Wochenschau

Hebt Unister jetzt ab?

Verrohen die Sitten in der Branche? Schwächelt die Buchungskurve im Schneefall? Und warum hebt das Unister Portal fluege.de jetzt so richtig ab? Die Antworten in der ganz persönlichen Wochenschau.

von Klaus Hildebrandt, 17.12.2010, 14:09 Uhr

1. L'Tur erwirkt im Streit um Markenrechtsverletzungen durch Google Adwords eine einstweilige Verfügung gegen Unister, melden wir heute auf fvw.de. Ich weiß gar nicht, wie viele Pressemeldungen dieser Art es in jüngster Zeit gab, auch Best-RMG und Schmetterling sind ja im Clinch mit dem Leipziger Portal-Betreiber. Dazu noch der unselige und immer erbitterter ausgetragene Online-Bilder-Streit zwischen Giata und Interactive CMS/Pisano, dazu heute auch die Meldung über eine Klage von Onlineweg.de gegen Giata. Eine Frage habe ich jenseits aller juristischen Feinheiten und Schuldfragen dazu: Verrohen in unserer Branche inzwischen die Sitten und lassen sich Streitereien ohne Heerscharen von Anwälten heute nicht mehr durch Gespräche lösen?

2. Die Buchungen laufen weiter gut, meldet die GfK in ihrem Tourismus-Panel. Danach liegt der Winter, gemessen an einer grottigen Vorsaison, bis November um stolze 15 Prozent im Plus. Doch während der Handel sich über ein gutes Weihnachtsgeschäft freut, ist das Geschäft im Dezember abgekühlt, hören wir von großen Veranstaltern. Liegt es am Winterwetter? Oder vielleicht doch an der Luftverkehrs-Steuer, die vor allem bei Fernreisen zuschlägt? Oder ist das nur eine leichte Delle im Aufwärtstrend? Zumal derzeit wohl eher für den Sommer als den Winter gebucht wird. Für die Abreisemonate Januar bis März jedenfalls locken die ersten Hoteliers schon mit Schnäppchen.

3. Die TUI AG hatte dieser Woche Pressekonferenz, auch Thomas-Cook-Manager Peter Fankhauser lud Journalisten ein. Bei beiden Veranstaltungen beliebtes Small-Talk-Thema: Wie berechnen die britischen Konzerne TUI Travel und Thomas Cook Group eigentlich ihre viel zitierten underlying operating profits? Im Blog habe ich das neulich schon erläutert. Es ist ja schon ein Phänomen, dass etwa bei TUI Travel von einem operativen Gewinn von über einer halben Milliarde Euro unter dem Strich ein Nettoverlust von 120 Mill. Euro übrigbleibt. Aber auch TUI-Chef Michael Frenzel schien not amused, dass sich die Briten für stolze Gewinne feiern lassen, aber in der deutschen Presse dann von Verlusten in der Touristik die Rede ist. Der Finanzchef eines anderen großen Veranstaltes nahm es mit Humor: Er werde demnächst einen underlying profit before costs ausweisen, dann ist der Umsatz gleich dem Ergebnis. Ein Kollege von mir hat diese Bilanzkunst sehr plakativ beschrieben: Er komme zwar jeden Tag zu spät zur Arbeit, verbringe den Tag in der Kaffeeküche und habe schon lange nichts vernünftiges mehr geschrieben – aber seine "underlying operating performance" sei fantastisch. Stimmt.

4. Die Lufthansa stellte diese Woche ihr neues Europa-Produkt. Schon vorab hatte fvw.de die Kernpunkte gemeldet, unter anderem, dass es wieder Snacks in der Eco gibt. Bei Konkurrent Air Berlin gibt es innerdeutsch Kleinigkeiten wie eine Laugenstange, das wissen offenbar gerade gehetzte Manager zu schätzen. Aber nun legt Air Berlin im Gourmet-Wettbewerb noch einen drauf: Diese Woche flog ich mit dem Branchenzweiten – und an Bord gab es sogar leckeren Glühwein und weihnachtliches Gebäck. Weihnachtsmarkt über den Wolken! Jetzt warte ich auf den Osterhasen bei Lufthansa.

5. Und noch einmal Unister: Deren Gründer Thomas Wagner will nicht nur Budget-Hotels gründen, sondern legt sich jetzt sogar noch einen Hersteller von Sprungskiern zu. Aus eigener Produktion sollen die Bretter mit dem Aufdruck des Unister-Portals Fluege.de dann sogar bei internationalen Wettbewerben ganz vorn mitfliegen. Da behaupte noch jemand, die Leipziger würden abheben. Wird auch diese Unister-Aktion ein Erfolg? Entweder es gibt eine Bruchlandung mit ganz miesen Platzierungen bei Wettbewerben oder die Fluege.de-Springer sind so erfolgreich, dass bald der Expedia-Bob, der Opodo-Schlitten und die Curling-Spieler von Weg.de bei der Olympiade auflaufen.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Winter-Wochenende und wünsche viel Vergnügen mit der neuen fvw, die heute hoffentlich trotz Eis und Schnee bei Ihnen im Briefkasten landete!

Kommentare

von Skeptiker, 17.12.10, 15:35
Profit before Cost? G-e-n-i-a-l !! Bzw. EBITDAAAE ("...and anything else"). Am besten noch "Umsatz vor Umsatzsteuern". Und vorgezogene Verbuchung anteiliger Gewinne aus erwarteter Inflation und Profiten aus zukünftigen Kursschwankungen. Andererseits: Warum dann nicht auch die Summe der Ausgaben & Kosten separat angeben? Einfach die Einnahmen eines Jahres den Ausgaben gegenüberstellen, die Erträge den Aufwänden, ein paar Abgrenzungen und Rückstellungen und ... ach so, die HGB-Bilanzen wurden ja abgeschafft. Schade. Wahrscheinlich weil sie zu intransparent waren. Tja.

von Martin Schmidt, 08.01.11, 09:21
Es ist doch lustig, dass ich Unister gerade den Wintersportbereich ausgesucht hat, in dem die Deutschen grottenschlecht sind. Lahme Vögel, wie Martin Schmidt, passen doch nicht zum schnellen Internetprozess. Vielleicht sollte man mal mit Ferrari reden

von Andy, 09.01.11, 16:45
Für mich ist Unister das absolut allerletze! Und das sich ein Michael Ballack dafür hergibt, zeigt die Moral innerhalb Deutschlands!

von Heidrun Jahn, 24.02.11, 17:12
Den Ballack interessiert " nicht eine Bohne" für welchen Mist er sich hergibt...Hauptsache sein Geld in seinem Portomonnaie stimmt.... alles andere ist dem doch egal , ob man in ein 2 Sterne Hotel ( bessere Jugendherberge ) nach Malle über 4 Tage(Hinflug am Abend und Rückflug am Morgen ) mit Frühstück und ohne Transfer fuer 129,- Euro fliegen kann....diese Werbung ist doch eigentlich zum Ko.....! Wir sind die Dummen, weil wir den Kunden es erklären sollen, das dies eigentlich "Schrótt" ist ,weil man super Qualität zum Preis von 129,- € erwartet.....

von Yurtlu, 06.04.11, 10:08
Wenn man von Unister redet sollte man auch direkt vom Google reden. Ohne hilfe vom Google hätte Unister dies alles nicht schaffen können. Unister hat dafür gesorgt, dass bei Google die Preise steigen und was Unister dafür von Google erhalten hat sollte untersucht werden. Ich habe eine Strafanzeige gestellt und seit fast einem Jahr habe ich leider noch nichts von dem Staatsanwaltschaft gehört. Unister ist einer von Suchpartnern von Google wie T-online und andere. Wer aber nicht bei Unisterseiten erscheinen will muss auch auf die anderen verzichten. Unister sorgt mit seinen spammails für viel Traffic und klicks bei Google. Suchanfragen die es nicht gibt werden künstlich produziert. Ich hatte viele klicks als ein Reisebüro und die Kunden hatten erotische angebote gesucht. Und zwar mehr als Reisen. Ganz deutschland war binnen kurzer Zeit notgeil anscheinend so dass 1.400.000 Kunden danach gesucht haben. Also hatte das Wort "reisen" bei Google im weiten Sinne mehr Suchanfragen bei "erotische angebote" produziert als reisen selber und Google fand doch einen zusammenhang zwischen "reisen" und "erotischen Angeboten. Wenn man aber die Suchpartner ausgeschaltet hatte kamen von diesen suchbegriff keine Suchanfragen mehr. Über 80% der Klicks bei den Suchpartnern von Google wird von Unistergruppe Produiziert. ( bevor die im Fernseher angefangen haben zu werben). Ich bin gespannt was die Staatsanwaltschaft herausfinden wird.

0
Folgen Sie uns:
Top
© 2018 FVW Medien GmbH, Alle Rechte vorbehalten
Über uns FAQ Impressum AGB Datenschutz Kontakt Mediadaten