Wochenschau

Schuldenbremse für den Weihnachtsmann

Hurghada in Bodenmais, Heliview und die Schulden des Weihnachtsmanns – das fiel diese Woche bei News, Videos und Blogs auf.

von Klaus Hildebrandt, 09.12.2011, 08:38 Uhr

1. Wenn man auf der Müsli-Packung einen Reisegutschein findet, nennt man das Crossmarketing. Das originellste Reiseangebot dieser Woche kommt aus dem Bayerischen Wald: Wer ein bestimmtes Hotel in Bodenmais bucht, erhält einen Gutschein für eine Ferienwohnung in Ägypten. Ich bin gespannt, ab wann sich der Hurghada-Vorort Bodenmais als "Red Sea Riviera" des Nordens vermarktet.

2. Traffics hat seine neue Bilddatenbank Heliview freigeschaltet. Sie ermöglicht die Suche nach Urlaubszielen aus der Hubschrauber-Perspektive. Der Clou sind nicht nur die Luftaufnahmen, sondern dass die mit einem Preisschild versehenen Hotels auch buchbar sind. Über das Making-off gibt es jetzt ein interessantes Video. Das ist für mich deshalb empfehlenswert, weil es keine Hochglanz-PR ist, sondern auch den Absturz des Hubschraubers in Spanien – bei dem glücklicherweise niemand ums Leben kam, ein Mitarbeiter aber 13 Knochenbrüche erlitt – nicht ausklammert.

3. Konzerne wie die TUI sind nicht gerade als Hort ungezügelten Frohsinns und schräger Blog-Kultur bekannt. Doch die britische Veranstaltermarke First Choice hat nun in ihrem Blog eine gut gemachte Info-Grafik zur Schuldenkrise veröffentlicht. Passend zur Weihnachtszeit und zur Debatte über Staatschulden haben die First-Choice-Blogger errechnet, dass Santa Claus nach den USA und vor Deutschland die zweithöchste Verschuldung aufweist. Denn es wird immer mehr für Weihnachtsgeschenke ausgegeben. Und wo früher für die Kleinen ein Teddybär unter dem Christbaum lag, ist es jetzt ein I-Pad. In diesem Sinne: Viel Spaß beim Weihnachtseinkauf und einen schönen dritten Advent!

Kommentare

von Werner H.., 09.12.11, 10:04
Zum Thema Bodenmais/Hurghada: Eine interessante Meldung, auch im Hinblick auf den am 10.12.2011 in Duisburg stattfindenden "1. Deutschen Reisebürotag", der, wenn ich das richtig verstanden habe, die Branchenakteure in Bezug auf Marketing und Vertrieb gerade in die vergangenen, goldenen Zeiten eines fairen Miteinanders unter traditionellen Bauchtouristikern - einer aussterbenden Spezies - zurückzwingen will. Shareholder-Value orientierte Touristikmanager werden sich davon kaum beeinflussen lassen dürfen. Man darf gespannt sein, wie und ob überhaupt man derartige Realitäten in Duisburg zur Kenntnis nehmen wird, oder die Teilnehmer besser auf eigene Kreativleistungen einschwört, anstatt auuf dem längsst ausgehöhlten Handelsvertreterstatus zu pochen. Von wegen Hinterwäldler: Cross-Marketing à la Bodenmais könnte nämlich bald überall sein. Urlaub als Zugabe. Groupon & Co. schicken Grüße nach Duisburg. Und auch RTK-Partner Payback (!!!) erfreut seine Mitglieder (und Partner???) bereits mit Daily Deals aller Art.

von Bernd, 13.12.11, 21:01
Den Bogen vom Crossmarketing mit dem 1. Deutschen Reisebürotag zu spannen ist ungefähr so passend wie die Beziehung Shareholder und Value. Wer in Duisburg war, bekam tatsächlich nie auch nur einmal das Wort Crossmarketing zu hören! Bezeichnend? Für alle Hinterwäldler: Crossmarketing á la Bodenmais ist bereits überall. Na und? Wer das Ohr am Kunden hat, weiß, warum sie immer noch bei guten Touristikern buchen und nicht im Supermarkt oder auf Luftnummern -70 % hereinfallen. Gute Touristiker setzen auf Marketing ohne Cross.

von Bernd, 13.12.11, 21:38
Drei Ausrufezeichen (!!!) gefolgt von drei Fragezeichen (???) wirken. Ich meine natürlich: Gute Touristiker setzen besser auf wirksames Marketing und weniger auf Cross. Auf qualifizierte Beratung und keine Ramschtricks. Last not least auf angemessenen Verdienst! Wie jeder andere Schreiber hier im Raum.

von Werner H.., 15.12.11, 11:26
@ Bernd: "Der Wurm muß dem Fisch schmecken, nicht dem Angler". Gute Touristiker mögen ja auf Marketing ohne Cross setzen, die Frage ist nur, ob der geneigte Kunde sich von der an Intensität täglich zunehmenden Überflutung von Cross-Marketing-Aktionen nicht doch irgendwann beeinflussen lässt. Und: Ob ein Touristiker "gut" ist, entscheidet für sich einzig und allein der Kunde - meist aus einem gelungenen Erstkontakt. Ohne Kundenbindung ist die Gefahr groß, dass ein Kunde ein über branchenfremde Cross-Marketing angebotene Produkt als Qualitätsprodukt (weil auch in serlösen VA-Katalogen angeboten!) empfindet und bei einem ersten Test auch so bestätigt bekommt. Groupon & Co. wären nicht so erfiolgreich, wenn sie nur Schrott anbieten würden. Duisburg war primär eine branchenpolitische Veranstaltung. Hätte dort Marketing im Mittelpunkt gestanden, dann wäre es geradezu fahrlässig gewesen, sich NICHT mit diesem Thema zu beschäftigen, dass aller Voraussicht nach kein vorüber gehendes Phänomen sein wird. Ich setzte deshalb bewusst nochmal drei Fragezeigen (???) in Bezug auf den RTK-Partner-Paypal. Oder glaubt jemand im ernst, dass Groupon, Paypal & Co. irgendwelche Skrupel haben, ihr (erfolgreiches) Geschäftsmodell auszuweiten?

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