Wochenschau

Auf der Jagd nach Spezialisten und Fachkräften

Interhome steigt bei Interchalet ein, die Folgen der Börsenkrise, Klagen über den Fachkräftemangel und Medienlob für Reisebüros. Hier die ganz persönliche Wochenschau.

von Klaus Hildebrandt, 12.08.2011, 13:40 Uhr

1. Es gibt neben den großen, auf die Sonnenziele geeichten, Veranstaltern in Deutschland gottlob noch viele Spezialisten, die in ihrer Nische ein tolles Produkt kreieren und damit gute Margen erzielen. Ob Fernreisedestinationen, Studienreisen, Kreuzfahrten oder X-Produktion – neben den Konzernen ist genügend Platz. Einige dieser Perlen sind heiß umworben, wie der 1974 von Michael Heines gegründete Ferienhaus-Veranstalter Inter Chalet. Heines holt nun den Schweizer Wettbwerber Interhome, der zum Veranstalter Hotelplan gehört, als Gesellschafter an Bord seines vor allem in Südeuropa bestens aufgestellten Unternehmens. Ein cleverer Zug von Hotelplan-Chef Hans Lerch, ebenso wie Heines ein versierter Veteran der Branche. Natürlich ist es immer schade, wenn ein bestens etablierter Mittelständler unter ein Konzerndach gestellt wird, wie zuletzt etwa auch Öger Tours. Aber wenn sich keine interne Nachfolgeregelung anbietet und das Unternehmen erhalten bleibt, bleibt wohl kaum eine Alternative. Und jeder Deal schafft auch wieder Gelegenheiten für Konkurrenten.

2. Nur noch zehn Prozent der Deutschen halten direkt oder indirekt über Fonds Aktien, war diese Tage zu lesen. Und diese zehn Prozent der Bevölkerung sind in der vergangenen Woche gefühlt um Monate älter geworden. Die Kurse der Touristik- und Airline-Aktien litten zudem unter den Belastungen durch die hohen Treibstoffpreise und die Nordafrika-Krise. Aber es gibt trotz der Konjunkturbedenken Hoffnungsschimmer: Die Ölpreise sinken wieder, und für den Winter läuft das Geschäft in Ägypten, wie wir von Veranstaltern hören, ordentlich an. Auch das Kurzfrist-Geschäft brummt angesichts des deutschen Dauerregens, es fehlt laut Reisebüros oft sogar nur an Flugkapazitäten und richtigen Kracherpreisen. Im Business Travel profitieren die Geschäftsreise-Ketten vom deutschen Aufschwung. Selbst wenn sich das Exportvolumen etwas abschwächen sollte, dürfte es auch wegen des unveränderten Sparkurses der Travel Manager keine abrupten oder großen Einschnitte wie nach der Lehman-Pleite 2008 geben, heißt es im Markt. Oder ist das alles Pfeifen im Walde?

3. Trotz der jüngsten Turbulenzen in der Finanzwelt klagen deutsche Unternehmen über Fachkräftemangel. Das gilt auch für unsere Branche. Airlines suchen Techniker, Portale Programmierer, Hotels Servicepersonal und Reisebüros – vor allem die Business-Travel-Spezialisten – Reiseverkäufer. In der Titelgeschichte der heutigen Ausgabe zeigen wir, wie kreativ Chefs bei der Suche vorgehen und warum es wichtig ist, über gute Mitarbeiter die Zukunft der Branche zu sichern. Die aktuellen und besten Jobs der Branche finden Sie übrigens hier.

4. Über das beliebte Reisebüro-Bashing ist schon viel geredet worden, auch hier im Blog. Doch in jüngster Zeit fallen häufiger Beiträge in Publikumsmedien auf, in denen geschildert wird, dass Reisebüros mehr Durchblick und gleiche Preise als das Internet bieten und obendrein noch guten Service. Zum Beispiel auf Spiegel Online, in einem (schon etwas älteren) ZDF-Beitrag oder im Hamburger Abendblatt (nur für Abonnenten), wo die Autorin schreibt: "Ich habe das gute alte Reisebüro wiederentdeckt. Dort sitzen freundliche Menschen, die mir das Gefühl der Entspannung geben, bevor ich überhaupt losgefahren bin."

5. Zum Schluss ein Dankeschön: Eine repräsentative Fachmedienanalyse der Lüneburger Marktforscher von Poject M ergab, dass die fvw nach wie vor das meistgelesene Magazin im Reisevertrieb ist (hier die genauen Daten). In den Reisebüros folgt dann gleich unser Schwestertitel TravelTalk. Bei allen anderen Lesern (Veranstalter, Travel Manager, Leistungsträger, IT-Firmen etc) sind wir noch klarer die Nummer eins, ergab Ende 2010 das Top 500 Entscheiderpanel (Seite 28) des Travel Industry Clubs. Vielen Dank für Ihr Vertrauen!

Kommentare

von Jürgen Barthel, 12.08.11, 17:00
Zu 3.: So lange man in der Touristik am unteren Ende der Verdienstmöglichkeiten liegt, wundert der Fachkräftemangel nicht. Es sei hierzu daran erinnert, dass auch die Reisemöglichkeitenfür solcherart unterdurchschnittlich bezahlter Mitarbeiter dank Fiskus längst nicht mehr "günstig" sind. Auch hier wird immer mehr geschröpft, womit kein Geld für Investition bleibt. Geiz ist ... Sch...e! Wie heisst es in der Airlinebranche so schön? An Flügen verdienen nur die Flugzeughersteller und die Ölkonzerne... Bzw. die Witze, dass man in unserer Branche nicht reich wird, sehr schnell viel Geld verdienen kann oder sehr mühsam über die Runden kommt ;-)

von Birgit Hoffmann, 08.12.11, 11:36
ad 1.: Interhome bietet bislang magere 19 Häuser in Dänemark an. Dadurch, dass Inter Chalet im Prinzip den gesamten Bestand von ca. 5000 Objekten von SONNE UND STRAND im Portfolio hat (dort übrigens ca. 6 % teuer als bei SONNE UND STRAND direkt) könnten dies die anderen Dänemark-Anbieter deutlich zu spüren bekommen.

von Birgit Hoffmann, 08.12.11, 11:46
Warum heißen die auch alle ähnlich? Genau umgekehrt ist es natürlich richtig ;-) ... also: Inter Chalet bietet bislang magere 19 Häuser in Dänemark an. Dadurch, dass Interhome im Prinzip den gesamten Bestand von ca. 5000 Objekten von SONNE UND STRAND im Portfolio hat (dort übrigens ca. 6 % teuer als bei SONNE UND STRAND direkt) könnten dies die anderen Dänemark-Anbieter deutlich zu spüren bekommen.

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