Wochenschau

Haie und andere Alpha-Tiere

Haben Sie das Schneechaos gut überstanden? Was macht eigentlich der Hai vor Ägypten? Und möchten Sie "I hate Thomas Cook" heißen? Hier die ganz persönliche Wochenschau.

von Klaus Hildebrandt, 10.12.2010, 12:13 Uhr

1. Der Winter legt den Luftverkehr lahm. Betreiben die Flughäfen wirklich "Missmanagement", wie es neulich Lufthansa Fraport vorwarf? Und warum gibt es in Berlin nicht genug Enteisungsmittel? Die Flughäfen schieben den schwaren Peter weiter, zum einen auf Wettermacher Petrus himself, zum anderen auf die Hersteller der Auftauflüssigkeiten, die wegen des frühzeitigen Wintereinbruchs Lieferschwierigkeiten haben. Vielleicht müssen wir ja bald alle Kühlerfrostschutz aus dem Baumarkt mit zum Fliegen bringen – in 100 ml-Fläschchen in durchsichtigen Plastikbeuteln, versteht sich.

2. Und noch mal Luftverkehr: Die Politiker hatten bei der Luftverkehrssteuer auch deshalb leichtes Spiel, weil sich Flughäfen und Airlines nicht einig waren. Die Lobbyisten ziehen nun die Lehre und haben den Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) aus der Taufe gehoben, zunächst mit Flugsicherungschef Dieter Kaden an der Spitze. Ein neuer Präsident wird gesucht. Also, wenn Sie den Politikern immer schon mal auf den Zahn fühlen wollten, ist das Ihre Chance. Versprochen: Eine Kampfabstimmung wie neulich beim Duell "Jürgen gegen Jürgen" wird es nicht geben.

3. Steven Spielberg ist an allem Schuld. Seit seinem Klassiker "Der weiße Hai" kommen uns immer diese Bilder in den Kopf, wenn es um Hai-Attacken geht. Aber auch an der Sinai-Küste darf wieder gebadet werden. Mein Kollege Oliver Keppler kam mit Armen und Beinen von der Dertour Academy aus Ägypten wieder und traf auf einen Tourismusminister, der ganz offen einräumte, er könne sich das auch alles nicht erklären. Die unsinnigste Pressemitteilung zu dem Thema kam übrigens vom Meta-Searcher Skyscanner: Dort sind am vergangenen Wochenende die Flugabfragen zu Sharm El Sheik doch tatsächlich um 14 Prozent gesunken (Headline: "Hai-Angriffe wirken sich auf Reiseverhalten aus"). Liebe Himmelsbeobachter: Ich wusste gar nicht, dass es Urlauber gibt, die einen einzelnen Flug in das Veranstalter-AI-Paradies Ägypten buchen.

4. Gute Nachrichten im Boulevard-Klassiker Handtuchkrieg: Nachdem in Spanien an einigen Stränden ja der Union Jack die Mehrheit hat, liegen die deutschen Urlauber dieses Jahr an der Türkischen Riviera knapp vor den Russen. Darauf ein kühles Efes, nasdrowje!

5. Eine Rekordzahl von Briten hat in diesem Jahr den Namen geändert, berichtet die Zeitung "The Sun". Das kostet im Vereinigten Königreich nur 13,99 Pfund Verwaltungsgebühr. Darunter ist auch Austin Kettle aus Ipswich. Sie änderte ihren Namen in: Mrs Lorraine Darla I Hate Thomas Cook And Its Associates Big Shot Company Treading On The Little Guy Leeks (die Fettung stammt von mir). Der Grund für den Namenswechsel: Sie hatte ihre Hochzeitsreise bei Thomas Cook UK gebucht, die allerdings wegen eines Versehens beim Veranstalter gründlich in die Hose gegangen war (die Reise, nicht die Hochzeit). Hoffentlich spricht der Ehemann sie mit einem Kosenamen statt des Wortungetüms an. Wie wäre es mit: "Hi, mein Neckermann-Baby?"

Kommentare

von bernhard, 10.12.10, 13:59
Zu 1.) Es ist ganz offensichtlich: Die Qualität des Bahn- und Luftverkehrs entwickelt sich in vielfacher Hinsicht nur noch rückwärts (was den Reisekomfort an Bord angeht, zumindest in der Holzklasse, die nicht nur bei Lowcost immer hölzener wird). Oder erinnert sich jemand an ähnlich chaotische Verhältnisse an den Flughäfen, wie wir sie in diesen Tagen insbesondere in Frankfurt erleben durften? Dicken Schnellfall gab's doch auch früher schon: Nach relaitv kurzer Zeit waren die Start- Und Ladebahnen geräumt! Enteist wurden die Flugzeuge früher auch schon, in der Regel in 10 - 20 Minuten: Jetzt plötzlich dauert das 45 Minuten "wg. der aktuellen Eiskonsistenz"! Und dass die Winter härter werden, haben die Enteisungsmittelproduzenten offenbar auch noch nicht zur Kenntnis genommen. Haben sich hier möglicherweise Reste der Aschewolke im Eis verfangen und dessen Konsistenz derart verändert? Und die Bahn? Na ja! Früher redete sie NIE vom Wetter, heute DAUERND - und weder der Wechsel von Mehdorn zu Grube, noch der jüngste von Breuel zu Huber haben daran etwas positiv verändert - eher das Gegenteil. Nicht, dass ich mir Mehdorn zurückwünschen würde, aber mit Vorschusslorbeeren auf Nachfolger sollte man besser vorsichtig sein.

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