Verbraucherschutz

Skandal im Hochsicherheitstrakt

Nichts ist sicherer als die Bezahlung von Flugtickets. Dumm nur, wenn diese gar nicht existieren. Was heute die Kunden interessiert und worauf die Branche vorbereitet sein sollte.

von Dirk Rogl, 15.07.2010, 13:54 Uhr

Die Regeln des internationalen Luftfahrtverbands Iata sind knallhart, und sie dulden eigentlich keine Ausnahme. Wer Tickets ausstellt, muss finanziell solide aufgestellt sein. Für Iata-Agenten, das können Reisebüros oder Consolidator sein, wird stets eine hohe Bürgschaft gefordert, in der Regel eine Einlage in Höhe der zu erwartenden Umsätze von 50 Tagen. Die Folge: Flugtickets sind bei seriösen Agenturen quasi im Voraus bezahlt. Der Kunde kann sich seiner Sache sicher sein.

Heute nun die skandalöse Ausnahme: Im Gelsenkirchener Reisebüro Ticketpoint sind offenbar 1,77 Mill. Euro veruntreut worden. Wie das funktioniert, ist leider ziemlich einfach erklärt. (Die etwas komplexere Variante gibt es übrigens exklusiv auf fvw.de.) Offenbar hat das Reisebüro hier für eine Leistung die Hand aufgehalten, die es nicht erbracht hat. Stimmen unsere Recherchen, so wurden hier Rechnungen geschrieben, ohne dass Tickets ausgestellt worden sind. Das wäre in etwa so seriös, als wenn ein Autohändler die Kaufsumme einstreicht ohne das Fahrzeug beim Hersteller in Auftrag zu geben.

VW, Mercedes & Co wären bei einem solchen Vorgang wohl ziemlich hilflos. Und so ist es leider auch im Falle von Ticketpoint. Die Ticketgroßhändler, mit denen Ticketpoint kooperierte, wussten vermutlich nichts von den getätigten Optionsbuchungen (die eher als unverbindliche Reservierung denn als Buchung zu verstehen sind). Und bei den Airlines fallen sie kaum auf, weil auch seriösere Agenten ihre Buchungen erst optionieren und mit den Kunden abstimmen, bevor sie dann fest gebucht werden.

Nun aber zu dem Punkt, der sicher auch die Verbraucher interessiert. Wie schützen sich Kunden vor derartig windigen Anbietern, die erfreulicherweise derartig selten sind, dass sie in diesem Fall massiv Schlagzeilen machen? Im Prinzip ist die Sache einfach.

1. Wenden Sie sich an das Reisebüro Ihres Vertrauens. Davon gibt es mehr als genug, online wie offline.

2. Zahlen Sie keine Leistung, die nicht erbracht ist.

Punkt zwei ist für den Verbraucher leider nicht ganz klar ersichtlich. Unmöglich ist es aber nicht. Denn zu einem gebuchten Flug gehört bekanntlich auch eine Reservierungsnummer. Und die sollte dem Kunden auch in Zeiten des E-Tickets spätestens mit der Rechnung zugehen. Mir ist bislang kein Fall gefälschter Vorgangsnummern bekannt.

Verbraucher, die auf Nummer sicher gehen wollen (und wider Erwarten ihrem Reisebüro nicht trauen) können diesen Code aber ganz simpel überprüfen, entweder über einen unverzüglichen Online-Check-in auf den Seiten der Airlines oder über eine Überprüfung des Flugstatus auf den Seiten jenes GDS, über das die Reise gebucht worden ist. Das dauert bei Linienflügen maximal drei Versuche bei Amadeus, Travelport (Galileo/Worldpan) oder Sabre. Nur falls alle drei Systeme gleichermaßen die Auskunft verweigern, kann unter Umständen etwas faul sein. Lediglich bei einigen Billig- und Ferienflügen versagen diese Systeme die Auskünft. Bei Letzteren gilt dann aber wieder zumeist das Direktinkasso, analog zur top-sicheren Buchung einer Pauschalreise.

Der Branche hat Ticketpoint einen Bärendienst erwiesen. Jetzt geht es an die Schadensbeseitigung. Auf dass diese schnell und möglichst lautlos gelinge.

Kommentare

von Ole, 15.07.10, 15:16
Das Reisebüro des Vertrauens...woran erkennt man das? Ein stationäres Reisebüro in Bielefeld hat vor einigen Jahren Kundengelder nicht an die Veranstalter weitergeleitet. Ticketpoint wurde vom BdK empfohlen. Diese Empfehlung ist sicherlich kein Gütesiegel, schafft aber auf den ersten Blick Vertrauen.

von Volker Blum, 15.07.10, 15:55
Mich wundert hier ein wenig das fehlende Technikverständnis, die Aussagen sind doch etwas laiehaft gehalten. Da es in einem GDS keinen Unterschied gibt zwischen Buchung und Reservierung und es hier meines Wissens nach hauptsächlich um Online-Buchungen ging, darf jeder Kunde davon ausgehen, daß er auf jeden Fall eine - auch nachprüfbare - Reservierungsnummer (vulgo: Filekey) bekommt. Das bietet aber keinerlei Sicherheit, denn entscheidend ist die Frage ob es zu diesem Filekey auch eine TICKETNUMMER gibt, erst dann kann der Kunde davon ausgehen, daß seine Order auch weitergeleitet wurde. Das wiederum zeigen die gängigen Abfrage-Systeme auch an und ein Passenger Receipt per email gehört eigentlich auch zu Standard seriöser Anbieter. So gesehen ist die Kontrolle in der Tat möglich, aber nicht nur so wie oben beschrieben.

von Wolfgang Hoffmann, 15.07.10, 16:04
komisch, wir Stationären, vulgo Offliner, sorgen seit gefühlten Jahrhunderten, wie selbstverständlich dafür, dass Kunden tatsächlich auch, wirklich fliegen können. Es gehört für uns am Counter einfach zur Grundausstattung. Man sollte den Internet affinen geizgeilen Verbrauchern das mal beiläufig erzählen. Aber sei`s drum, dieses "Reisebüro" hat ja schließlich auch über Ebay 5% Rabatt ausgelobt. Wie oft - nur ich - den Veranstaltern schon gesagt habe, dass sie mal ein Augenmerk auf die ganzen Rabatthyänen in unserer Branche legen sollen... Ein Blick alleine in den Bundesanzeiger hätte in Hannover schon Großalarm auslösen müssen, schon vor Jahren! https://www.ebundesanzeiger.de/ebanzwww/wexsservlet?session.sessionid=d644b042e0beb4cc788bfa6c5ff86522&page.navid=detailsearchlisttodetailsearchdetail&fts_search_list.ed=10b733eb7baa5815 Jetzt sieht man das TUI-Logo groß in der BILD und es steht da im Zusammenhang mit Betrug und Lüge. Haben wir seriösen TUI-Agenturen das nötig?

von Dirk Rogl, 15.07.10, 16:18
@Volker Blum: Danke für die korrekte Ergänzung. Tatsächlich ist diese Passage auch für Laien geschrieben, denn von diesen wird die Frage heute aktiv gestellt. Also gern noch mal für die Profis in diesem offenen Blog: Die Eingage des PNR-Filekey in die Online Travel Itinerary der GDS gibt Auskunft über den Tripstatus. Der wiederum bildet sich durch Hinterlegung einer Ticketnummer. Und korrekt: Den Tripstatus sollte der gewissenhafte Kunde schon prüfen. Korrekt?

von Michael Kennedy, 15.07.10, 16:21
BILD ist doch schon "aktviert": Ähnlicher Fall letzte Woche am Frankfurt Airport: http://www.bild.de/BILD/regional/frankfurt/aktuell/2010/07/09/urlaubsdieb/reisebuero-mann-verkaufte-faule-tickets-ohne-fluege.html

von Michael Kennedy, 15.07.10, 16:29
Da wird sich Kumara Reisen auf Seite 2 der Bildergalerie bei diesem Artikel gleich freuen. Das Thema ist gefundenes Fressen zum Thema Hoch-Reisezeit im Zeitungs-Sommerloch...

von Volker Blum, 15.07.10, 16:36
@ Dirk Rogl. Nahezu korrekt, ich würde es einfacher ausdrücken. Wenn man in den entsprechenden Abfragetools (z.B. my flights im Iphone) eine Reservierung angezeigt bekommt, dann ist das ein gutes Zeichen, beruhigt sein kann man erst, wenn "an eticket has been issued" und/oder eine Ticketnummer angezigt wird. P.S. ich wußte nicht, daß hier auch Laien mitlesen, umso wichtiger das klar zu beschreiben. P.S. solche Betrugsfälle sind auch im stationären Betrieb schon vorgekommen, da braucht also keine Diskussion off/online losbrechen.

von Wolfgang Hoffmann, 15.07.10, 16:43
@Volker Blum, das ist aber jetzt nicht nett, Herrn Rogl als Laien zu bezeichnen. Außerdem denke ich doch, dass er hier mitlesen sollte, zumal er sogar für die FVW schreibt.

von Volker Blum, 15.07.10, 16:59
@ Wolfgang Hofmann - ich glaube SIe haben die Smilies vergessen, oder war das womöglich ernst gemeint?

von Wolfgang Hoffmann, 15.07.10, 17:48
also gut, konzentriere ich mich lieber auf Ihr anderes P.S.: Dass eine Off/Online-Diskussion losbricht das ist doch gar nicht zu vermeiden. Nur alleine, wenn man sich auf die Berichterstattung über diesen Betrugsfall des Gelsenkirchener Reisebüros betrachtet. Es ist dem Verbraucher geradezu schnurz, welche Produkte ihm Buchungssicherheit after the booking vermitteln, mittels welcher Sicherheitstools er nachprüfen kann, ob das, was er vermeintlich online gekauft hat auch wirklich in seinen Besitz übergegangen sein könnte. Die Meldung ist eindeutig über ein stationäres Reisebüro, die Bilder zeigen ein Ladenlokal, mit TUI logo, was übrigebns wirklich so aussieht, wie ein stationäres Reisebüro gemeinhin aussieht. Warum sollten wir Stationären denn jetzt diese Berichterstattung hinnehmen und nicht aufklären, dass sich dieses RB hauptsächlich als eine Art Internetportal im Markt befindet, was die echten Reisebüros in der Gegend seit Jahren mit Rabatten ärgert, und somit - jetzt wieder unter uns nicht-Laien - genau das Ärgernis bildet, an dem sich die Diskussion über Off- und Online hochschaukelt? Der Dissens zwischen diesen beiden Vertriebsformen ist da, er lässt sich nicht krampfhaft unterdrücken. Und jedesmal, wenn der Eindruck in der Öffentlichkeit entsteht, dass das eh derselbe Bodensatz von "Vertrieb" ist, egal ob On- oder Offline, besonders, wenn einer Mist baut, dann wird die Diskussion wieder aufleben. Im Übrigen: "Offline" ist ja wohl schon eine Beleidigung ansich. Wir in den Reisebüros tätigen unsere Buchungen schon lange nicht mehr durch Rauchzeichen oder Brieftauben. Mit Verbaleuphemistik kann man auch andere diskreditieren. Mich bringen Sie damit auf die Palme.

von Oliver, 15.07.10, 17:58
noch ein ähnlicher Fall - hier wurde lt. Angaben von Geschädigten auch mit falschen bzw. nicht existierenden Ticketnummern "gearbeitet". Am IB-Schalter in TXL spielten sich and den Tagen vor Weihnachten Dramen ab. http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article1268661/Berliner-Polizei-warnt-vor-Reisebuero.html http://www.berlin-aktuell.de/polizei-warnt-vor-betruegerischem-reisebuero_id5592.html http://www.gangway.de/gangway.asp?client=gangway&docid=3607 http://leticiapluemermutmassigebetruegerin.blogspot.com/search?updated-max=2010-01-04T11%3A54%3A00-08%3A00 (ich hoffe, daß ich hier überhaupt links posten darf) Die betreffende Dame verschwand noch im Dezember 2009 nach Mexiko von wo Sie im Frühjahr 2010 an die BRD ausgeliefert wurde. Seit dem soll sie in Frankfurt in U-Haft sitzen.

von Online-Vermittler, 15.07.10, 18:54
Direktinkasso zur Pflicht zu erklären, kann keine Lösung sein. Es bevormundet die Reisemittler und stört die Kundenbeziehung. Wie wäre es aber mit einer Kundengeldabsicherung für Reisemittler? Was für Reiseveranstalter lange schon vorgeschrieben ist, die Kundengeldabsicherung nach § 651k BGB, gilt nicht für Reisebüros und auch nicht für Online-Vermittler. Dabei können bei Reiseportalen Risiken schlummern, die mit denen eines großen Reiseveranstalters vergleichbar sind. Leider haben die Reisepreisabsicherer meines Wissens heute noch kein entsprechendes Produkt im Angebot.

von Brigitte Wirsig, 15.07.10, 21:52
Sie sollten Kunden nicht empfehlen, nur für eine Leistung zu bezahlen, die auch erbracht wurde. Das könnte so verstanden werden, dass der Kunde erst zahlen möchte, wenn er bereits geflogen ist. Bei langen Vorausbuchungsfristen und/oder bei Kunden, die man nicht kennt, ein unmögliches Unterfangen ! Ersparen Sie uns bitte mit solchen Ratschlägen endlose Diskussionen !

von Horst, 16.07.10, 12:02
Hallo, bin neu und habe durch Zufall diesen Blog entdeckt. Frage mich bei all den Spezialisten, wie ich mich besser hätte absichern können. Habe am 29.12.09 einen Flug für 3 Pers. Fra-Peking + retour für den Oktober 10 online bei TicketPoint bestellt, Barzahlung per Kreditkarte, weil dann RRV und andere Versicherungen eingeschlossen sind.Schriftliche Bestätigung sofort mit allen Angaben, Rechnungsnummer, aber keine Reservierungsnummer. Jetzt bin ich gestrandet, Emirates hat die Buchungen vorliegen, bietet aber Neubuchung für 150 Euro/Person mehr an, keine Kulanz. Zahlung natürlich nocht nicht erhalten da Ticketpoint die Tickets über eine Agentur: Conso.de/A.T.O Airline Ticketfabrik online GmbH, an die ich auch noch von Emirates verwiesen wurde, bezieht. Auch dort noch keine Zahlung, d.h. das Geld ist weg, denn aus der Insolvenz wird, wenn sie überhaupt angenommen wird, nichts herauskommen. Fällt eventuell noch jemandem hierzu ein Weg ein? Anzeige habe ich natürlich auch schon erstattet. Horst

von Sven Maletzki, 16.07.10, 13:44
Ich finde, eines wird immer noch nicht klar. Meiner Ansicht nach ist der Verkauf von Linienflügen in folgender Reihenfolge (im Prinzip sowohl Online als auch Offline): - Kunde formuliert seinen Reisewunsch - Kunde erhält Angebote, die seinem Wunsch entsprechen - Kunde wählt ein Angebot aus - Kunde muss Angaben zu den Reiseteilnehmern und der Zahlungsart machen - Buchung wird generiert - Reisebüro erstellt Rechnung mit Zahlungsziel - Reisebüro erhält Zahlung vom Kunden - Reisebüro lässt Ticket ausstellen Wie Volker schon richtig beschrieben hat, ist eine Buchung eine Buchung im GDS. Solange kein Ticket ausgestellt wurde, kann i.d.R. die Buchung geändert oder storniert werden. Soweit mir bekannt ist, lässt kein Reisebüro sinnigerweise ein Ticket ausstellen, wenn er nicht zuvor die Zahlung erhalten hat. Einzige Ausnahme ist die direkte Eingabe der Kreditkartennummer des Kunden in das Ticket. Wenn ich die Berichterstattung richtig verstanden habe, entstand der Schaden durch Kundengelder, die auf das Reisebüro-Konto eingingen und von dort betrügerisch auf ein privates Konto weiter geleitet wurden. Demnach werden es wohl Kunden-Zahlungen per Überweisung oder Lastschrift gewesen sein. Bei der Vorgehensweise hat der Kunde überhaupt keine Chance, selbständig zu prüfen, ob für seine Buchung ein Ticket ausgestellt wurde. Selbst wenn der Kunde mit seinem Filekey in den Kunden-Portalen der GDS (z.B. VirtualyThere von Sabre) seinen Status abfragt und dort irgend wie erkennt, dass noch kein Ticket ausgestellt wurde, ist das noch kein Indiz für einen möglichen Betrug. Zwar sind viele Tickets mittlerweile mit kurzen Ausstellungsfristen, aber wenn die Buchung und Zahlung des Kunden weit vor dem Reisetermin stattfindet und das Ticket eine großzügige Ausstellungsfrist hat, dann wird diese Frist auch gerne zur Liquiditätsverbesserung (was nichts mit Betrug zu tun hat) ausgenutzt. Wenn dann einfach kein Ticket ausgestellt wurde (ob als eigene IATA-Agentur oder über den Conso), dann findet ein Betrug statt. Das ist genau so, als wenn ich bei ebay tolle Sachen anbiete (die ich wohlmöglich gar nicht besitze), den Geldeingang abwarte und dann keine Ware versende. Auch hier kann man im Vorfeld den möglichen Betrug nicht erkennen. Die vermeintliche Prävention bei ebay lautet "Bewertungen". Sie sollen zumindest bei einer hohen Anzahl an positiven Bewertungen das notwendige Vertrauen schaffen. Noch eine Anmerkung zu Ticketpoint: Ich war selber mehrfach dort und hatte auch mit Herrn Eric K. zu tun. Tatsächlich handelt es sich auch um ein reguläres Ladenlokal für den typischen Verkauf von Pauschalreisen. Zusätzlich gibt es aber großzügige Hinterräume, in denen vor allem das Flug-Geschäft und der Online-Handel betrieben wurde. Als damaliger Mitarbeiter eines GDS, konnte ich bereits damals "Unregelmäßigkeiten" in der GDS-Nutzung dort feststellen. Anscheinend hat Herr K. latent kriminelle Energie und wußte einfach nicht, wann es nur noch ein "gedultetes" Ausnutzen von Systemlücken ist und wann er das Recht bricht.

von Volker Blum, 16.07.10, 14:04
Hallo Horst, im aktuellen Fall sieht es schlecht aus fürchte ich. Hinsichtlich möglicher Absicherungen kann man folgendes tun: Reservierungsnummer prüfen, die muss (bei einer Flugbuchung) zwingend existieren, sonst existiert auch keine Buchung. Wenn es sich dabei NICHT um einen Low Cost-Carrier oder Charterflug (Ryan, Easy, Air Berlin etc) handelt, dann kann man anschließend als Endkunde den Stand der Reservierung einsehen. Da es in Reisebüros drei Systeme gibt über die gebucht werden kann, muß man ggf in drei Systemen nachschauen ob die Buchung existiert: www.checkmytrip.com, www.virtuallythere.com und www.mytripandmore.com. Sollte dort keine Buchung vorliegen ist die Wahrscheinlichkeit gegeben, daß es keine Buchung gibt. Dann lohnt ggf ein Anruf bei der Fluggesellschaft. Diese Systeme geben auch Auskunft über eventuelle Stornierungen der Buchung, die eintreten kann, wenn die Airline eine Ticketausstellung zu einem bestimmten Zeitpunkt verlangt, diese aber nicht erfolgt ist. Und schlußendlich muss irgendwann im System ein Hinweis "an eticket has been issued" und/oder eben eine Ticketnummer erscheinen. Es hat allerdings auch schon Betrügereien mit falschen Ticketnummern gegeben. Da ist dann kein Kraut mehr gegen gewachsen. Mehr an Sicherheit geht nicht. Gruß volker

von R.Sasse, 16.07.10, 14:12
Nun ja, diese Art des Geschäfts wird, wie Sven richtig sagt, "Zug um Zug" abgewickelt. Der Abschluß sollte aber auf jeden Fall darin bestehen, dass der Kunde einen Beleg für sein elektronisches Ticket incl. der Erklärungen zur Haftung erhält. Und das sollte sehr zeitnah nach Zahlung erfolgen. Ist natürlich auch keine 100 % - Garantie, aber zumindest die Warnlampen sollten anspringen, wenn die "Reiseunterlagen" fehlen. Selbst im Zeitalter des Etix sollte das Standard sein und das sowohl beim online als auch beim stationären Vertrieb.

von Wolfgang Hoffmann, 16.07.10, 14:49
eine sehr nützliche Diskussion. Zumindest kommt so langsam immer klarer hervor, dass das Geschäft mit Reisen einer gewissen Vertrauensbasis zwischen denen, die das Produkt anbieten und denen, die das Produkt erwerben möchten bedarf. Ich will ja auch nicht nerven, aber genau das meine ich mit meinem Hinweis darauf, dass es unerträglich für die stationären Reisebüros ist, die immerhin noch einen gewissen Vertrauensnachhall bei den Verbrauchern haben, mit denen identifiziert zu werden, die mit einer völlig anderen Intention in das touristische Geschäft eingestiegen sind und denen ganz einfach die natürliche Emphathie für dieses Geschäft fehlt. Die Touristik muss wohl zu irgendeinem Zeitpunkt seine Attraktivität eingebüßt haben, als pure Geschäftemacher bemerkt haben, dass man via Internet Geld "machen" kann, ohne viel dafür leisten zu müssen - und vor allem, ohne Ahnung vom Genre ansich zu haben. Für mich ist der Fall Ticketpoint Anlass, das aus der Richtung her aufzuarbeiten. Juristen mögen von der anderen seite aus daran graben.

von R.Sasse, 16.07.10, 14:58
DIESE Diskussion ist überflüssig. Wie weiter oben bereits beschrieben gibt es schwarze Schafe auf allen Vertriebswegen. Und ob Reisen nun im Internet oder im Büro vertrieben werden, lässt keinen Schluß auf die Qualität der dahinter steckenden Arbeit zu, wie man ja auch sehr oft auf den letzten Seiten der fvw in der Rubrik "Mystery Shopper" nachlesen kann.Eine klare Trennung zwischen on und offline ist sowieso nicht zu machen. Wieviele stationäre Büros bieten parallel eine Webpräsenz mit Buchungsmöglichkeit ? Wieviele Online bieten ihren Kunden auch telefonische Buchungsmöglichkeiten ? Das sind sicher nicht wenige und das sind ja nur einige Beispiele für eine verknüpfung der verschiedenen Vertriebswege. Und das Internet ist eben nur einer von vielen Vertriebswegen und weder schlechter noch besser als die anderen.

von Horst, 16.07.10, 15:43
Zunächst vielen Dank für die Reaktionen auf meinen Artikel! Nach meiner Meinung wird die einzige echte Sicherheit sein, für ALLE Arten der Reisebuchung Sicherungsscheine vorzusehen. Ob Ansprechpartner, telefonisch oder persönlich oder per Internet, DIE Sicherheit gibt es nicht. Also muss sie vom Gesetzgeber so eng wie möglich gefasst werden.

von Harald, 16.07.10, 16:09
Ja, Sicherheit(sscheine) für alles. Dann aber bitte auch ÜBERALL dort wo größere (An-)Zahlungen zu leisten sind, nicht nur in der Reisebranche. Wie wäre es z.B. mit der Möbelbranche. Dort stoße ich immer auf totales Unverständnis, wenn ich ketzerisch frage, was für eine Sicherheit ich denn für meine Anzahlung bekommen würde. BTW: (Wie) Kann sich eigentlich ein Reiseveranstalter gegen die Insolvenz einer Airline absichern?

von Online-Vermittler, 16.07.10, 17:09
Ja, Horst! Sicherungsscheine für alle touristischen Leistungen ab einem gewissen Mindestpreis sind die Lösung - egal, ob sie bei einem Reisebüro, einem Online-Vermittler oder einer Airline direkt gebucht wurden! Damit könnte man Urlauber sowohl vor Insolvenzen schützen, die auf schlechte wirtschaftliche Lage als auch solche, die wie im vorliegenden Fall auf Betrug zurückzuführen sind. Die Unterscheidung in Reisemittler und -veranstalter ist sowieso überholt. Welcher Kunde kann denn schon sagen, ob zum Beispiel Expedia zur einen oder anderen Gruppe gehört? Eine freiwillige Insolvenzabsicherung würde an sich genügen. Da es aber für Mittler keine Verpflichtung gibt, mangelt es auch an Angeboten der Versicherungswirtschaft. Eine Google-Suche jedenfalls verläuft ziemlich erfolglos.

von Michael Selzer, 16.07.10, 18:43
Eine Forderung, welche ich seit weit ueber 10 Jahren stelle ist, dass den Airlines untersagt wird, die Fluggäste bei Buchung abzukassieren, bzw. wie bei Pauschalreisen ohne wenn und aber Kundengeldabsicherung! Wer die nicht bringt fliegt nicht ab Germany, oder bekommt sein Geld nach erbrachter Leistung! Es ist doch tatsächlich ueblich bei fast allen guenstigen Fluegen, dass man sofort abkassiert. Hiermit erneut die Forderung unverzueglich Schluss machen mit der fruehen Abkassiererei! Wenn man in Bildern die angebliche Chefin von diesem Betruegerladen sieht, welche nichts gemerkt haben will... Wie wird man Chefin, kann ich mich da nur fragen! Entschuldigung kann ich mir da nicht vorstellen!

von Volker Blum, 16.07.10, 19:21
Herr Selzer, ich nehme an Sie sind branchenfremd, daher diese Erläuterung: Fluggesellschaften kassieren nur dann direkt, wenn man auf deren Internetseiten direkt bucht, ergo insbesondere bei den sog. Billigfliegern. Diese gibt es meines Wissens nach aber noch garnicht seit 10 Jahren. Alle anderen Fluggesellschaften bekommen ihr Geld durch monatliche Abrechnung der ausgestellten Tickets mit ihren Agenturen. Sollte die Taifvorschrift eine umgehende Ticketausstellung vorschreiben, kann eine umgehende Zahlung nötig werden, sollte dies nicht der Fall sein, kann die Buchung auch länger liegen bleiben, ohne daß ein Ticket ausgestellt wird. Dann erhät aber auch die Fluggesellschaft noch kein Geld. Und sollte der Hin-und Rückflug VOR dem monatlichen Abbuchungstermin liegen bekäme hier die Fluggesellschaft ihr Geld in der Tat erst nach erbrachter Leistung. Im vorliegenden Problemfall haben die Fluggesellschaften auch kein Geld bekommen, da ja keine Tickets ausgestellt wurden. Sie verwechseln hier die Vermittlungsleistung des Reisebüros mit der Reiseleistung der Fluggesellschaft. Und die Überltäter in diesem Fall waren ja nun eindeutig keine Airlines. Vielleicht erklärt dieser Zusammenhang warum Ihre Forderug, wo auch immer Sie sie aufgestellt haben seit 10 Jahren ins Leere läuft. mfg Blum

von Ekkehardt Kaifel, 16.07.10, 21:30
Ein Grund für den Betrug sind die Bedingungen der Airlines und der ONLINER: Option nicht möglich, Bezahlung sofort bei Buchung. Dieses Schema ist bei den Kunden so verinnerlicht, daß fast alle bedenken- und/oder gedankenlos zahlen. Da die Leistung erst Wochen oder gar Monate später erbracht wird, macht sich kaum jemand Gedanken wenn das Ticket nicht sofort nach Zahlung eintrifft. Auch bei den Pauschalveranstaltern kommen die Unterlagen meist erst ca 10Tage vor Abreise, trotz Restzahlung 4-6Wochen voher, aber immerhin mit Sicherungschein. Diese Lücke hat sich das betrügerische Büro zu Nutze gemacht. Trotzdem muß ich Herrn Selzer (welcher übrigens schon lange in der Branche ist) beipflichten, der die allzufrühe Komplettzahlung und überhöhte Anzahlungen kritisiert. Welche Sicherheit hat denn der Kunde mit einem Ticket? Existiert die Airline noch, gibt es die Flugverbindung noch etc. wenn der Reistermin eintritt? Warum muß mann Ticket z.T. über 1Jahr im Voraus schon vollständig bezahlen ohne zu wissen ob man die Leistung überhaupt erhält? Ganz dringend wäre hier die Pflicht aller Airlines einem neutralen Sicherungsfonds beizutreten der im Insovenzfalle einer Fluggesellschaft einspringt. Nicht der Kunde hat eine Versicherung vor der Insolvenz seiner Vertragspartner abzuschließen.

von Horst, 16.07.10, 22:13
Hallo Herr Blum und weitere, alle Hinweise sind ja ganz lehrreich, aber etliche nicht unbedingt zielführend. Die Angabe der Ticketnummer und der Zeitpunkt der monatlichen Agenturabrechnung nützt doch überhaupt nichts, wenn, wie in meinem Fall, Emirates den Flug erst am 23. September 10 bei nicht eingehender Zahlung durch das ticketausstellende Unternehmen stornieren würde. Hier liegt auch ein großer Teil der Verantwortung bei den Flugunternehmen, die gegenüber den Reisevermittlern offensichtlich zum Befüllen der Maschinen mehr als kulant sind, diese Kulanz in einem Problemfall wie momenan gegenüber dem geprellten Kunden jedoch überhaupt nicht bereit sind, anzuwenden. Herrn Kaifel weise ich wg. der frühen Komplettzahlung darauf hin, dass Kreditkartenunternehmen mit den eingeschlossenen Versicherungsleistungen, z. B. RRV, bei Bezahlung mit der Karte werben. Leider erst jetzt habe ich verstanden, warum einige Online-Vermittler die Zahlung per Kreditkarte nicht akzeptieren. Aber bedeutet das wirklich einen gravierenden Vorteil? Dafür kassieren sie für den Abschluss gerade dieser Versicherungen wieder nennenswerte Provisionen. Meine Erfahrung aus diesem Vorgang ist, gerade bei Reisebuchungen, egal ob online, Reisebüro vor Ort oder Reiseveranstalter, besonders vorsichtig zu sein und alle Möglichkeiten der Absicherung zu prüfen und genau abzuwägen. Das werde ich auch allen Verbrauchern dringend empfehlen.

von Volker Blum, 17.07.10, 10:37
@ Horst, wann eine Buchung nach Nchtausstellung eines Tickets aus dem System storniert wird ist völlig unterschiedlich und hängt vom Tarif ab. Diese Möglichkeit eine Buchung lange im System zu lassen ohne gleich ein Ticket ausstellen zu lassen und somit auch Geld bezahlen zu müssen ist im Grunde genommen eine Kulanz der Airlines gegenüber dem Endkunden. Wenn ein RSB die Zahlung trotzdem schon vorher fordert ist es eben Verhandlungssache mit dem Mittler, ob man darauf eingeht. Solange kein Ticket ausgestellt wird hat man auch die Möglichkeit von billigeren Umbuchungen und Stornierungen. Daher sehe ich hier keine berechtigten Vorwürfe an die Fluggesellschaft. Die Massnahmen, die sie ergreifen können sind benannt, Sicherheit gibts es weiter nicht, wie Sven schon schrieb,m genau wie bei ebay. @ Herr Kaifel, ein ausgestelltes Ticket ist ein rechtsgültiger Reisevertrag, mithin ein ganz entscheiender Vorteil gegenüber nur einer Reservierung. Daß ein leistungsträger insolvent gehen kann ist normales Lebensrisiko, daß sich nirgendwo ausschließen läßt. Ich glaube gerade als Brancheninsider sollten Sie hier nicht einer Diskussion Vorschub leisten, die eine Bezahlung der Reise erst nach Rückkehr den Weg ebnet, erstens übersieht dies den entscheidenden Unterschied zwischen der Vermittlungsleistung und der Reiseleistung. Zweitens dürfte dies das Ende vieler RSB bedeuten. Und wer schützt die RSB dann vor zahlungsunfähigen oder -unwilligen Kunden?? Ich verstehe die Motivationen mancher hier nicht.

von Wolfgang Hoffmann, 17.07.10, 11:46
@Volker Blum, die Suche nach neuen Lösungen ergibt sich doch aus der Einsicht, dass unsere Branche inzwischen ein Imageproblem hat. Spektakuläre Pleiten oder Kriminalfälle, wie jetzt bei dem aktuellen Onlineportal/Reisebüro machen die Sache doch nicht besser. Wie werden wir denn inzwischen vom Verbraucher wahrgenommen? Dadurch, dass alle möglichen Nicht-Touristiker ihre Vertriebs-Erfahrungen aus anderen Branchen in unsere Branche eingebracht haben fühlt sich doch jeder berufen auch ein wenig in diesem interessanten Job mitzumischen. Dadurch, dass Kreti & Pleti auch zum polyglotten Jetset gehören möchte, ist das Gut Reisen auch nicht unbedingt im Image gestiegen. Heutzutage heißt es doch, "wie billig muss ein Urlaub sein, damit er erholsam ist". Heißt es bei Apotheken, "wie billig muss ein Medikament sein, damit es hilft"? Nein, heißt es nicht, 1. weil man eine Qualifikation ausweisen muss, wenn man Medikamente verkauft, 2. weil wir Handelsvertreter sind und nicht Händler. Mit uns kann man alles machen, uns kann man verpflichten, den gleichen Marketingstuss umzusetzen, den die Profitcenter bei den VAs austüfteln, um das Gut Urlaub, um den Wert des Reisens noch mehr als ERamschware verkommen zu lassen. Und besonders geizgeil gebärdet sich doch dieser Flugticketmarkt. Wir haben einen Freund (nicht KUnde!), der steigt in jedes Flugzeug, fliegt überallhin, Hauptsache, das Ticket war BILLIG! Fragt man ihn nach Hotel oder Mietwagen, dann winkt er ab. Der Wert eines Fluges ist gefühlt immer noch nahezu unerschwinglich, im Gegensatz zu einem Mietwagen, einem Hotelzimmer, aber im Bewusstsein der verbraucher ist es anteilsmäßig der kleinste Posten bei einer Urlaubsreise geworden. Unsere Selbstdarstellung im Markt hat mittlerweilen eine derartige Wahrnehmungsverszerrung erreicht, dass wir uns eigentlich wundern sollten, wieso wir nicht von diesem Markt längst getilt wurden. Und, wundern Sie sich bitte nicht, warum die stationären Reisebüros da ausgerechnet die virtuellen Ramschläden als Schuldige daran ausmachen. Rabatte, Verblödungswerbung, Schnäppchenpreise, die es angeblich sonst nirgendwo gibt, Tickets zum Selbstkostenpreis, Exklusivangebote, frisch gepackt vom VA, dem das Portal mit gehört..., das hat diesen Markt zu dem Sauhaufen gemacht, der solche kriminellen Machenschaften, der unscharfe Geschäftsgebaren, der Wachstum auf Kosten der Qualität repräsentiert. Und über allem prangt derzeit eine spektakuläre REISEBÜRO-Pleite, mit einer hübschen Reisebürochefin, einem Ladenlokal als Bild in der BILD, wo das TUI-Logo so menetekelt, dass in Hannover alle Alarmglocken losgehen müssten! Man muss sich doch als seriöses Reisebüro schon fasst schämen, die TUI zu repräsentieren. Warum hat in Hannover niemand die Billanzen dieses Büros mal angeschaut? Früher musste man eine TUI-Agentur haben, um eine zu kriegen, da wurde man durchleuchtet, ob man würdig ist, "TUI zu sein". Und Heute? Wir werden in einen Topf geworfen mit einem über Jahre verschluderten Controlling eines Gelsenkirchener Reisebüros, wo bei Ebay 5% Rabatte ausgelobt wurden, wo im Hinterzimmer Callcenter betrieben wurde, wo online mit Exklusivität geworben wurde, die überhaupt nicht existierte. Online und Stationär ist in keinem Fall kompatibel, schon alleine, weil Online nicht in seiner Qualität nachprüfbar ist, keine Tradition aufweist in diesem Markt, ein Medium für den Vertrieb nutzt, dass einem Markt ohne Wände, ohne Regeln, ohne Kontrolle gleicht, wo jeder rein- und raus kann, wie es ihm beliebt, und - wie man gerade wieder sieht - alles mitnehmen kann, was nicht schnell genug in den Safe gesperrt wird. Ich habe fertig!

von CaptainJarek, 17.07.10, 13:05
Auch wenn ich nicht im Verdacht stehe ein großer Fan von Herrn Hoffmann zu sein. Der letzte Comment war mit Abstand das Beste was er in letzter Zeit hervorgebracht hat und btw mit Sicherheit einer der besseren Beiträge in diesem Blog hier im gesamten Jahre 2010 ! Sachlich einwandfrei und auf den Punkt gebracht. Und bei einem Punkt möchte ich ihn nachdrücklich unterstützen, auch ( und gerade ) wenn es die Onliner-Fraktion nich gerne hören wird. Die Onliner sind es gewesen und die "virtuellen Ramschläden" zum Produkt "Reise" etabliert haben. Sie sind es gewesen die mit "Rabatten, Verblödungswerbung, Schnäppchenpreisen, die es angeblich sonst nirgendwo gibt, Tickets zum Selbstkostenpreis, Exklusivangeboten" nur so um sich geschmissen haben. Und ja, man muss es wirklich so hart sagen: Sie sind es, die diesen Markt letztendlich zu diesem "Sauhaufen" gemacht haben von dem Herr Hoffmann spricht. Ständig hört man in den letzten Wochen in vielen Kommentaren von diversen Würdenträgern der "Onliner" sinngemäß Sachen wie: "Man sollte den Vertrieb nicht in Online und Offline dividieren, man hat doch die selben Probleme etc." Mit Verlaub, das ist der größte Quatsch! Die Wirklichkeit hat die Tourismusbranche längst eingeholt, es gibt ganz klar nicht nur Dissonanzen zwischen Reisebüros und Onlinern ( nein, das sind für die meisten Touristiker nämlich keine "Reisebüros"! ), sondern einen regelrechten Kampf. Jeder versucht dem anderen so viele Knüppel zwischen die Beine zu werfen wie nur irgendwie möglich. Und ich sehe nicht, dass sich die Situation in den nächsten Monaten und Jahren entspannen könnte. Im Gegenteil. Das Ganze wird noch mehr eskalieren. Aktuelles Beispiel gefällig? Nehmen wir doch nur das Raunen als Thomas Bösl sich den VIR in die RTK geholt hat. Diese Aktion dürfte ihn nach meiner Einschätzung noch im August seinen Kopf als QTA-Sprecher kosten. Und warum? Weil der Druck von den stationären Reisebüros - die den Großteil der QTA ausmachen zu groß wird. Sie sind der Ansicht, dass man mit Onliner eben nicht an einem Strang ziehen sollte, eben nicht mit Ihnen in einer Kooperation zusammenarbeiten sollte. Punkt, aus! Und sie haben genügend Gründe dies so zu sehen. Da wird jetzt also ein verdienter Touristiker wie Bösl um einen Teil seiner Lebensleistung gebracht. Und warum das alles? Weil er das Gespür für den Vertrieb verloren hat, weil er sich zum Zeitpunkt seines Deals mit dem VIR gar nicht bewußt gewesen ist wie sehr die Reisebüros den Onlinern misstrauen, wie tief der Keil zwischen Reisebüros und Onlinern in Touristik wirklich steckt. Es gibt einen spannenden Spätsommer, soviel steht fest!

von Sven Maletzki, 17.07.10, 15:19
Wer schon als Namen "CaptainJarek" verwendet, muss sich nicht wundern, wenn er in diesem Blog nicht wirklich für voll genommen werden kann. Unabhängig davon geht mir diese Online/Offline-Streiterei mittlerweile ganz schön auf den Wecker. Immer das Gleiche: die bösen Onliner, die guten Offliner. Das ist ja grauenhaft, wie engstirnig und verbohrt manche diese Plattitüden heraus schreien. Längst wissen doch alle, dass die Betriebskosten in beiden Kanälen sehr stark vergleichbar sind. Wo das Reisebüro ein teures Ladenlokal und Lohnkosten hat, muss der Onliner im billigen Büro im Industrie-Gebiet aber ebenfalls Personal für Technik und Service-Center bezahlen und hat dabei noch höhere Ausgaben für Online-Marketing. Eigentlich wird genau anders herum ein Schuh daraus. Nur wegen den schreienden Offlinern wurden überhaupt die NTO-Verträge erfunden. Und damit sanken die Einnahmen der Onliner. Und wenn wir uns jetzt dem eigentlichen Fall hier widmen, so stellen wir fest, dass alle Offliner sich freuen können, dass voraussichtlich überwiegend Online-Kunden vom Schaden betroffen sind. Zusammenfassend kann man festhalten: - betrügerische Handlungen sind mit entsprechender krimineller Energie im Online- und Offline-Vertrieb möglich und lassen sich niemals ausschließen - der erste Punkt trifft vermutlich auch auf viele andere Branchen (teils ebenfalls mit dem Wechselspiel Online/Offline) zu - sowohl bei den Onlinern als auch bei den Offlinern gibt es Gute, Schlechte, Gerissene, Faire, Unfaire, Fähige, Unfähige und alles andere, was man sich vorstellen kann - die Gepflogenheiten im Flugverkauf sind ein wenig merkwürdig (dazu habe ich auch einen Beitrag auf www.openTS.de geschrieben) PS: @CaptainJarek - was Sie eskalieren nennen, halten andere für Wettbewerb und zeigt meiner Ansicht nach nur auf, dass Sie mit diesem Wettbewerb Probleme haben.

von CaptainJarek, 17.07.10, 16:59
Lieber Herr Maletzki, Sie müssen nicht von sich auf andere schließen. Das Sie mich nicht für voll nehmen wollen sei Ihnen unbenommen, aber weder um meine Kompetenz, noch um meine Aktzeptanz in der Touristik - sei es von Angesicht zu Angesicht, oder aber wie hier unter dem "virtuellen" Nick CaptainJarek - müssen Sie sich irgendwelche Gedanken machen. Und was Ihnen "auf den Wecker" geht, treibt andere Touristiker um. In einem Punkt liegen sie ausnahmsweise mal nicht daneben. Es ist selbstverständlich "Wettbewerb" ( in dem ich mich übrigens sowohl online als auch "offline" sehr gut aufgestellt weiß ) ... aber eben einer der in den letzten Wochen und Monaten im touristischen Vertrieb nicht mehr nur "nebeneinander", sondern in zunehmender Schärfe vor allem gegeneinander betrieben wird. Und das ist nicht verwerflich, es ist auch keine "Plattitüde". Es ist ökonomische Realität! Das Sie diese Tatsache offenbar noch nicht erfaßt haben - und das obwohl Sie sich für die mit OpenTS für die "Wissensdatenbank der Touristik" verantwortlich zeichnen - ist nicht gerade etwas was für Sie spricht. Auf den Rest Ihrer Einlassung auf meinen Beitrag muss man nicht wirklich eingehen, Sie disqualifizieren sich mit Aussagen wie "Offliner könnten sich über den Betrugsfall freuen" derart, dass man um Ihr Standing in der Branche ernsthaft Angst haben muss. *kopfschüttel*

von Sven Maletzki, 17.07.10, 18:03
Hm, da habe ich wohl den Finger in offene Wunden gelegt. Nun verstehe ich auch, warum man auf Ihrem Twitter-Account nur noch Schritttempo denken soll - um sich Ihrem Tempo anzupassen (ist nur ein Scherz ;-). Falls Sie Online und Offline gut aufgestellt sind, freue ich mich für Sie. Dann würden Sie zu den wenigengehören, die das ernsthaft behaupten können. Dennoch bleibe ich dabei, dass die Diskussion Online/Offline weder inhaltlich einen Sinn ergibt, noch irgend wem etwas nutzt. Wer einmal über den Tellerrand der Touristik schaut, findet eine große Anzahl an Branchen, die den selben Zustand haben. Auch dort fand und findet anhaltend der Wechsel von Verkäufen im Einzelhandel hinüber in den Online-Markt statt. Die Betroffenheit der Einzelhändler ist vielfach noch viel größer, als die der Reisebüros, weil sie gleich gegen die Allmacht der Portale wie ebay und Amazon kämpfen müssen. Doch erstaunlicherweise hört man dort wenig von diesen "Anfeindungen" zwischen Online und Offline. Den Grund dafür sehe ich (subjektiv) hauptsächlich darin, dass für eine parallel Strategie oder ein Wandel von Offline zu Online (wie im Einzelhandel), in touristischen Unternehmen einfach die notwendige Kompetenz (Technik) fehlt. Dabei möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass dies kein Vergehen der beteiligten Personen ist. Und leider ist es auch oftmals so, dass eben diejenigen, denen die Kompetenz zur Technik fehlt, eben diese Technik gerne verteufeln. Damit wird aber nichts besser oder schlechter gemacht.

von Wolfgang Hoffmann, 18.07.10, 14:59
Die Diskussion Onlineportale ./. echter Reisenvertrieb (ja, ich nenne das mal so, wiel ich Herpes kriege bei dem Begriff "Offliner") ist die Eine. Dass im öffentlichen Ansehen durch einen Betrugsfall eines - so wird es doch dargestellt! - REISEBÜROS in Gelsenkirchen der Imageschaden uns Stationäre betrifft, obwohl es durch die Raffgier eines Onliners verursacht wurde, das ist doch das eigentliche Thema. Und hierdran entzündet sich der Streit zwischen diesen gänzlich unterschiedlichen Vertriebsstrukturen in der Touristik. Ist das etwa verwunderlich? Dieses ständige Mantra von den Onlinern, dass es dem Vertrieb angeblich gar nicht nutzt, wenn er sich auseinanderdividieren lässt, der kommt doch ausschließlich von den Onlinern, nicht von uns Reisebüros, auch nicht von den Reisebüros, die längst auch Online Fuß gefasst haben, allerdings eine völlig andere Verkaufsphilosophie präsentieren, al Expedia & Co. Und was mich besonders an dieser stereotypen "Warnung" verwundert, das ist dieses verschwörerische, dass immer unsere Handelsherren als diejenigen darstellt, die wir durch einen "Schulterschluss" vermeintlich zu irgendwelchen Reaktionen veranlassen sollen. Wenn die Onliner einen Putsch gegen TUI & Co planen, dann sollen die das doch bitteschön alleine machen. Nach einer Zeit der gegenseitigen Vorwürfe und einer anhaltenden Zeit der intensiven aber konstruktiven Kritik haben wir Reisebüros längst begriffen, dass wir uns gegenseitig nicht die Hand abkauen dürfen, mit der wir uns gegenseitig ernähren. Der Schritt, in Hannover mehr Provision für die großen Onlineportale herauszuschlagen, war definitiv ein Schritt zuviel. Damit ist endgültig jegliche Chance vertan, in irgendeiner Weise einen Konsenz zwischen stationärem Vertrieb und diesem digitalem Ramschmarkt zu erkennen. Die Verblödung der Verbraucher setzt sich nun einmal in den Medien fort, weil die Verbraucher täglich diesem virtuellen Verramschungsbombadement a la Ballack ausgesetzt sind. Und aus dieser Verblödung eine, wie immer auch zu definierende Gemeinsamkeit herauszuoraklen, sorry, aber es gibt nicht den geringsten Grund dafür seiten von uns Reisebüros. Biedert Euch doch bittte woanders an!

von Wolfgang Hoffmann, 19.07.10, 09:55
...und dazu passt, wie Ar*** auf Eimer die Werbung von opodo.de: <<< Große Ferien - bis 50% günstiger & 50 Euro Urlaubsgeld geschenkt >>> Danke Herr Bösl, dass Sie mit in Hannover gewesen sind, damit die Onlineportale des V.I.R. sich diese Rabatte leisten können!

von Dirk Rogl, 19.07.10, 09:55
Liebe Leser und Mitblogger, Danke für die phasenweise tiefgreifende Diskussion in diesem Blog. Ich freue mich auf weiteren Input zum Thema Ticketpoint und Insolvenzschutz. Zugleich aber eine dicke Bitte (und ein dezenter Verweis auf unsere Kommentarrichtlinien): Kommentare sollten sich bitte zum im Blog genannten Thema beziehen. Der Hinweis, dass Ticketpoint sowohl stationär als auch über elektronische Medien auftritt ist angekommen. Zur Diskussion um die Konkurrenz der Vertriebskanäle taugt das nicht. Es gibt eine Reihe von Postings im fvw-Blog, die sich dieses Themas widmen, z. B.: http://blog.fvw.de/index.cfm/2010/3/10/Preisgleichheit-20 An dieser Stelle möchte ich die Diskussion zu diesem Thema gern beenden. Ich danke für Ihr Verständnis.

von Kathrin, 19.07.10, 11:28
Hallo Leute, das, was Ihr schreibt, stimmt nicht immer, wir haben z.B. zum Teil eigene Kontingente bei Fluggesellschaften, wo man in keinem GDS die Reserveirung nachprüfen kann, weil wir der Airline die Namen der Reisenden erst zu einem bestimmten Datum mitteilen müssen, die Tickets werden manuell aufgebaut, da wollt Ihr nun meinen Kunden sagen, dass sie keine Buchung haben, weil es keinen Filekey zu finden gibt????? Ihr seid echt gut...... Kathrin

von R.Sasse, 19.07.10, 15:32
@Kathrin . Aus diesen Kontingenten werdet ihr aber doch sicher keine reinen Ticketverkäufe abwicklen. Insofern werdet ihr beim paketieren ab 10 % Anzahlung einen Sicherungsschein rausgeben, da ihr einen Reisevertrag und keinen reinen Beförderungsvertrag schliesst. Beste Grüsse R

von hess@travelsafe, 19.07.10, 19:18
Insolvenzabsicherung für Reisebueros ist in der EU-Richtlinie sogar vorgesehen, aber nur in Österreich umgesetzt worden. Hätte beim Ticketschwindel aber auch nicht geholfen, da NUR-Flug vom Versicherungsschutz in der Richtlinie ausgenommen ist. Schon mal überlegt, wie hoch die Versicherungsprämie kalkuliert werden müsste, um nur den aktuellen Schaden in Höhe von 1,77 Mio. zu regulieren ? Und der gehört leider nur zu den Kleinen. Die wirklich Großen werden in der Branche nicht öffentlich diskutiert.Die "cleveren Betrüger" sind immer 2 Schritte voraus und werden wie auch in anderen Branchen weiterhin Unheil anrichten.

von Ekkehardt Kaifel, 19.07.10, 20:35
@Volker Blum Sie sollten die Kommentare gründlicher lesen. Nie habe ich behauptet, daß der Reisepreis erst nach Rückkehr bezahlt werden sollte. Ein ausgetelltes Ticket bedeutet zwar einen rechtsgültigen Beförderungsvertrag, doch bei Insolvenz der Airline ist dieser wertlos. Darum fordere ich nochmals, daß sich ausnahmslos alle Airlines einem Sicherungsfonds anschließen müssen, welcher in solchen Fällen eintritt. Eine Inolvenz als allgemeines Lebensrisiko einzustufen bei Komplettzahlung teils über 1Jah im Voraus ist schon anmaßend. Anzahlung von ca 10% welche nicht rückerstattbar ist, wäre eine Möglichkeit Restzahlung ab 4Wochen vor Reisetermin, dann sind Wackelkandidaten vielleicht schon eher zu erkennen. Bei einer solchen Praxis wäre der Betrugsfall sicherlich weitaus geringer ausgefallen. Verhindert worden wäre dieser aber leider nicht. Ticketpoint hatte wahrscheinlich auch keine IATA-Lizenz, welche mit einer Bürgschaft und/oder einer Versicherung abgedeckt gewesen wäre und es steht zu vermuten, daß auch die fachlichen Qualifikationen nicht vorhanden waren. Eine IATA Lizenz gab es nur, wenn ein entsprechender Ausbildungsnachweis, Bürgschaften/Versicherungen und entsprechende Sicherheitsvorschriften eingehalten wurden. Genauso bestand die TUI auf entsprechenden Standards. Dies gilt leider vielerorts nichtmehr, so daß, nach Wolfgang's Worten, Kerti und Pleti ein Geschäft aufmachen können und die mittlerweile zur Ramschware verkommenen Leistungen wie Flugtickets, Pauschalreisen etc verhökern dürfen. Liebe VA's, Airlines, DB etc. kehrt zurück zu den Wurzeln. Stellt den Vertrieb auf vernünftige, sichere und verläßliche Beine. Reisen kauft man im qualifizierten Fachhandel (durchaus auch online) aber nicht bei Tchibo, Lidl, ALDI, Schlecker, ARAL, Saturn......... Und all ihr Marketinstrategen, lasst euch sagen, daß aus einem Kunden nicht zwei werden nur weil ihr die Leistung nicht auf einem, sondern jetzt auf 10, 20, 30... Vertriebskanälen anbietet. Der Kunde kann nur andere Vertriebskanäle wählen, nicht aber die Menge der Käufe erhöhen.

von Jurgen B, 31.07.10, 12:58
Sehr geehrte Damen und Herren der Fachwelt, das Ganze ist doch eigentlich ziemlich einfach: im dem Moment ("Zug um Zug"), wo ich mein sauerverdientes Geld an Sie uebergebe, ruecken Sie reisefaehige Dokumente heraus. Wie Sie das innerhalb der Branche bewerkstelligen (z.B.: durch Sicherheitsleistungen an ihre Leistungstraeger) und wie Sie ihr Cash Flow regeln, ist mir als Kunde voellig egal.

von R.-G. Ludwig, 01.08.10, 10:05
Sehr geehrter Herr B., Sie schildern den Ist-Zustand! Im Falle einer Pauschalreise zahlen Sie nur bei Vorlage eines "Sicherungsscheins", IATA Agenturen händigen Ihnen Ihr Ticket gleich aus und sofern Sie ein eTicket über einen "Tickethändler" oder ein Ticket eines "Billigfliegers" erwerben, erhalten Sie die Ticketnummer i.d.R. innerhalb von 24 Stunden. Allein für eine Insolvenz der Fluggesellschaft, gibt es derzeit noch keine gesetzliche Regelung, jedoch schon einen entsprechende Versicherung. Warum - wie in diesem Fall - die Kunden einfach ihr Geld überweisen, ohne die Ausstellung der Tickets zu verlangen, ist nur schwer nachvollziehbar. Ich geh doch auch nicht auf einen Automarkt und drück einem vermeintlichen Verkäufer 3.000 EUR in die Hand, wenn der mir eine Kopie des Fzg. Scheins übergibt und mir zusagt mit dem Auto in 4 Wochen wieder an gleicher Stelle zu erscheinen. Mit besten Grüssen RGL

von horst, 01.08.10, 22:02
Hallo RGLudwig, toll, dass das alles für Sie so selbstverständlich ist. Ich habe lange Jahre als "sesshafter" Reisevermittler persönlichen Kontakt zu meinen Kunden gehabt. Dass sie mir Anzahlungen und Restzahlungen gegen Quittung überreicht haben, beruhte seinerzeit auf einer Vertrauensbasis. Die ist bei den leider zum Teil sehr windigen Vermittlern, die Sie sehr treffend mit vielen heutigen Autohändlern vergleichen, nicht mehr gegeben! Ich werde KEINEM Vermittler, ob on- oder offline, mehr vertrauen, sondern nur noch die in diesem Forum dankenswerter Weise beschriebenen zug um zug - Abwicklungen akzeptieren und ich verspreche und wünsche allen Vermittlern, dass ihr Geschäft künftig nicht einfacher wird!

von Anja Wossmann, 15.10.12, 10:56
Also, ich bin der Meinung, dass einem das als Kunde eigentlich egal sein kann, wie der Cash Flow geregelt wird. Dafür sind nicht die kleinen Bürger da...

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