Wochenschau

Fünf Pluspunkte fürs Reisebüro

In der Wochenschau geht es diesmal nur um Reisebüro-Themen, vom Rewe-Reisekoffer über Jubiläen bis zur DRV-Prognose. Denn es gibt trotz häufiger Klagen auch viele good news aus dem Vertrieb.

von Klaus Hildebrandt, 02.11.2012, 08:50 Uhr

1. Am Donnerstag war ich bei einem Empfang im Hamburger Reisebüro Koch-Übersee: Dessen Chefin Brigitte Wirsig feierte ihre 40-jähriges Jubiläum (mehr zu ihr auf fvw.de). Sie ist übrigens nicht die einzige mit so langer Zeit in dem Büro in der Hamburger City: Zwei weitere Mitarbeiter haben ihren 40. Jahrestag schon hinter sich. Gäste wie Christoph Führer ( Derpart, vorher L'Tur und Europcar) oder Hasso von Düring (Lufthansa City Center, vorher unter anderem TUI) waren sich einig: Toll, dass es solche langen Firmenzugehörigkeiten gibt – aber in Konzernen ist das für Manager heute wohl unmöglich.

2. Und noch etwas zur Tradition: Es gibt viele Reisebüros, die sich schon sehr lange bestens behaupten. So feierte jetzt in Bamberg das Reisebüro Schiele mit einem Festakt das 100-jährige Jubiläum. Das Derpart-Mitglied berichtet auf der Website anschaulich über die Geschichte und veranstaltet noch bis Mitte November in Bamberg dazu eine Ausstellung. So sieht gutes Eigenmarketing aus!

3. Kontrovers diskutieren unsere Leser auf fvw.de den Rewe-Reise-Shop in einem Rewe-Supermarkt in Bad Nauheim. Ein großer Teil der Leser ist skeptisch, ob sich dort tatsächlich Reisen verkaufen lassen. Ich aber schließe mich denjenigen Lesern an, die meinen, man solle doch erstmal was neues versuchen, bevor schon viele Gründe genannt werden, warum das garantiert schiefgeht. Wenn der Berg nicht zu Mohammed kommt, muss Mohammed eben zum Berg kommen: Ich finde, das ist ein interessanter Test, Kunden mit Reisen in Berühung zu bringen. Ich habe auch im privaten Bekanntenkreis schon (meist jüngere) Menschen getroffen, die tatsächlich eine Hemmschwelle haben, ins Reisebüro zu gehen. Begründung: Da habe man ja gleich das Gefühl, man müsse was kaufen, auch wenn man sich erstmal unverbindlich informieren wolle.

4. Der letzte Punkt spricht dafür, dass Reisebüros gut im Verkaufen sind. Aber das ist offenbar nicht immer so, wie Experte Joachim Pawlik bei einer Studie unter Expedienten und Führungskräften im Vertrieb herausfand. Der Hamburger Consultant, der viele namhafte Einzelhandelsunternehmen berät, erntete auf dem fvw Kongress viel Applaus. Sein provozierendes Fazit: Die Reisebüro-Mitarbeiter sind super Berater, aber sie haben oft die falsche Zielvorstellung im Kopf. Da nütze dann auch das reine Abschlusstraining nichts. In der Titelgeschichte ("Zu lieb für den Verkauf?") greift Ira Lanz das Thema auf – hier geht es zum E-Paper der fvw.

5. Der Veranstalter-Umsatz erreicht dieses Jahr einen neuen Rekord. DRV-Präsident Jürgen Büchy sagt im Interview in der aktuellen Ausgabe, auch die Reisebüros hätten davon profitiert. In diesem Jahr habe es auch nur einen leichten Rückgang bei der Zahl der Reisebüros gegeben. Stimmt das mit Ihrer Wahrnehmung überein? Neben dem ausführlichen Interview im fvw Magazin können Sie Büchy übrigens auch im kurzen Video-Interview auf fvw.de im Original-Ton hören.

Kommentare

von Bernd Hellmuth, 02.11.12, 10:13
zu 3. Den Ansatz von Rewe an sich finde ich aus Reisebüro-Sicht etwas schräg. Aber das ist ja mal wieder die "Kaffee-Diskussion" die es schon seit Jahren gibt. (Ein RSB verkauft ja auch kein Kaffee, aber Aldi/Tschibo verkaufen Reisen). Dennoch darf man nicht vergessen, dass "auf dem Land" das nächste RSB manchmal auch 30km entfernt ist, der Supermarkt aber im Ort. Abschlüsse werden da wohl eher nicht getätigt. Aber nach dem "Online Hype" der letzten Jahre ist es mal wieder schön zu sehen, dass es noch Unternehmen gibt, die in Offline und damit in "customer contact in the real World" investieren.

von Bernd Brümmer, 02.11.12, 10:30
Punkt 4. Sind Reisebüros gut im Verkaufen ? "Meer" oder weniger eher nicht. Dafür stimmt die Beratung, für die es aber (noch) kein Geld gibt. Gerade im Kreuzfahrtenbereich fehlt immer noch der Mut zum Verkaufen. Wenn es anders wäre müssten AIDA und Co.viel weniger in den Direktvertrieb bzw. andere Verkaufskanäle wie Tchibo und Co. investieren. Im übrigen wüsste ich als Aussenstehender auch so gar nicht, was ein "Expi" mir überhaupt verkaufen will. Bei einem guten Kreuzfahrten-Verkäufer hingegen würde auch ich gerne kaufen. Einfach so - meinen Urlaub !

von D.Eichmann, 02.11.12, 12:51
Lieber Herr Hildebrandt, Was Jubiläen angeht haben wir noch mehr zu bieten: Unser FIRST-Reisebüro Eichmann in Uelzen (mit 4 Filialen) hat bereits 2008 sein 150-jähriges Firmenjubiläum gefeiert. Angefangen hat es mit einer Zigarrenmanufatur und einer Auswanderer-Agentur. Also auch damals schon so was wie Touristik. Ich selbst bin seit 1960 ununterbrochen in Reisebüros tätig. Still going strong.... Liebe Grüsse aus der Heidemetropole Uelzen Dieter K.Eichmann PS: Ihr Programm nimmt unseere (gültige) Website nicht an: www.eichmann-reisen.de

von Klaus Hildebrandt, 02.11.12, 13:18
Lieber Herr Eichmann, 150 Jahre ist ja wirklich kaum zu toppen (ich habe mal nachgeschaut, wir haben 2008 und 2009 (unter dem Titel "Familienbande") auch im fvw magazin darüber berichtet. Mit einer Auswanderer-Agentur sind übrigens viele angefangen, auch das Reisebüro Koch Übersee. Gestern auf dem Empfang sagte jemand, dass muss damals ein sehr lukratives Geschäft gewesen sein – und es gab null Reklamationen, weil die Kunden ja sowieso nur einmal kamen. Herzliche Grüße in die Heidemetropole und auf weitere 150 Jahre! Ihr Klaus Hildebrandt

von Heiner, 04.11.12, 20:29
Reisebüros sind keine Händler sondern Handelsvertreter. Deshalb verkaufen sie auch keine Reisen sondern vermitteln diese. Ein Unterschied! Bitte dies künftig zu berücksichtigen.

von Klaus Hildebrandt, 05.11.12, 09:22
@Heiner: Natürlich ist uns die rechtliche Konstruktion bekannt. Aber dem Kunden ist der Handelvertreter-Status doch völlig wurscht: Er geht in ein Geschäft und kauft etwas. Punkt. Deshalb bezeichnen wir in der fvw die Mitarbeiter in Reisebüros neben der gängigen, aber etwas antiquiert klingenden Bezeichnung "Expedient" auch als "Reiseverkäufer".

von Bernd Brümmer, 05.11.12, 12:15
Allein schon dieses Wortungetüm: Handelvertreter-Status ! Erinnert mich mehr oder weniger immer an Arthur Miller: "Tod eines Handlungsreisenden" - Die Reisebüros wollen aber überleben - dann sollen sie bitte nicht nur vertreten oder beraten, sondern verkaufen !

von Bernd Hoffmann, 10.11.12, 00:00
Noch ein Pluspunkt für die Reisebüros gab es in Dresden - 26 Reisebüros und Reiseveranstalter gründeten den Verein "Dresdner Reisebüros". Auf der Grundlage einer Fairnessverpflichtung werden wir in Zukunft zusammenarbeiten, gemeinsame Sondergruppenreisen vermarkten, gemeinsam in die Werbung für uns stationäre Reisebüros gehen, einen gemeinsamen Messeauftritt auf der Reisemesse Dresden organisieren. Andere Städte sind aufgefordert es uns gleich zu tun. Gerne würden wir dann als nächsten Schritt "Städtepartnerschaften" eingehen. Denkt daran ein Verein kann mit 7 ordentlichen Mitgliedern gebildet werden und dann geht die "Post" ab! Viele Grüße aus Dresden Bernd Hoffmann Sprecher des Vereins Dresdner Reisebüros

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