Wochenschau

Der Aufschwung ist nicht aufzuhalten!

Okay, wir werden nicht Weltmeister. Aber kurz vor der Sommerpause erreicht die Euphorie in der Reisebranche tropische Grade.

von Klaus Hildebrandt, 09.07.2010, 12:10 Uhr

Hier deshalb wieder dem Wetter angemessen fünf good News zum Wochenende.

1. Die Veranstalter stellen in diesen Tagen landauf, landab ihre Winterprogramme vor. Neulich TUI und Rewe Touristik, gestern war FTI an der Reihe, am Wochenende folgt Thomas Cook auf Usedom. Die Aussage überall: Die Krise ist vorbei, der nächste Winter wird besser, vor allem Fernreisen wachsen. Das wäre ja auch noch schöner, wenn es nach dem miserablen Vorwinter nicht wieder aufwärts ginge. TUI und Thomas Cook müssen dabei den Spagat üben: Einerseits wollen sie wieder angreifen, andererseits dürfen sie keine genauen Zahlen nennen. Mehr Kapazität gleich Preiskampf gleich niedrigere Marge gleich sinkende Kurse – so schlicht ist immer noch die Wahrnehmung vor allem britischer Analysten, die die klassische Pauschalreise offenbar in Ehren halten. So ein Teufelszeug wie Bausteinprodukte und Dynamic Packaging trauen sie dem englischen tätowierten Drei-Sterne-Durchschnittstouristen wohl gar nicht zu.

2. Schland o Schland! "Der beste Mai aller Zeiten", jubelt die Deutsche Zentrale für Tourismus in ihrem jüngsten Bericht. Vor allem die Ausländer lieben unser Land. Die WM in Deutschland hat unser Image im Ausland schon gewaltig verbessert, jetzt haben Lahm, Schweinsteiger, Özil & Co weiter Sympathien gesammelt. Gut, dass wenigstens das Frühjahr verregnet war. Sonst wären vor lauter schwarz-rot-goldener Glücksseligkeit auch noch alle Deutschen im Land geblieben.

3. Die deutschen Touristen sind besser als ihr Ruf, die Klischees vom dauernörgelnden Sauerkraut-Fan in weißen Tennissocken sind passé. Das hat zum Beispiel Expedia in europaweiten Umfragen schon öfter ermittelt. Jetzt glauben wir das sogar selbst! Eine Umfrage des Portals Opodo unter deutschen Gästen ergab, dass "96 Prozent versuchen, sich im Urlaub an Sitten und Gebräuche des Gastlandes anzupassen – entweder aus Respekt vor den Gastgebern oder auch nur, um im Gastland nicht negativ aufzufallen." Ehrlich gesagt: Ich würde ja auch so antworten. Ich fahre im Urlaub nach Mallorca, da werde ich mich an die Sitten und Gebräuche von fünf Millionen deutschen und britischen Urlaubern anpassen.

4. Mein bevorzugtes Konjunkturbarometer für die Touristik ist der fvw-Stellenmarkt. Schon vor dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im September 2008 gingen bei uns die Stellenanzeigen zurück. Letztes Jahr schrumpften die Angebote auf den hinteren Seiten der fvw und bei uns im Internet erheblich. Aber seit einigen Wochen geht es klar aufwärts: 16 Seiten in der Ausgabe 13 und trotz Sommerferien immerhin zehn in der aktuellen fvw von heute – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Auch Reisebüro-Ketten suchen wieder Expedienten, vor allem im Firmendienst.

5. Die Reisebranche muss doch sexy sein. Sonst würden die beiden hippsten Unternehmen der Welt, Google und Facebook, sich nicht so dafür interessieren. Über Google und den Kauf von ITA hat mein Kollege Dirk im E-Blog der fvw schon alles gesagt, auch in der aktuellen fvw-Ausgabe beschäftigt er sich damit. Jetzt kauft sogar Facebook ein Unternehmen für Reiseempfehlungen – um die Website gleich wieder zu schließen. Als wir im Frühjahr den Europa-Chef von Google, Philip Schindler, und den Deutschland-Chef von Facebook, F. Scott Woods, als Redner für den fvw-Kongress im September verpflichteten, haben wir diese Reise-Relevanz natürlich längst vorausgesehen. Ich könnte Ihnen auch noch einiges über die nächsten Deals der beiden Internet-Ikonen verraten, aber dafür ist es heute leider zu heiß.

Ich wünsche Ihnen ein sonniges Wochenende!

Kommentare

von sven häwel, 12.07.10, 16:17
Meines Erachtens wird Google beim Kernthema "Search" bleiben. Ein Einstieg ins E-Commerce wäre ein kompletter Paradigmenwechsel und somit ein Frontalangriff auf alle SEM-Kunden. Wenn man bedenkt, dass Google-Werbung schon heute häufig defizitär für die Advertiser ist, wäre Google dumm, sich diesen lukrativen Markt selbst zu zerstören, in dem es beginnt, im Point of Sale rumzuwildern...

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