Wochenschau

Was Fluglotsen so verdienen

Was für eine Woche! Hier in der Wochenschau abseits von auf fvw.de schon ausführlich analysierten Themen wie dem Manny-Abgang und der Lufthansa-Kreditkartengebühr noch einige wichtige und total unwichtige Dinge aus der Touristik.

von Klaus Hildebrandt, 05.08.2011, 14:05 Uhr

1. Die Fluglotsen haben sich vor dem Gericht eine Klatsche eingefangen, rüsten aber munter für neue Streiks. Heute veröffentlicht das Portal fluege.de (das gehört nicht der Lotsen-Gewerkschaft, sondern Unister) die Ergebnisse einer Umfrage bei internationalen Fluglotsen-Verbänden. Das überrascht erstens, weil Reiseportale sonst eher News zu Hammerthemen wie "Die beliebtesten Last-Minute-Ziele" oder "Die Vorteile der Online-Buchung" raushauen. Zweitens, weil laut der Unister-Recherche die deutschen Lotsen mit durchschnittlich 101.000 Euro weit mehr als ihre Kollegen in den USA (72.248 Euro), Österreich (54.000 Euro) und selbst im Hochlohnland Schweiz (90.242 Euro) verdienen.

2. Aida Cruises bestellt zwei neue Schiffe für je 3.250 Passagiere beim japanischen Konzern Mitsubishi Heavy Industries, die im März 2015 und 2016 ausgeliefert werden sollen. Die Japaner bauen deutlich günstiger – um bis zu 100 Mill. Euro pro Schiff, wie Experten schätzen – als die bisherige Clubschiff-Schmiede Meyer in Papenburg. Nun wird auch in Reisebüro-Foren diskutiert: Darf der deutsche Kreuzfahrt-Marktführer so einen Auftrag (der auch in Papenburg viele Arbeitsplätze gesichert hätte) an die Billig-Konkurrenz nach Fernost geben? Oder muss Aida als Wirtschaftunternehmen sogar so handeln, damit Kreuzfahrten weiter erschwinglich bleiben und nur so die vielen neuen Schiffe gefüllt werden können?

3. Touristik und Fußball sind eng verbunden. STA Travel unterstützt die TSG Hoffenheim, das Reiseland Türkei sponsert nun Hertha BSC. Das passt, nicht nur wegen der vielen türkischstämmigen Berliner: die Türkei ist in die erste Liga der Destinationen aufgestiegen, Hertha wieder in die Bundesliga. Doch eine Garantie für den Klassenverbleib ist ein reiseaffiner Sponsor nicht, wie Eintracht Frankfurt mit Fraport auf dem Trikot erfahren musste. Auch viele andere Unternehmen sponsern Fußballvereine wie etwa die Deutsche Bahn (Hertha), Air Berlin (Düsseldorf), die Rewe (Köln), Schauinsland (Duisburg), RTK (Burghausen). Wen habe ich noch vergessen?

4. Ich kann mich an kaum eine Ferienwoche erinnern, in der es so viele wichtige News gab. Ob die Beförderung von Kevin Keogh im Rewe-Vertrieb, die Banken-Rückvergütungs-Attacke von Angelika Hummel oder schon wieder ein neuer Chef für Lastminute.com. Und hier noch eine gute Nachrichten der Woche: Viele Veranstalter stocken ihre Kapazitäten für den Herbst und besonders auch für Ägypten und Tunesien wieder auf. Das spricht dafür, dass sich die beiden Länder nach den Revolutionsunruhen wieder erholen.

5. Im Internet macht das Blablameter die Runde. Mit dem semantischen Tool können Sie checken, wieviel "Bullshit in Ihrem Text steckt", so die Selbstbeschreibung. Dieser Text ergibt übrigens einen Wert von 0,14 ("Ihr Text zeigt nur geringe Hinweise auf "Bullshit-Deutsch"). Na, das ist doch mal ein Lob, auch wenn es von einer Maschine kommt!

Kommentare

von Timo Teggatz, 05.08.11, 16:00
Da fehlen ganz klar noch der HSV und Emirates (neuerdings auch Sopnsor von Real Madrid) in der Liste !!!

von Cathrin Lührs, 05.08.11, 16:07
Und auch noch Hannover 96 und TUI sowie Hoffenheim und STA Travel.

von Rainer Nuyken, 05.08.11, 17:15
AIDA bestellt zwei neue Schiffe - im billigen Japan Klaus fragt: "Oder muss Aida als Wirtschaftunternehmen sogar so handeln, damit Kreuzfahrten weiter erschwinglich bleiben und nur so die vielen neuen Schiffe gefüllt werden können?" Ich glaube weniger, dass es der Preisdruck ist, der AIDA zu diesem Entschluss gebracht hat - die Konzernschwester Costa baut im teureren Italien und hat sicher den erheblich größeren Preisdruck angesichts von Wochenpreise unter 300 EUR von Wettbewerber MSC. Im Vergleich dazu sind die Durchschnittspreise, die die Markenstärke von AIDA ermöglicht, doch immer noch sehr komfortabel. Der Druck kommt vermutlich aus Miami: die Eigner und Aktionäre fordern Top-Renditen. Und die AIDA Manager beweisen ja immer wieder auf's Neue, dass doch noch was geht.

von Jürgen Barthel, 05.08.11, 21:35
Um bei der Überschrift zu bleiben... Sicherlich ein stressiger Job, aber bei so einem Gehaltsdurchschnitt kann man in Deutschland nur von "Klagen auf höchstem Niveau" sprechen...

von Insider, 06.08.11, 12:53
Merkwürdig, folgendes findet man bei Skyguide auf der Homepage: "Nach Erlangen der ersten Lizenz (Endorsement 1) beträgt das Jahresgehalt des/der FlugverkehrsleiterIn 89'200 bis 99'500 CHF (inklusive Zulage für besondere Verantwortung). Ein Jahr nach dem Erhalt der vollen Lizenz beträgt das Jahresgehalt 105'627 bis 137'909 CHF. Das Gehalt steigt jährlich (nach 25 Dienstjahren 151'359 bis 195'074 CHF)." Nach einem Jahr sind es also schon mindestens 95.000€. Wie man auf 90.000€ Durchschnittsgehalt kommt, ist mir ein Rätsel...aber irgendwie muss man die deutschen Fluglotsen ja schlecht reden. Herr Ramsauer gibt auch nur ins Extrem verzerrte (und teils nicht korrekte) Zahlen wieder. Zumal es bei dem Tarifkonflikt eigentlich gar nicht ums Geld geht... Aber an der Personal-Unterdeckung von mehreren hundert Leuten sind auch die Lotsen selber schuld, deswegen kann man Ihnen ja 250 Überstunden aufzwängen, in einem Beruf, der sehr stark belastet. Der Zeitpunkt der Streiks ist sicherlich diskussionswürdig, allerdings von der Geschäftsführung selbst verschuldet, die unbedingt die Tarifverträge bis Ende Mai laufen lassen wollte. Wenn es dann so eskaliert, trifft es die Ferien. Die Lotsen wollen niemandem den Urlaub versauen, wenn die Verhandlungen aber so zerfahren sind wie aktuell, hilft nur noch ein Streik. Oder soll man weitere 5 Wochen warten, bevor man Maßnahmen ergreift? Zumal eine Schlichtung eher eintreten wird, als ein Streik ;)

von Touristiker (grantig), 08.08.11, 12:33
Der Zeitpunkt ist selbstverschuldet? Was gibt es hier noch für jämmerliche Aussagen? Die Rechtfertigung ist schlimmer als der Tat. Es werden bis zu 2000 Flüge und zig tausende Urlauber betroffen sein, mitten in der Hauptsaison, sehr viele Firmen werden sehr viel Geld verlieren, die nichts mit der "miserablen" Lage der armen Fluglozsen zu tun haben. Das wird das Ergebnis sein. Wir schuften hier in der Saison, ohne Urlaubssperre und an den Wochenenden 120 Stunden/Woche ohne Lohnausgleich, damit die Flieger vollausgelastet abfliegen. Das ganze bei erheblich niedrigerem Gehaltsniveau (ohne Überstunden) als es hier diskutiert wird. Und egal was vorkommt (Vulkanasche, Terror, Erdbeben und unnötige Streiks usw), bleibt bei uns kein Reisegast irgendwo stehen. Sie tragen alles auf Kosten der Verbraucher und tun so, als ob alles ihr RECHT ist. Das was Sie hier erzählen ist ein völlig normaler Alltag für alle die in der Touristik arbeiten. In der Saison gibt es IMMER mehr Arbeit als sonst. Ich denke, da wir alle unsere Probleme mit der Globalisierung lösen, auch hier wird es eine entsprechende Lösung geben: Die Jungs aus den osteuropäischen Ländern sind genauso gut ausgebildet, arbeiten genauso hart wie wir hier und kosten nur die Hälfte, sie jammern nicht, urlauben wenig und sprechen Deutsch. Für die Hochnäsigen wird wohl nur noch die Altenpflege übrig bleiben. Dann kann man ruhig streiken, von mir aus wochenlang, während man die Bettwäsche und die Unterhosen der älteren Herrschaften wechselt.

von Touristiker (grantig), 08.08.11, 12:42
@Klaus Herr Hildebrandt, ein Paragraph reicht bei weitem nicht. Dieses Thema steht seit Jahren wie ein Demokles-Schwert auf unseren Köpfen, jedes Jahr gibt es irgendwann mal einen Aufruf zum Streik (BRD, Frankreich, Spanien - alleine 3 in diesem Jahr). Ich glaube hier brauchen wir wirklich verbindliche, vertrauenswürdige Bedingungen, damit keine Kunden unnötig wo gestranded bleiben und das alles nicht auf unsere Kosten getragen wird.

von Insider, 14.08.11, 12:00
Jawohl, der Zeitpunkt ist selbstverschuldet. Das Zustandekommen habe ich oben erklärt. Genauso wie den Beisatz, dass kein Fluglotse hier irgendjemandem einen Nachteil aufdrücken wollte. Es geht hierbei verdammt nochmal um die Sicherheit am Himmel! Wollen Sie ernsthaft in den Urlaub fliegen und dabei von übermüdeten Fluglotsen durch den Himmel geleitet werden? Kein Geld der Welt kann Menschenleben ersetzen. Und wenn sie die Details kennen würden, wüssten Sie, dass die Forderung von 6,5% nicht der ausschlaggebende Grund für den Streikaufruf war. Wenn es nur um Geld ginge, wäre alles längst gelöst worden. Blöderweise war das angeblich so gute Angebot der DFS grundsätzlich mit einer allgemeinen Arbeitszeiterhöhung, Erhöhung der Arbeitszeit am Stück (es hat seine Gründe, dass zB Frankfurter Lotsen maximal 2 Stunden am Stück arbeiten sollen) und ähnlichen Kategorien einherging, zusammen mit der Bedingung, dass die Stundenkonten auf bis zu 250 Stunden aufgeblasen werden. Schauen Sie sich mal die genaue Berichterstattung an, lesen Sie sich durch, wie die DFS sich verhält, wie man provokant bis in die tiefe Nacht hinein, Mitarbeiter, Firmen, Reisende zum Narren hält, in dem man die Gewerkschaft in einem unnötigen Verfahren anklagt, anstatt die längst nötige Schlichtung anzurufen. Zu ihrem Globalisierungsvorschlag kann ich wieder einmal nur anmerken, dass genau das nicht möglich ist. Ich sage nicht, dass dort schlechtere Leistung gezeigt wird, im Gegenteil es gibt überall eine bunte Mischung in der Leistung der Lotsen. Aber alle haben ein Grundniveau, dass für die nötige Sicherheit sorgt. Problematisch wird es beim Sprachlevel. Das ist nämlich auch eine Grundvoraussetzung - und zwar fließend. Genauso wie man in Spanien fließend Spanisch und Englisch sprechen muss. Ja, Fluglotsen haben aufgrund ihrer Spezialisierung einen erhöhten Machteinfluss, aber der ist bei einigen Themen auch nötig. Nicht jeder Lotse ist mit jeder Forderung der Gewerkschaft einverstanden. Aber wenn es um die Sicherheit am Himmel und unsere Verantwortung für Ihr Leben geht, dann stehen wir zurecht zusammen.

von Insider, 14.08.11, 12:08
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