Wochenschau

Der Papst, Frenzel und Ballack

Warum TUI-Chef Michael Frenzel seinen Vertrag verlängern sollte, die Touristik im Fernsehen klotzt, der Papstbesuch die Branche elektrisiert und wir endlich mal Weltmeister sind. Hier die ganz persönliche Wochenschau.

von Klaus Hildebrandt, 21.01.2011, 11:33 Uhr

1. Bei der TUI in Hannover kursiert das Gerücht seit langem auf den Fluren (und die fvw berichtete schon Anfang Dezember darüber), am Donnerstag haute das "Manager-Magazin", das Pflichtblatt für alle Vorstandschefs (und die es werden wollen), die Spekulation noch mal mit dem Dampfhammer einer Vorabmeldung raus: Michael Frenzel wird offenbar über das Ende seiner Amtszeit im März 2012 noch zwei Jahre weiter den Konzern leiten. Der Marktführer macht also ernst mit der Rente ab 67! Nun kann man über die Gesamtbilanz der Amtszeit von Frenzel, vor allem über die Preise von Firmenkäufen und die Erlöse von Verkäufen, geteilter Meinung sein. Aber angesichts der bevorstehenden Aufgaben, vor allem der endgültigen Trennung von Hapag-Lloyd und der geplanten Wiedervereinigung mit der in London börsennotierten Touristiktochter TUI Travel, macht es meiner Meinung nach viel Sinn, dass Frenzel noch an Bord bleibt. Solche Mammut-Deals sind nichts für Newcomer, und eine so schwierige Machtbalance unter den Aktionären mit einem russischen Oligarchen, eigenwilligen Touristik-Investoren und einem schon wieder munter stänkernden norwegischen Reeder und Steuerflüchtling muss man erst mal managen.

2. Ich schaue ja selten fern (ich lese auch nie die Bild-Zeitung und esse nie bei McDonalds), aber die Touristik ballert derzeit aus allen Werberohren. Jogi Löw sinniert am thailändischen TUI-Pool über den Sinn des Lebens, in Duisburg sagt man "nichts ohne meinen Alltours", Michael Ballack ist aktiver für Unister als auf dem heiligen Rasen, Thomas Cook will auch bald loslegen, Swoodoo ist der Flug-Supermarkt, Zypern eine herzliche Insel, und, und, und. Das Werbefeuerwerk ist eine gute Nachricht: Hoppla, jetzt kommt wieder die Touristik! Und wenn die bunten Filmchen dann noch Kunden ins Reisebüro locken, um so besser.

3. Es ist eine wahre Freude, derzeit Umfragen zu den Reiseabsichten der Deutschen zu lesen. Ob von TNS-Emnid und TUI ("Deutsche wollen mehr für Urlaub ausgeben"), von FUR-Forscher Martin Lohmann ("2011 wird ein Rekordjahr") oder diese Woche die Studie von der Commerzbank: Tenor: Die Deutschen wollen 3,25 Prozent mehr für Auslandsreisen ausgeben. Wie man das wohl so genau auf die zweite Kommastelle prognostiziert? Egal. Wir Deutschen werden zwar nicht Handball-Weltmeister, bleiben dafür aber Reise-Weltmeister! Da wollen wir uns doch auch von den steigenden Kerosinpreisen (und Zuschlägen der Airlines) und der (sich inzwischen wohl schon etwas entspannteren) Lage in Tunesien nicht die Laune verderben lassen, oder?

4. Das Portal Weg.de startet unter dem zweideutigen Slogan "Mein erstes Mal" eine Plakatkampagne. Aber jetzt kommt's: "Kommuniziert werden die Vorzüge einer Reisebuchung im Internet, zum Beispiel Unabhängigkeit von Ladenöffnungszeiten, Preisvergleich verschiedener Angebote und Aspekte wie Sicherheit und Schnelligkeit einer Online-Buchung", heißt es bei dem Comvel-Portal. Das klingt ja wie in der Internet-Steinzeit, als die Web-Strategen sich ganz bewusst gegen die stationären Reisebüros (die sind sicher alle total unsicher, brauchen ewig für eine Buchung und können überhaupt keine Preise vergleichen) positionierten.

5. Zum Schluss meine Nicht -Lieblings-Pressemitteilung der Woche: Das Portal Hotelsnapper.de meldet: "Der Papstbesuch in Deutschland im September hat noch keine Auswirkungen auf Hotelkapazitäten und -preise in den vermutlich besuchten Städten." Das ist vermutlich eine Nicht-Sensation in den vom Heiligen Vater nicht besuchten Städten. Ein schönes Wochenende, auch wenn der Papst vermutlich bei Ihnen nicht vorbeischauen wird!

Kommentare

von Horst, 24.01.11, 23:14
Also entweder schaue ich (ebenfalls nur selten) die falschen Fernsehsender, aber der Löwenanteil der TV-Commercials "lockt" den Kunden/Interessenten nicht ins Reisebüro - dafür aber massiv an den Rechner...;-)

von Stefan Werner, 23.06.11, 10:15
Es gibt ja Dinge, die man sich in der Touristik gar nicht mehr vorstellen kann: Türkei ohne AI, Banken ohne Rückvergütung und die TUI ohne Frenzel...

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