kuoni abgewunken und der heiß gehandelte Johan Lundgren, bei TUI für die wichtigen Märkte Großbritannien und Skandinavien verantwortlich, soll dem Vernehmen nach demnächst noch weiter geadelt werden, um bei ihm bloß keine Wechselgefühle aufkommen zu lassen. Nachdem bereits ein völlig unbekannter Chairman aus dem Hut gezaubert wurde, hoffe ich nur, dass Europas zweitgrößter Touristikkonzern einen Branchenprofi zum Chief Executive macht. Ein Thomas Holtrop als CEO hat gelangt.

Kommentare

von Bogdan Nitulescu, 17.10.11, 10:49
Sehr geehrter Herr Hildebrandt, Sie schreiben es wäre kein Skandal dass Politiker und andere sog. VIP`s Bonuskarten und Freimeilen bekommen... ?!?!? Wir Touristiker würden das auch bekommen.... Partner helfen sich untereinander.... Nun, wir sortieren mal: Touristiker sind Partner von Airlines, ja. Touristiker vermitteln aktiv die Airlines. Das heisst also, Touristiker bringen der Airline Kunden, Geld, Umsatz. Partner. Freiflüge gibt es trotzdem selten, ermäßigte Flüge ja, aber auch das wird immer weniger. Aber ehrlich gesagt, das ist auch kein ausschlag gebender Grund eine Airline zu verkaufen. Es ist immer die Kombination aus Preis - Leistung - Verbindung. Politiker als Partner der Airlines. Verkaufen Politiker Airlinetickets?!? Gibt es in Politikerkreisen so was wie Tupperabende wo man zusammensitzt und einer für eine Airline wirbt?!?! Oder meinen Sie, dass Politiker die Freiflüge geniessen auch dementsprechend ihre Politik nach den Airlines ausrichten?!?! Wenn Sie das meinen, dann sind Politiker sicher Partner der Airlines! Die Frage ist dann allerdings, ist das im Sinne des Bürgers der die Politiker gewählt hat um seine Interessen zu vertreten?!? Reiserichtlinien... Ich kann nicht oft genug das Beispiel aufführen, als Herr jetzt Bundespräsident Wulff nebst Familie von Economy auf Business bei dem Flug mit Air Berlin nach Amerika upgeradet wurde. Sicher eine Dienstreise in die Ferienwohnung, die wahrscheinlich Jemand anderes gesponsort hat. Man muss ja auch Mitleid mit unseren mittellosen und armen Politikern haben, knabbern sie ja doch am Existenzminimum. Es ist auf jeden Fall ein interessanter Trend Reisebüros auszubooten, den Vertrieb mehr und mehr in die Hände von Politikern und VIP`s zu legen. Fliegt ein A oder B Promi mit XY Airline zieht das sicher mehr neue Kunden an, als wenn Reisebüros für diese Airline werben. Das schlimme ist, dass es Kollegen in der Touristik gibt die diese Praxis befürworten und unterstützen... Hochachtungsvoll, B.Nitulescu

von Horst, 17.10.11, 12:01
"Reisebüros ausbooten"... Bitte aufhören, sich chronisch verfolgt und hintergangen zu fühlen. Nicht zurückschauen, nach vorne schauen. Die 2 Flüge im Jahr, die über Reisebüros gebucht werden... ist doch nicht mehr zeitgemäß. Schön auch der Hinweis, dass es TC wieder besser gehen soll. Ich bin mal gespannt. eCommerce in Deutschland hinüber, Zahlen in UK miserabel... Wer da eine positive Prognose in die Welt setzt, hat wahrscheinlich selbst schon auf Absturz gewettet (nach anfänglicher Erholung versteht sich...;-)

von Klaus Hildebrandt, 17.10.11, 15:30
@B.Nitulescu: Sie schreiben von "Freiflügen", das würde ich auch einen Skandal finden. Aber wenn es bei den AB- und LH-Karten nur um die Nutzung von Lounges und einen schnellerer Check-in geht und die erworbenen Freimeilen laut der Bundestagsverwaltung dienstlich genutzt werden müssen, hält sich die Vergünstigung meiner Meinung nach wirklich in ganz engen Grenzen.

von Bogdan Nitulescu, 17.10.11, 16:38
@Klaus Hildebrandt Lieber Herr Hildebrandt, ich sehe das genauso wie Sie! Wenn es nur die Vorteilskarte für den Check In wäre, würde ich das begrüssen, weil ich möchte auch nicht in einer Schlange mit Indira, Verona Poth oder Philipp Rössler stehen. Wäre mir auch unangenehm. Aber leider sprechen wir tatsächlich von Freiflügen im Sinne von Freiflügen. http://www.merkur-online.de/nachrichten/politik/airberlin-stoppt-freifluege-promis-1430651.html Und andere Medien berichten gleichlautend. Hochachtungsvoll BN

von Klaus Hildebrandt, 17.10.11, 18:25
Hallo Herr Nitulescu, es stimmt man muss da unterscheiden zwischen den Promis auf Funk und Fernsehen (auf die sich auch der von Ihnen zitierte Artikel bezieht) und die Bonuskarten für Politiker (ohne Freiflug), die ich im Blick hatte.

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