Wochenschau

Digitale Ferienmacher

Thomas Cook digitalisiert den Urlaub, die TUI sendet viele Signale und Otto Schneider schreibt die Branchengeschichte fort. Die persönliche Wochenschau.

von Klaus Hildebrandt, 01.11.2013, 13:21 Uhr

1. Eigentlich wäre ich genau die Zielgruppe für die neue Thomas Cook Hotelmarke Sunconnect, die sich an online-affine Kunden mit Kindern im Teenager-Alter wendet: Auf unserem letzen Sommerurlaub hatte unsere vierköpfige Familie einen Laptop, ein iPad, vier Smartphones, zwei Digitalkameras und einen Kindle dabei – inklusive eines ganzen Arsenals an Ladekabeln. Bei Sunconnect gibt es aber nicht nur überall freies W-Lan, sondern auch jede Menge X-Boxen, Connect Scouts und selbst der Urlaubsflirt wird über eine hotelinterne digitale Plattform in die Wege geleitet. Jugendliche sind bestimmt begeistert – aber wie bekommt man die als Eltern noch raus aus den Zimmern und ihren Teen-Connect-Lounges in die Sonne?

2. Die TUI sorgte diese Woche für viele Schlagzeilen. Für mehr Aufsehen als die Programm-Neuheiten sorgte bei der Programm-Vorstellung auf Teneriffa die Drohung von Christian Clemens, wegen der drohenden Gewerbesteuer-Mehrbelastung die Zentrale ins Ausland zu verlagen. Die österreichische Presse freut sich schon über neue Arbeitsplätze in Wien, und die TUI musste auch in Hannover schnell erklären, dass dies ja nur eine Drohgebärde an die Politik sei. Kurios war zudem, dass AG-Chef Friedrich Joussen zeitgleich ein Interview in der Rheinischen Post gab und darin seine (bereits im Frühjahr im fvw-Interview) und anderswo geäußerte These wiederholte, die TUI habe zu viele Marken, die Hälfte sei entbehrlich. Da musste Clemens dann schnell wieder gegensteuern und betonen, in Deutschland würden keine Marken eingestampft. In der Tat hat die TUI hunderte von Marken, wie eine Übersicht auf der TUI-Travel-Website zeigt. Aber da sind Dutzende Spezialisten weltweit (die Peter Long in den vergangenen zehn Jahren zukaufte), viele Zielgebietsagenturen und natürlich die Hotelmarken der AG – die dem Konzern oft gar nicht gehören, wie etwa Riu, Grecotel oder Grupotel. Dann mal fröhliches Bereinigen!

3. DRV-Ehrenpräsident Otto Schneider hat sein Buch "Die Ferien-Macher" neu aufgelegt. Gegenüber der ersten Auflage vor über zehn Jahren ist das Buch wesentlich schlanker. Mehrere Kapitel und Berichte über Unternehmen, die es nicht mehr gibt, entfielen. Auch Bilder von Machern, Marken und historischen Katalogen gibt es nicht mehr – schade eigentlich, das war Teil der Lesefreude. Dafür wurde das im FAZ-Verlag erschienene Buch zusammen mit DER-Touristik-Marktforscher Werner Sülberg aktualisiert. Wer also einen Blick zurück werfen will in die spannende Geschichte der Branche, dem seien die Ferien-Macher empfohlen.

Kommentare

von Sylvie, 01.11.13, 17:09
Klar finden viele Kids Sunconnect bestimmt total cool. Aber ich finde, die sitzen zu Hause genug vor ihren Bildschirmen. Mich nervt es schon, wenn Leute im Hotel die ganze Zeit am Strand oder am Pool lautstark mit ihren Handys telefonieren oder es permanent bimmelt, wenn wieder eine SMS eingetroffen ist. Es gibt auch Urlauber, die liegen am Meer und starren trotzdem die ganze Zeit auf ihr Smartphone-Display. Man könnte ja was verpassen! Und wegen der internen Hotelplattform, auf der man sich verabreden kann: Das würde ja theoretisch auch über ein paar nette Worte von Mensch zu Mensch gehen, oder?

von Stefan Seidl, 03.11.13, 16:42
Bislang kenne ich die neuste Ausgabe von Otto Schneiders Buch noch nicht. Schade wenn es so ausgeht wie von Klaus Hildebrandt und hier bereits die Geschichte(n) von Unternehmen die es nicht mehr gibt fehlen. "Tourismusgeschichte darf nicht in Vergessenheit geraten"

von Keld, 10.01.14, 14:14
Sehr gut geschriebener Artikel! Das Buch "Die Ferien-Macher" habe ich letztes Wochenende gelesen und kann es sehr empfehlen!

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