Web 2.0

Nicht nur mein erstes Barcamp

Barcamps sind im Bereich Web 2.0 eigentlich keine Neuheit mehr. Doch ich war bislang noch nie auf einem – also höchste Zeit das zu ändern.

von Lisa Hemmerich, 03.12.2012, 15:15 Uhr

Als Neuling war ich beim Touristikcamp Bensberg nicht allein: Drei Viertel der etwa 70 angereisten Touristiker waren noch nie auf einem Barcamp. Dabei reichte die Bandbreite der Teilnehmer von Reisebüros über Veranstalter und Software-Anbieter bis hin zu Kommunikationsagenturen.
Das Besondere an dem Konzept: Es gibt nicht wirklich eines. Die Teilnehmer können und sollen ihre eigenen Themen einbringen. Vor Ort wird abgestimmt, was drankommt. In Bensberg einigte man sich auf folgende Themen: der Relaunch von Escapio, Conversion-Optimierung, Flug-APIs, Buchungspotenziale und Monitoring von Social Media, Google-Ranking-Faktoren, Bewertungen und das Reisebüro der Zukunft.
Skeptisch zeigten sich die Teilnehmer etwa gegenüber QR-Codes. „Mein Gefühl sagt mir, es gibt keine Zahlen, weil’s keiner verwendet“, sagte Uwe Frers, Geschäftsführer von Escapio, einem Portal für exklusive Hotels. Auch von Mobile Commerce und Vertrieb über Facebook sind wir offenbar noch weit entfernt. „Das Problem ist, dass Leute bei Facebook, ihre Daten nicht eingeben wollen – gerade im Reisebereich, wo dann über 1000 Euro gezahlt werden müssten“, sagte Deborah Overstreet, Social-Media-Sachbearbeiterin bei Rewe Touristik. „Man wird immer bombardiert mit Best-Practice-Beispielen, aber wer nutzt das wirklich?“, fragte sie.
Andere sahen das weniger kritisch: „Vor 20 Jahren hatte kaum jemand geglaubt, dass Reisen einmal im Internet gebucht würden“, sagt eine Teilnehmerin.
Intensiv wurde auch über das Reisebüro der Zukunft diskutiert. Dabei war Konsens, dass der Erfolg stationärer Büros unter anderem stark von den Mitarbeitern abhänge. „In Reisebüros sollten nicht nur biologische Buchungsmaschinen arbeiten, sondern Berater“, sagte Dirk Faßbender, Director Sales & Marketing der TVG. So könnten Kunden gewonnen werden, die genervt sind, durchschnittlich neun Stunden im Netz nach einer Reise zu suchen, findet auch Steffi Schweden, Geschäftsstellen-Leiterin vom OTDS-Verein.
Dafür, dass der Großteil der Teilnehmer noch nie an einem Barcamp teilgenommen hat, lief es ziemlich gut. Vorbereitete Präsentationen wechselten mit spontanen Diskussionsrunden ab, während nebenher unter dem Hashtag #tkc12 getwittert werden sollte -– was allerdings nicht viele nutzten. Viele wollen wieder kommen, besonders wegen der Themenvielfalt, die „von Selbsthilfegruppe bis zu lehrreichen Sessions“ reichten, findet Alexander Schulten von Reiseservice Schulten. Einige Teilnehmer hätten sich mehr Reisebüros unter den Gästen gewünscht.

Wie gesagt, das Konzept Barcamp ist nichts Neues. Inzwischen sprießen die Camps wie Pilze aus dem Boden: Allein Tourismuszukunft veranstaltet noch ein Tourismuscamp, ein Hotelcamp, Micecamp und ein M-Tourismuscamp. Ich jedenfalls habe interessante Menschen kennengelernt. Wirklich neue Themen wurden indes kaum vorgestellt. Praktisch ist es aber bestimmt, wenn man mit einem konkreten Problem zu einem Barcamp fährt und ehrliche Antworten von Vertretern verschiedener Bereiche erhält.

Was hälst Du von dem Konzept? Würdest Du an einem Barcamp teilnehmen oder was sind Deine Erfahrungen?

Kommentare

von Arndt, 04.12.12, 00:04
Gibt's eigentlich eine Wahl zum Wort des Jahres in der Touristik? Falls nicht, mache ich hier mal einen Vorschlag: "biologische Buchungsmaschinen". Großartig, das hat gute Chancen das Unwort "Human Ressources" in der Reisebüro-Personalabteilung abzulösen. Hört sich viel menschlicher an ;-)

von Michael, 04.12.12, 07:48
Schön, dass Du dabei warst und vielen Dank für den Blogpost, Lisa! Vielleicht bist ja auch beim www.mTourismuscamp.de nächste Woche in Hannover dabei? happy advent, michael

von Jürgen Barthel, 04.12.12, 15:15
Naja, vor 20 Jahren gab's auch noch kein Internet :-)

von Karl Born, 05.12.12, 20:12
@"Intensiv wurde auch über das Reisebüro der Zukunft diskutiert. Dabei war Konsens, dass der Erfolg stationärer Büros unter anderem stark von den Mitarbeitern abhänge." Ich bin mir nicht sicher, ob man zu dieser "weltbewegenden Neuerkenntnis" ein Barcamp braucht. Ich schätze, dass das seit mind. 15 Jahren Allgemeingut ist. Aber der Begriff "biologische Buchungsmaschinen" ist ein Skandal!!

von Koehler, 07.12.12, 12:36
....hmm alles spanisch bin da leider noch neuling, was ist bitte barcamp? möchte mich gerne updaten auf die internettouristik. wer kann mir denn helfen, wie ich das am besten anstelle, welche kurse etc. welches buchmaterial oder infoseiten im web. vielen dank. silvia

von Melanie, 10.12.12, 12:08
Liebe Silvia, ein Barcamp ist eine offene Tagung/Konferenzmit offenen Workshops. Die Inhalte und der Ablauf der Barcamps werden von den Teilnehmern zu Beginn selbst entwickelt und im weiteren Verlauf gestaltet. Barcamps dienen dem inhaltlichen Austausch und der Diskussion. Bereits während der Veranstaltung oder am Ende können konkrete Ergebnisse vorgewiesen werden. Das erste Barcamp wurde 2005 von der Firma Socialtext abgehalten. Der Name selbst kommt von Tim O´Reilly, der die Veranstaltungsreihe FooCamp initiierte. Hier trafen sich ausgeählte Personen (Friends of O´Really)zum Austausch inkl. Übernachtung. An FooCamps konnte man nur per Einladung teilnehmen, an Barcamps auch ohne Einladung. Mittlerweile finden Barcamps in praktisch jedem Land statt. Zur Moderation der Barcamps werden of Gruppenmethoden eingesetzt. Bewährt hat sich die Open Space-Methode: Teilnehmer geben eigene Themen ins Plenum und gestalten dazu je eine Arbeitsgruppe. Weitere Informationen erhälst du unter http://de.wikipedia.org/wiki/BarCamp. Tourismuszukunft organisiert über das Jahr hinweg mehrere thematische Barcamps im touristischen Bereich. Nächste Termine: www.mtourismuscamp.de - 12. Dezember 2012 (es sind noch Plätze frei) www.tourismuscamp.de - 18.01.-20.01.2012 micecamp - 30.08.-01.09.2013 Bei weiteren Fragen zu Barcamps rufen Sie mich einfach an unter08421 707 43 22

von Melanie, 10.12.12, 12:10
Stopp: tourismuscamp findet am 18.01.-20.01.2013 statt

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