Wochenschau

Die drei Personen der Woche

Ein früherer ITS-Chef in Haft, ein "Sonnyboy" auf der Kommandobrücke und eine Ministerin auf Tauchstation – drei schillernde Personalien.

von Klaus Hildebrandt, 09.07.2015, 17:48 Uhr

Die neuesten Personalmeldungen der Branche lesen Sie immer sofort auf fvw.de, ob Spohrs Umbau im Passagevorstand oder der Abgang der FTI-Personalchefin. Hier geht es um drei Personalien der besonderen Art, die sich der rein nachrichtlichen Betrachtung entziehen.

1. Im Prozess um den Untergang der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim wurden heute vier Manager verurteilt. Als einziger in Haft, und zwar für zwei Jahre und zehn Monate, muss wegen "schwerer Untreue" Risikovorstand Friedrich Carl Janssen. Veteranen der Touristik ist Janssen gut bekannt: Der Wirtschaftsprüfer war von 1990 bis 1994 Chef des Veranstalters ITS, der damals noch zum Kaufhof gehörte. Er biss sich damals an der Übernahme von Kuoni – die Kölner hatten zwar die Mehrheit des Kapitals, aber nicht der Stimmrechte – die Zähne aus. Das hat sein Nach-Nach-Nachfolger Sören Hartmann nun mit Rewe im Rücken eleganter gelöst. Mit der Reisebranche kam Janssen, der schon zu ITS-Zeiten durch sein langes Haar auffiel, nochmal in Berührung: 2009 führte er den Aufsichtsrat des taumelnden Arcandor-Konzerns, damals noch die Mutter von Thomas Cook. Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff kennt sich mit dem Gefängnis ebenfalls aus.

2. Wenn eine Kreuzfahrt-Reederei neue Touristiker einstellt, ist das für die fvw ein Thema, das nautische Personal aber nicht. Deshalb haben wir auf fvw.de auch nicht gemeldet, dass Andreas Greulich nun Kapitän der Mein Schiff 1 ist. Gefühlter Kapitän aller TUI-Cruises-Schiffe ist sowieso Kjell Holm, der schon Ina Müller, Helene Fischer und Franziska von Almsick galant zur Taufe geleitete. Doch Greulich fuhr früher nicht auf irgendeinem Dampfer, sondern auf der Deutschland. Die ist zwar von ihrer Größe her nicht kriegsentscheidend für den Kreuzfahrt-Markt, sorgte aber immer für großes Kino. Und so gibt es auch über Greulich zahlreiche Geschichten. Die "Welt" bezeichnete ihn etwa als "Sonnyboy". Jetzt wird er zum "Wohlfühl-Guy".

3. Auf der ITB traf ich Elena Kountoura. Das frühere Top-Model ist stellvertretende Wirtschaftsministerin Griechenlands und für Tourismus zuständig. Kountoura, die nicht der linken Syriza-Partei, sondern dem rechten Koalitionspartner Anel – vergleichbar mit der AfD unter Frauke Petry – angehört, gilt deshalb als Tourismusministerin. In dieser Funktion hat sie sich nach ihrem ITB-Besuch zwar nie wieder im wichtigen deutschen Quellmarkt blicken lassen. Aber sie versorgt in diesen Tagen die Medien mit Informationen, die man eher von ihren Amtskollegen aus dem Südsudan oder Nordkorea erwartet: Es gebe genügend Treibstoff und Lebensmittel, "vor allem Obst und Gemüse in ausreichender Menge", auch Geld abheben am Bankautomaten und mit Kreditkarten zahlen sei kein Problem. Kountoura, einst das Gesicht der Kosmetikmarke Shiseido, würde sicher lieber über die Schönheit Griechenlands und die Luxustempel von Elounda reden. Hoffentlich erlebt sie diese Zeit noch im Amt.

Kommentare

von Robert, 09.07.15, 21:57
Die in der Öffentlichkeit propagandierte Meinung: "bei einer Pleite lösen sich die Schulden in Luft auf" ist unter den aktuellen Gegebenheiten sehr gefährlich. In Wahrheit hat die Schulden nämlich dann blos jemand anderes! Die großen Reiseveranstalter in Deutschland haben dieses Jahr bereits einige Schicksalsschläge wegstecken müssen und sind auch personell bereits über dem Limit bei der Bewältigung der Abwicklung des normalen Tagesgeschäftes. Wenn es in Griechenland zum Totalausfall kommt werden wir diese Jahr eine große Pleitewelle erleben! Das muß jedem bewusst sein wenn er selbst überleben will! soll keiner sagen das haben wir ja nicht gewusst !

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