VIR

Die Crux mit der Innovation

Facebook, iPhone, Spotify: Digitale Neuerungen verändern die Welt. Wie innovativ ist die Reisebranche? Der VIR-Wettbewerb Sprungbrett zeigt die Ideenvielfalt der Tourisik – und die Stolpersteine auf dem Weg zum Erfolg.

von Klaus Hildebrandt, 25.06.2015, 09:51 Uhr

Zehn etablierte Unternehmen, darunter Größen wie Expedia, Wirecard und Traveltainment, und 43 Start-ups bewarben sich dieses Jahr beim Sprungbrett-Wettbewerb des Verbands Internet Reisevertrieb (hier sehen Sie die Gewinner). Doch was ist eigentlich eine Innovation und wie werden Firmen erfinderisch? Studenten der Hochschule München – selbstbewusst präsentierten sie sich als "Generation Innovation" – zeigten beim VIR-Kongress auf dem Berliner Messegeländer spielerisch das Dilemma auf. Ja, es muss kreative Freiräume geben - aber ohne Effizienz in der Umsetzung geht es nicht. Ja, Teamarbeit und flache Hierarchien befördern die Gedanken – aber wenn jeder mit optimaler Work-Life-Balance im kreativen Chaos vor sich hinwurschtelt, kommt nichts dabei heraus.

Das wichtigste Erfolgskriterium einer Innovation, zitierte Axel Jockwer (EBC Hochschule) eine Studie, sei weder die Idee, noch das Team oder die Finanzierung, sondern schlicht der optimale Zeitpunkt, zu der sie an den Markt kommt. Tablet-Computer gab es schon vor dem iPad, nur Steve Jobs hatte das Gefühl für das richtige Timing. Und ein Kriterium wurde bei der Vorstellung der Finalisten deutlich: Erfolgreiche Start-ups denken radikal vom Kunden her, nicht von den Prozessen der Reisebranche.

Allerdings: Wer mit der Touristik paktieren will, muss sich trotzdem ein Stück weit ihren Gesetzmäßigkeiten anpassen. Keinen leichten Stand hatte etwa die junge Firma Retravel, die stornierte Reisen weitervermittelt. Die Veranstalter wollen das nicht, Airlines akzeptieren keine Namensänderungen und Hotelportale bieten oft kostenlose Stornos, tönte es aus dem Saal – verbunden mit der selbstkritischen Frage, ob die Regeln der Branche im Sinne des Kunden noch immer zeitgemäß sind.

Für Start-ups ist der Gewinn eines Wettbewerbs ein großer Image-Effekt, aber noch kein Garant für den Erfolg. Das ist wie bei den Casting-Shows: Sie bringen Stars hervor – der erste VIR-Preisträger Trust You etwa expandiert stark und hat bald 100 Mitarbeiter – und es gibt One-Hit-Wonder wie den Vorjahresgewinner My Localscouts, deren Geschäftsmodell nicht so richtig funktionierte. Hoffen wir, dass der diesjährige Gewinner Beach Inspector Erfolg hat. Die Zeichen stehen gar nicht mal schlecht: Holidaycheck und Tripadvisor begannen auch als Bewertungs-Communities und mischen nun groß mit als Reisemittler. Keine besonders innovative Idee – aber sehr lukrativ.

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