Wochenschau

Sind auch Sie ein Abzocker?

Führichs Branchen-Klatsche, Calden World Central Airport, Harriet Greens irres Tempo und die TUI auf dem Luxustrip – die Wochenschau von fvw-Blogger Klaus Hildebrandt.

von Klaus Hildebrandt, 28.03.2013, 08:57 Uhr

1. Der Reiserechtler Ernst Führich ist für seinen eigenen Kopf bekannt und tritt der Branche gerne mal vors Schienbein. Sein jüngstes Interview in der "Berliner Zeitung" mit dem schönen Titel "Der Kunde wird abgezockt" dürfte seine Beliebtheit bei Veranstaltern, Airlinern und Verbänden nicht weiter steigern. Der Kemptener Professor holt zum Rundumschlag aus: Er fordert, dass die EU-Pauschalreise-Richtlinie auf sämtliche Einzelleistungen wie reine Hotelbuchungen ausgedehnt wird (gerade das wollen DRV & Co verhindern, weil eine Einzelleistung ja keine Pauschalreise ist), dass Veranstalter-Anzahlungen auf 20 Prozent und die Storno-Staffeln begrenzt werden (da würden sich die X-Veranstalter freuen, die ihre Leistungen sofort bezahlen müssen) und einen Pleiteschutz für Airlines (da könnte er noch am ehesten Zustimmung ernten, doch das wäre weltweit nur schwer umsetzbar). Eins allerdings muss auch klar sein: Für all die schönen Segnungen des Verbraucherschutzes zahlt am Ende der Kunde. Und wenn die nur abgezockt würden, hätten die deutschen Veranstalter nicht 43 Mill. Kunden pro Jahr.

2. Eine sehr lebhafte Debatte gibt es auf fvw.de zum holprigen Start von Kassel-Calden. Die meisten unserer Leser halten diesen Airport ebenso wie die Flughäfen in Lübeck, Zweibrücken, Memmingen etc. für absolut überflüssig. Aber eben auch nicht alle. Ich glaube, das Leben von Flughafen-Chefin Maria Anna Muller, zuvor in Rostock, wird nochmal verfilmt. Als Hauptdarsteller, sorry Frau Muller, kann ich mir nur Bruce Willis vorstellen.

3. Wie sehr der Branchenjargon in die Irre führen kann, zeigt die Berichterstattung der Publikumspresse über die jüngsten Buchungszahlen von TUI Travel. Die englische Muttergesellschaft der TUI Deutschland rühmt in dem Update den Erfolg ihrer exklusiven Produkte. Wir Branchenhasen wissen, dass damit Reisen gemeint sind, die es so nur bei diesem Veranstalter gibt. Zum Beispiel Hotels wie Robinson oder Sensimar, die kein anderer Veranstalter verkauft. Exklusiv kann man aber auch anders verstehen: So titelt nicht nur das Handelsblatt, TUI verdanke die gute Entwicklung dem "Luxussegment". Oder ist das etwa als Würdigung für die scheidende Airtours-Chefin Kirsten Feld-Türkis gedacht?

4. Wegen der Osterfeiertage erscheint heute schon die neue fvw. Für die Titelstory interviewte ich als erster deutscher Journalist (ein bisschen Eigenlob muss sein) die neue Thomas-Cook-Chefin Harriet Green. Ich muss sagen, Harriet (wie sie im Konzern nur genannt wird) ist eine sehr beeindruckende Persönlichkeit mit einem hohen Tempo. Die Autorisierung ihrer Zitate ging so schnell, wie ich es kaum bei einem Top-Manager erlebt habe, obwohl sie gleich nach unserem Treffen in Oberursel nach Kanada jettete. Und auch ihre Aussagen zum Wandel bei Thomas Cook und ihrem Führungsstil lassen aufhorchen.

Ich wünsche Ihnen eine gute Lektüre und ein frohes Osterfest!

Kommentare

von Prof. Führich, 28.03.13, 11:39
Der Blog liegt voll daneben. Fakt ist, dass Anzahlungen bis 40 % verlangt werden, obwohl der BGH max. 20 % als Regel festgelegt hat. Der Kunde als billige Finanzierungsbank! Das gleiche gilt mit den Stornosätzen. Immer mehr, obwohl stornierte Reisen zunehmend weiterverkauft werden. Übrigens die nächste Airline-Pleite kommt so sicher wie das Amen in de Kirche. Ich habe schon das Wehklagen der Fluggäste im Ohr, wenn der voll angezahlte Flugpreis weg ist, der Flieger aber nicht abhebt.

von Jürgen Barthel, 28.03.13, 12:28
Schön, Dr. Führich liest mit und ist natürlich anderer Meinung ;-) Es gibt ja auch immer zwei Seiten. In Kurzfassung ist der Kommentar aber wichtig, dass am Ende IMMER der Kunde bezahlt. Letztlich wie bei jeder Versicherung: 100%ige Sicherheit gibt es nicht und je mehr Sicherheit ich will, desto teurer wird es eben. Glückwunsch zum Interview mit Harriet! Und Kirsten Feld-Türkis nimmt hoffentlich nur eine kurze Auszeit - sie kann ja auch etwas langsamer machen. Ein dauerhafter Abgang wäre aber ein Verlust für die Branche - wenn auch nicht der Erste oder Einzige. Als Hauptdarstellerin für den Film zum deutschen Regionalflug könnte ich mir aber auch Demi Moore gut vorstellen, ist ja nicht weit von Bruce Willis. Und als einer von "denen", die das Wort "überflüssig" falsch am Platz finden... Ohne nachhaltiges Konzept (auch "Strategie") genannt werden diese Airports wohl nicht überleben. Und im Bericht gibt's einen Kommentar von Dieter Rauther II und dem Beispiel Kiel. Da war ein gutes, funktionierendes Konzept. Dann kam der Größenwahn. Und auch mein Kommentar bezieht die Frage ein, wieso hier eine dreistellige Millionensumme investiert wurde. Ohne dazu ein Konzept zu haben, dessen Beginn man auch mitfinanziert (als Investition, nicht als Subvention). Food For Thought. Fröhliche Ostern Jürgen B.

von Skeptiker, 28.03.13, 14:36
Klingt, pardon, irgendwie nach einer Bewerbung für Talkshoweinladungen. Die Argumentation von Ernst ("Prof.") Führich wäre ja stichhaltig, wenn sich die Anbieter durch Anzahlungen, Stornierungsgebühren etc. einen wirtschaftlich verzichtbaren Zusatzprofit ergaunern würden. Vielleicht gibt es ja sogar eine Airline, der das immer mal wieder vorgeworfen wird. Branchenweit ist das aber nicht der Fall, denn diese Konditionen sind i.w. marktweit verbreitet, so dass es für einzelne Anbieter sehr einfach wäre, sich durch die Konditionen vom Wettbewerb abzuheben. Stattdessen geht das zugunsten optisch niedriger Angebotspreise ja eher noch in die andere Richtung. Die ganze Branche verdient ja nicht viel am Umsatzeuro. Die Höhe der Kosten wird durch die Konditionen auf der Umsatzseite nicht beeinflusst. Wenn kundenfreundlichere Konditionen per Gesetz erzwungen würden (hier und da gewiss erwägenswert), steigen zwangsläufig die Marktpreise. Hat man bei den Werbepreisen der Low Cost Airlines auch gesehen, wie das geht. Hier und da gibt es dann im härteren Wettbewerb ein paar Marktaustritte, und fertig. Die Konditionen mögen dann für alle Kunden freundlicher sein, aber es wird dann für alle Kunden eben auch teurer - auch für die, die sich daran bisher gar nicht gestört haben oder mit einer Rücktrittsjahrespolice gut bedient waren. Kann man so wollen. Ich persönlich würde das (in einem gesetzlichen Rahmen) lieber dem Markt überlassen. Die Hybridairlines machen es vor, indem sie die Preise u.a. auch über die Konditionen differenzieren. Jedenfalls bis das Bundesversicherungsamt da wieder seine eigenen Maßstäbe anlegt und nochmal ein paar Manager verhaften lässt.

von Skeptiker, 28.03.13, 14:46
p.s. Angelina und Brad!! Um den Stoff filmreif zu machen, müssen da nicht einfach nur Stars rein, sondern auch Romantik und Action in die Story. p.p.s. Evtl. Arnie als guten und Jack Nicholson als verschlagenen Politiker. p.p.p.s. Ich mag Bruce Willis. Der könnte doch aber besser den Mehdorn geben, wenn's da mal soweit ist. Reiner Actionfilm :-))

von Horst, 28.03.13, 15:19
Dann lesen wir mal nach, was die "Harriet" so zu Thomas Cook sagt... Und in 12 Monaten lesen wir nach, was Ex-TC'ler zu "Harriet" sagen...;-) Und zu Airlines: TUI Fly berechnet 5€ für einen Vorabend check-in - pro Person! Das business kann nur zusammenbrechen, wenn die Anbieter so kreativ sein müssen um irgendwo noch Kohle zu verdienen... Schlimm ist das!

von Ulrich von dem Bruch, 08.04.13, 17:47
Bruce Willis in Kassel wegen "Stirb langsam" ???

von Eugen Peters, 17.05.13, 12:51
Easy Jets Gepäck abzocke, reinster wucher!

von kumpiraca, 05.05.14, 15:00
einfach nur toll. . . Weiß nicht wie ich euch gefunden hab.. aber supii :D

von lilly, 06.08.14, 09:44
DAs ganze Leben ist eine abzocke

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