Vulkanausbruch

Zeit für Untergangs-Propheten?

Niemand weiß, wie lange der Vulkanausbruch den Luftverkehr und damit den Kern der Reisebranche lähmt. Aber: Auch diesmal wird es keinen Weltuntergang geben.

von Klaus Hildebrandt, 18.04.2010, 14:17 Uhr

Wer hätte gedacht, dass Vulkanologen einmal so im Mittelpunkt stehen. In allen Medien werden die Experten zitiert. Doch so richtig genau wissen sie auch nicht, wann denn der isländische Vulkan Eyjafjallajökull endlich Ruhe gibt. Es gibt zumindest Hoffnung: Spiegel Online zitiert Bernd Zimanowski, Vulkanologe an der Universität Würzburg, mit den Worten: In "ein paar Tagen", wenn das meiste Eis über dem Berg verschwunden sei, dürfte dem Vulkan die Puste ausgehen.

Mindestens ebenso erschreckend wie das Naturschauspiel ist aber nach heutigem Stand auch das Verhalten der Behörden. Große Airlines wie Lufthansa, Air Berlin und KLM zweifeln zunehmend am Sinn des Flugverbots. Klar, Sicherheit ist das wichtigste Kapital der Fluggesellschaften. Aber wenn die Ergebnisse ihrer Testflüge keinen Eingang in die Entscheidungen der Luftsicherheitsbehörden finden und es noch nicht mal einen Krisenstab im Bundesverkehrsministerium gibt, wie Air-Berlin-Chef Joachim Hunold moniert, ist das wirklich ein Unding.

Eine "Poesie des Stillstands", wie die "Welt am Sonntag" heute lyrisch titelt, kann sich die Reisebranche nicht lange leisten. Die Fluggesellschaften sind von der Wirtschaftskrise gebeutelt, die Veranstalter und Reisebüros freuen sich, dass es seit Februar endlich wieder aufwärts geht. Aber Gott sei Dank haben Weltuntergangspropheten, die auch in diesen Tagen mit ihren Szenarien über einen wochen- oder gar monatelangen Ascheregen über Europa Aufmerksamkeit finden, fast nie recht gehabt.

Weder der 11. September, SARS, Vogel- und Schweinegrippe oder Naturkatastrophen wie der Tsunami haben dazu geführt, dass die Menschen auf längere Zeit nicht mehr reisen. Nun müssen die Triebwerkstechniker ran: Es sollte doch möglich sein, Hight-Tech-Flugzeuge gegen die winzigen Aschepartikel zu schützen - zumindest bis zum nächsten großen Vulkanausbruch.

Kommentare

von Oliver, 18.04.10, 15:58
Eines zeigt die aktuelle Situation: Die Welt gehört uns nicht und die Natur ist immer einer der wichtigsten Faktoren! Herr Hunold kann noch so viel lamentieren, im Sinne der Sicherheit ist es in jedem Fall sinnvoller die Flugzeuge am Boden zu halten. Wer würde sich denn freiwillig einem solchen Risiko aussetzen? Und der Preis, wenn dann doch etwas passieren sollte, wäre für alle Touristiker/Airliner viel zu hoch! Sicher sollten noch andere Tests (Wetterballon) durchgeführt werden, aber niemand war auf eine solche Situation vorbereitet und anhand irgendwelcher Daten mussten Entscheidungen getroffen werden - hinterher ist man ja immer schlauer. Ich hoffe allerdings ganz stark das der Flugverkehr sehr schnell wieder aufgenommen werden kann, denn die wirtschaftlichen Folgen sind sonst für viele Beteiligten bald existenzbedrohend! Das interessante ist, dass die Menschen, selbst die in den Zielgebieten, noch immer relativ entspannt mit der Situation umgehen. Auf unseren Servicehotlines herrscht nach wie vor eine angenehme Atmosphäre und somit fallen unseren Mitarbeitern auch die vielen freiwilligen Überstunden für die Kunden unserer Auftraggeber sehr leicht - man rückt in solchen Situation ganz eng zusammen und das ist zumindest ein menschlich sehr wertvoller Nebeneffekt!

von Wolfgang Hoffmann, 18.04.10, 18:40
Vielleicht sollten wir uns mit der Wolke verbünden. Die Trennung von Reisebüros und Vulkanasche ist nicht mehr zeitgemäß.

von Ulrich von dem Bruch, 19.04.10, 08:10
Die Herren der Airlines haben Recht: Es kann nicht sein, dass es keine validen Messungen in Deutschland gibt, die die Aschekonzentration bestätigen. Das ist der eigentliche Skandal. Man darf die Professionalität des Deutschen Wetterdienstes auch mal anzweifeln, wenn zeitgleich alle bis auf einen Laser in der Wartung sind. Davon ist eine ganze Industrie in diesem Fall abhängig. Aber grundsätzlich sollte die Sicherheit vor Aktienkurs gehen.

von R.-G..Ludwig, 19.04.10, 09:28
Wenn wir hier man nicht alle nur ver"ascht" werden. Auf Island niesst ein Vulkan und Europa bekommt Schnupfen. Tatsächlich kommt bei mir manchmal der Verdacht auf, es handele sich hier auch nur um eine "Schweinegrippe" der Lüfte. Einzige Unterschied wäre dann allerdings, dass mit der Angst vor der Schweinegrippe Millionen verdient wurden, beim Flugverbot zahlen wir alle drauf - ausser vielleicht die Bahn. Würde mich nicht wundern, wenn es nach dem heutigen Messflug ein OK für weitere Flüge geben würde. Aber natürlich stimme auch ich zu: Sicherheit geht vor und die europäischen Richtlinien für Fälle wie diesen scheinen klar zu sein. Allerdings sollte man sich diese mal genau angucken, wenn alles vorbei.

von Walter Krombach, 19.04.10, 10:45
Zum Thema empfehle ich die heutigen "BBB's - Born's Bissige Bemerkungen": http://karl-born.de/rss.shtm

von Martin Pundt, 19.04.10, 12:36
Der Bundesverkehrsminister, der LH-Vorstand und der Sprecher der Deutschen Flugsicherung reklamieren jeder für sich: "Die VOLLE Verantwortung für die Sicherheit der Passagiere kann UNS niemand abnehmen" - für mich ein klarer Fall von Kompetenzgerangel, der uns hier so bestimmt nicht weiter bringt. Die Vulkanwolke konnte keiner so vorhersehen - die Kompetenzverteilung in einer Großkrise MUSS aber dennoch generell vorab feststehen - und das muss das Bundesministerium für Verkehr regeln. Die Haltung von Herrn Ramsauer in dieser Angelegenheit ist für mich daher nicht nur arrogant, sondern auch schlichtweg dilettantisch. Zur Frage, ob das Fliegen im Moment sicher ist: Fliegen ist nie 100% sicher - das wissen wir. Alle. Schon lange. Angesichts der Fakten, die LH und AB präsentieren und angesichts der unverschämten und hilflosen Worthülsen dieses Herrn Ramsauers bin ich daher sofort bereit, mit Herrn Mayrhuber oder Herrn Hunold gemeinsam in die Luft zu gehen. Und das ist durchaus bewusst zweideutig gemeint!

von Wolfgang Hoffmann, 19.04.10, 13:27
Immer locker bleiben. Abgesehen von den Kunden, deren Urlaubstage tatsächlich verfallen sind, kommen doch alle irgendwann wieder. Und sowieso kam diese Vulkanwolke doch gerade recht. Just in dem Moment, wo die sogenannten "Onliner" hagestolz durch die Medien gockeln und uns antiquierten "Offlinern" großzügig einen "Tag der offenen Tür" einräumen wollen, laufen uns diejenigen die Bude ein und schreien um Hilfe, die im Internet gebucht hatten. Ironie des Schicksals, aber Vulkane sind eben auch nur ein Mensch!

von Stefan Werner, 19.04.10, 14:14
Stimme voll mit Martin Pundt überein. Thomas Cook/Condor fliegt gerade die Gäste aus den Zielgebieten nach Salzburg aus. Der Flughafen ist geöffnet, der nur rund 100 Kilometer entfernte Airport in München nicht. Seit wann macht Vulkanasche denn an Landesgrenzen Halt? Die Politik versagt, und ich fand den Auftritt von Peter Ramsauer gestern im Fernsehen auch unterirdisch. LH-Chef Mayrhuber war dagegen echt stark. Er hat Recht mit seinem Vergleich: Beim Skifahren verlässt man sich doch auch nicht nur auf den Wetterbericht, sondern schaut sich die Piste an.

von Ralf-Gunnar Ludwig, 19.04.10, 14:37
Doch mehr als heisse Luft? Vulkanasche habe einen Nato-Kampfjet bei einem Flug über Europa beschädigt. Es hätte sich Glas im Triebwerk gebildet; dieses sei aus Vulkanasche entstanden. http://linkshrink.de/11199/

von Wolfgang Hoffmann, 19.04.10, 15:27
Der Glaube versetzt bekanntlich Berge... Warum nicht diesen verdammten Vulkan!?

von Wolfgang Hoffmann, 20.04.10, 11:39
Da muss erst ein Vulkan ausbrechen, dass unsere Piloten im kontrollierten Sichtflug fliegen. Wenn ich daran denke, wie wir unsere Kunden früher bei chaotischem Blindflug in die Ferien geschickt haben, wird mir ganz übel.

von Ralf-Gunnar Ludwig, 20.04.10, 11:41
Am Wochenende hatten wir, zumindest hier im Norden (Hannover bis zur Ostseeküste), strahlend blauen Himmel - absolut wolkenlos, dennoch herschte Flugverbot. Jetzt darf trotz Flugverbot geflogen werden, trotz tlw. geschlossener Wolkendecke, im "Sichtflug" - damit man den Wolken ausweichen kann. Da läuft, oder zumindest lief, da doch was schief.

von R.-G..Ludwig, 21.04.10, 10:18
Der Nebel oder besser gesagt die "Aschewolke" lichtet sich und wir stehen vor einem Scherbenhaufen. Hat man hier vielleicht das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, wie so auch schon bei der Vogelgrippe geschehen? Keine Frage: Vulkanasche birgt eine Gefahr für den Flugverkehr, dies haben die Vorfälle in 1982 (http://de.wikipedia.org/wiki/British-Airways-Flug_9) und 1989 (http://de.wikipedia.org/wiki/KLM-Flug_867) gezeigt, aber die Frage muss lauten, wann ist eine Aschewolke eine Aschewolke, also die Frage nach verbindlichen Richtwerten. Damals sind die Maschinen direkt in die "grossen grauen Wolken" hinein geflogen und jetzt geht es um Feinstaub, welcher mit dem blossen Auge nicht zu erkennen ist. Aber nicht nur in Bezug auf das Flugverbot, hat diese Krise gezeigt, dass hier Handlungsbedarf besteht. Innerhalb der Touristik wurde durch das Flugverbot auch wieder viele Rechtsfragen aufgeworfen, Fragen die auch von den "Fachleuten" nicht eindeutig beantwortet werden konnten. Zu allgemein bzw. ungenau und zweideutig, sind die Klausen des BGB hierzu. Hiess es z.B. zunächst, dass sowohl VA wie auch Kunden aufgrund höherer Gewalt die Verträge kündigen können und der VA dabei seinen Anspruch auf den Reisepreis in Gänze verliert - was meines Erachtens so auch nicht tragbar ist, hat er doch schon viele Vorleistungen getroffen - wird jetzt immer häufig angedeutet, dass u.U. auch der Reisenden etwaige Stornokosten, anteilig zu tragen hat. Als Rechtsgrundlage bemüht man hierzu das sogenannte „Tschernobyl-Urteil“ aus den 80er-Jahren (BGH, Az. VII ZR 60/89). Die Leistungsträger bzw. Verbände, sollten den Anlass nutzen, hier auch eine Änderung des BGB oder zumindest eine Rechtssicherheit herbei zuführen. Eine hälftige Berechnung der anfallenden Stornokosten oder zumindest eine pauschalierte Gebühr, in Höhe der Anzahlung, wären m.E. nur recht und billig undsollte rechtlich gesicher werden! Bleibt zu hoffen, dass die Touristik sich wie ein Phönix aus der Asche aus dieser Krise erheben wird :-)

von Michael Buller, 21.04.10, 12:37
Die Branche steht vor einer noch nie da gewesenen Rückabwicklung von Reisen und Kundenforderungen (die nicht zurück gekommen sind)! Vermittler werden bei der nächsten Provisionsabrechung auch die Auswirkungen davon zu spühren bekommen (und das neben der Arbeit für o.g. Punkt....denn da wird man mitten drinn sein) Ich denke man wird eine ganze Weile brauchen um das Ausmaß von fast 5 Tagen Flugverbot zu verstehen! Das Wichtigste ist....das die Branche mit den Kundenforderungen besonnen umgeht denn das könnte das Vertrauen in die organisierte Reise durchaus erschüttern und der Schaden wäre nachhaltig.

von Wolfgang Hoffmann, 21.04.10, 14:12
nicht die Branche steht vor einem Problem, diejenigen Kunden, die den Verführungen der Onlineportale gefolgt sind und sich touristische Produkte selbst zusammengestellt haben. Wir waren nahezu ununterbroche für usnere Kunden verfügbar in diesen Tagen und mussten uns von verzweifelten Leuten so manche Story anhören. Gut zugeredet haben wir denen und reinen Wein eingeschenkt, aber helfen konnten wir weder den Eltern, deren Tochter sich den Transatlantikflug im Internet selbst gebucht hatte, noch den Leuten, die nicht zu ihrem im Internet gebuchten Ferienhaus mit dem auf einem Onlineportal gebuchten Flug konnten, - ganz zu schweigen von dem gebuchten und bezahlten Anschlussflug und dem Mietwagen. Herr Buller, es macht überhaupt keinen Sinn, zwischen stationären Reisebüros und den von Ihnen vertretenen Onlineportalen Gemeinsamkeiten herbeizureden. Es gibt keine, außer, dass beide das gleiche Produkt an ein und dieselbe Zielgruppe verkaufen wollen. Und das ist dann aber auch restlos alles.

von Michael Buller, 21.04.10, 16:20
Führen wir nun die Diskussion (die eigentlich ja keine ist) hier weiter Herr Hoffmann??? Buller

von Wolfgang Hoffmann, 21.04.10, 17:33
Ich ja, Herr Buller. Was Sie tun, das kann ich wohl schlecht beeinflussen. Aber ich diskutiere immer gerne mit Ihnen, zumal das Thema wohl in alle Belange der Touristik reinspielt.

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