Web 2.0

Die Musik spielt jetzt im Web1.0

Web2.0-Applikationen erobern die Reise-Sites, Social-Media-Experten die Chefetagen, wir Blogger die "#itb09". Und sonst? Zwei Warnschüssse.

von Dirk Rogl, 18.03.2009, 12:01 Uhr

Falsch, liebe Leser, hier findet kein Abgesang auf das Web2.0 statt. Im Gegenteil: Das Thema wird an Relevanz gewinnen, weil Individualität im Web eine immer größere Rolle spielt. Dennoch erlaube ich mir zwei Thesen:

Erstens: 2009 spielt die Musik im Web1.0.

Je länger die Finanzkrise auf die (Online-)Touristik einwirkt, umso wichtiger ist die Kapitalintensität als Faktor für wirtschaftlichen Erfolg. Die Preise für Domains sinken ebenso wie die für komplette Online-Reisebüros.

Ich kann mir kaum vorstellen, dass der Suchmaschinen-Gigant Google tatsächlich den Reise-Giganten Expedia übernimmt. Trotz aller Synergien würden die Unternehmen wichtige Marketingkunden (Google) bzw. White-Label-Partner und Lieferanten (Expedia) dermaßen düpieren, dass ein solcher Verbund in ernsthafte Schieflage kommen würde.

Aber immerhin: Die Finanzwelt spekuliert munter über solche Gerüchte. Ja, es wird im Internet Übernahmen und Fusionen geben in diesem Jahr. Der sanfte Einstieg von Unister bei Travel24 dürfte da nur ein Vorbote sein. Und das bringt mich zu meiner nächsten Web-2.0-These:

Zweitens: Das Web2.0 darf das Web1.0 nicht aus den Augen verlieren.

Kompetenz in Social Media ist die Zukunft. Losgelöst von einem wirtschaftlichen Unterbau zerplatzt das Thema aber in einer Blase. Das bekannte Katastrophen-Szenario des Jahres 2001 ist aktuell nicht in Sicht. Aber: Den berechtigen Enthusiasmus in der Blogosphäre über immer neue Applikationen und Schnittstellen im Mitmach-Web in allen Ehren - für sich allein genommen sind diese Themen auf Sand gebaut.

Deshalb gilt im Krisenjahr 2009 ganz besonders: Wer Web2.0 nachhaltig in der Touristik etablieren will, kommt an den Themen des Web1.0 nicht vorbei, auch wenn dort (gar nicht) so graue Berufsgruppen wie Controller und Contractoren den Ton angeben. Es wäre schön, wenn diese Damen und Herren Zeit hätten, sich in diesem Jahr mit dem Web 2.0 auseinderzusetzen.

Kommentare

von Jens, 18.03.09, 13:09
was ist denn das Web 1.0 und das Web 2.0 ?

von Dirk Rogl, 18.03.09, 13:36
@Jens: Gute Frage! Die akademische Antwort überlasse ich gern der Wissenschaft. Bitte Bescheid geben, wenn sich eine Definition etabliert hat. Oder kennen Sie bereits eine? Web1.0 im Sinne dieses Blogs ist all das, was vor Web2.0 schon da war, insbesondere die klassische Reisevermittlung/-buchung und Marketing - oder (um etwas Reibungsfläche zu bieten): das Monetäre.

von Jens, 18.03.09, 15:38
@ Dirk Rogl um in irgendeiner Weise sinnvoll über das Thema bzw. die vermeintlich kontroverse Thesen sich austauschen zu können, ist es sinnvoll zu verstehen, was Sie hinter den Begriffen Web 1.0 und 2.0 verstehen. Unter welchen Begriffe sehen Sie Holidaycheck? >"des Web1.0 nicht vorbei, auch wenn dort (gar nicht) so graue Berufsgruppen wie Controller und Contractoren den Ton angeben." Klingt so als ob Web 2.0 Spass ist und Web 1.0 hartes Business ist. Oder was implizieren Sie mit diesem Satz?

von Dirk Rogl, 18.03.09, 16:13
@Jens Na, wenn´s dem sinnvollen Austausch dient, antworte ich gern. 1. Holidaycheck: Als Web2.0 gestartet (Revues), als es das Wort doch gar nicht gab. Rentabel, seit Web1.0 (im Sinne dieses Blogs) dazu kam, nämlich das eigene Online-Reisebüro. 2. Ist Web2.0 Spaß? Klar, sonst würd es nicht funktionieren. Dass es hinter den Kulissen hartes Business ist, versteht sich doch.

von Claudia Brözel, 18.03.09, 17:06
Web 1 ist aus meinem bisherigen Verständnis für den Internetnutzer "passiver Konsum"; Web 2.0 erlaubt dem INternetnutzer über einfache Applikationen sich am ganzen Web zu "beteiligen" - daher auch oft Mitmach-Web genannt; wobei ich eher den Beziehungsansatz sehe - als nur rein "mitmachen"... Die Diskussion hier müsste sich eher darum drehen inwiefern eine Glaubwürdigkeit vorhanden ist; das was ein erfolgreiches Online-Angebot ausmacht ist "Trust" und Vertrauen lässt sich über eine Beziehung am besten aufbauen... und die Möglichkeit sehr personalisiert eine Beziehung aufzubauen sind derzeit Web 2.0 und im nächsten Schritt möglicherweise Web 3D Applikationen.... und foc -Projekte, die nachhaltig erfolgreich sind, sind mir keine bekannt.

von Stefan Möhler aka Netzreisender, 18.03.09, 18:13
Zunächst mal: 1. stimmt und 2. stimmt auch; es folgt auch nicht wirklich ein ABER; vielmehr eine ergänzende Anmerkung: Was das Web 2.0 von der Dotcom-Blase (bisher) unterschieden hat ist für mich zuerst die Tatsache, dass der Begriff Cash-Burn-Rate nicht mehr so präsent ist! Warum? Weil viele WebZwoNull-Projekte einfach mal zum Spaß gemacht werden und man dafür keine Horden von Super-Entwickler braucht die zwangsläufig VC-Kapital-verschlingende Monster-Projekte produzieren wie vor 10 Jahren. Und dann: man darf einfach mal "beta" draufkleben und los geht's! Web2.0 will Spaß machen. Die meisten Sachen braucht keiner. Denn "Technik tut was sie kann und rollt aus sich selbst" (Prof. Bolz) und wir probieren es aus und bilden uns ne Meinung und wenn es dann cool genug ist und ein must-have, müssen(!) wir es auch tun. "Wir haben einfach mal drauf los entwickelt..." - den Satz hörte ich oft im Future Park auf der cebit oder in den X.1-Hallen auf der ITB. Diese Motivation und Energie hat einiges hervorgebracht was mich begeistert - hoffen wir das es so bleibt und die Controller noch ein bischen still halten... Und alle, die auf der Suche nach der nächsten Finanzierungsrunde sind, haben zum Glück das Web1.0 im Gepäck - das ist zumindest mein Eindruck!

von Andre, 18.03.09, 20:05
Irgendwie macht der Artikel keinen Sinn für mich. Die Akteure von web 1.0 haben sich umgestellt und haben die Zeichen der Zeit erkannt und bauen ihre Webseiten reihenweise in web 2.0 Plattformen um. Ich denke an web 2.0 geht kein weg vorbei. Die Kunden wollen nicht nur einseitig vom Hersteller/Reiseanbieter informiert werden sondern zusätzliche "Community Informationen" für die Kaufentscheidung heranziehen. Von daher ist web 2.0 beherschender als je zuvor.

von Detlef Meyer, 18.03.09, 22:16
Web 1.0 - Web2.0 - Web0.0. Logischerweise ist Web X.0 nicht das Geschäftsmodell, sondern die Produktion und der Vertrieb von touristischen Leistungen. Wenn diese Geschäftsgrundlage wegfällt oder ins Rutschen gerät entfällt oder verändert sich der ganze "Überbau". Egal, wie wir was benennen, Kern des Geschäfts ist das Reisen. Die Unternehmen werden sehr unterschiedlich auf die Herausforderungen reagieren abhängig von der Einstellung des Managements (siehe Beitrag von Herrn Hildebrandt bei PhocusWright), dem Produkt und dem vorhandenen Spielraum. Den generellen Trend mittelfristig kann man vorhersagen. Das ist das sog. Web2.0 und seine Nachfolger. Wie die Entwicklung kurzfristig sein wird ist sehr individuell und angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen durch Außenstehende, wozu auch bestinformierte Fachjournalisten und Blogger gehören, schwer vorauszusagen. Und damit hat Dirk Rogl halb Recht - die Musik spielt nicht in Web2.0, sondern in gar keinem Web.

von Detlef Meyer heritage consult, 19.03.09, 00:25
Nachtrag: Auf Tourismusforschung.com wird ein YouTube-Video gezeigt, das das Tempo in unserer Entwicklung ziemlich krass zeigt. Ich persönlich glaube schon , daß die Unternehmen an Besten aus der Krise herauskommen werden, die die zerstörerische Wirkung nutzen um sich auf diese Veränderungen einzustellen.

von beBlog, 19.03.09, 11:21
Web 1.0, Web 2.0, recht, unrecht, halb recht!? Das Thema ist zu komplex, um einfache Antworten auf vielschichtige Entwicklungen zu geben .. neue Kanäle, neue wirtschaftliche Entwicklungen, Kundenverhalten in der Krise, Preisentwicklungen etc.pp. Alles spielt eine Rolle! Zentral ist, was der Kunde will. Reisen, Vertrauen, Sicherheit, gute Gefühle, Erlebnisse. Jeder Kunde ist (reagiert) anders. Also muss man sich auf den Kunden einstellen. Ob ein Kunde mittels IBE buchten will, ob er telefonisch beraten, ob er den Expedient per Angesicht sehen will oder twittern möchte, was sagt uns das? Wir Reiseverkäufer (-mittler) sollten uns auf die Kundenwünsche einstellen können und soweit möglich alles anbieten, wie es uns möglich ist. Was letztlich zum Erfolg und Umsatz führt sind alte Werte: Preise, Fleiss, Marketing, Energie, Kapital, Mitarbeiter, Angebote, Qualität, Zeit, Ideen, Medien etc.pp. Das ist doch wirklich nichts Neues!? Wie man es letztlich verpackt und nennt ist völlig wurscht. Ob 1.0 oder 2.0 oder herkömmliches Reisebüro, neue Reiseagentur oder angestaubtes Online Portal .. nur weil man Twitter benutzt, hat man noch lange keinen Abschluss gemacht.

von Wolfgang Hoffmann, 19.03.09, 14:40
na, Gott-sei-dank. Und ich hatte schon echt die Befürchtung, dass dieser digitale Mummenschanz irgendeine Gefahr für uns stationäre Reisebüros darstellen könnte. Aber solange die alle selbst noch nicht einmal wissen, was sie sind, was sie mal werden wollen oder wohin es gehen könnte, wenden wird uns wieder der Kundschaft zu, ja?!

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