Verbände

Ein Etappensieg der Vernunft

Es ist eine ziemlich triviale Idee, dass Reisebüros zwecks gemeinsamer Interessen-Vertretung die Köpfe zusammen stecken. Endlich hat es geklappt. Dass dies als kleine Sensation zu werten ist, sagt einiges aus über die Lage im Vertrieb. Dennoch gibt es nur eins: Weiter so.

von Dirk Rogl, 25.08.2011, 11:11 Uhr

Es ist die News des Tages. Vertreter aller wichtigen Reisebüro-Interessenvertretungen im Land haben a. miteinander geredet, b. Konsens erzielt und c. freuen sich auf ein Wiedersehen. Die illustre Liste der mittelständischen Reisebüro-Inhaber gehört seit Jahren zu den Lautsprechern ihrer Zunft. Dass sie in der Branche dennoch nicht immer Gehör gefunden haben, liegt schlichtweg an ihrer begrenzten Legitimation.

Der DRV und der ASR beanspruchen die Interessen-Vertretung seit Jahrzehnten in zumeist wenig konstruktiven Wettbewerb. Die IGFR ist seit vielen Jahren als kleiner aber durchaus dynamischer Gegenpol präsent. Hinzu kommen seit geraumer Zeit die IG Reisebüro und der vor der Gründung stehende Reisebüro-Verband der Reisebüro-Inhaber Timo Iserlohe und Marija Linnhoff.

Genau dieses Quintett hat sich nun an einen Tisch gesetzt. Denn einzeln oder gar gegeneinander lässt sich im Streit um sichere Vergütung, Gleichheit der Vertriebswege und im Kampf gegen Rückvergütungen wenig bewirken. Zumal weitere Player die Vertretung des Vertriebs für sich in Anspruch nehmen: Kooperationen und Franchise-Systeme, deren Beiräte, unabhängige Arbeitskreise sowie lockere virtuelle Gruppen in sozialen Netzwerken.

Sie alle sorgen für eine bisweilen zwar laute, selten aber verständliche Kakophonie. Viel zu selten gelingt es den Reisebüros, den durchaus vorhandenen größten gemeinsamen Nenner ihrer Forderungen zu definieren und gegenüber den Partnern in der Branche verständlich darzustellen.

Genau deshalb ist es für die Reisebüros ganz wichtig, dass der Gesprächskreis keine einmalige Sache bleibt sondern sich etabliert und Ergebnisse liefert. Ob es am Ende ein, zwei oder ganz viele Reisebüro-Verbände gibt, wird da fast zur Nebensache. Die Gründung des neuen Verbands liegt jetzt erst einmal auf Eis. Genug Wirbel hat er ohnehin schon gemacht. Wenn aus Sicht der Mittler alles gut läuft, hat er seine Mission sogar schon vollends erfüllt.

Kommentare

von Claudia Mades, 25.08.11, 12:43
Das ist wirklich großartig und ich freue mich über diese Entwicklung, die ich gerne nach Kräften unterstütze. Längst überfällig, aber umso besser dass es endlich passiert! Die Spaltung im Vertrieb ist ja quasi historisch bedingt, erst glelbe und rote Lager, dann die verschiedenen Franchise & Ketten & Koop- Systeme all das hat bis dato verhindert (neben einer gewissen Schwerfälligkeit ;) ), daß wir Reisebüro's als eine große starke Gemeinschaft wahr- und ernstgenommen worden sind. Nur gemeinsam lassen sich die "Schwierigkeiten" im Reisevertrieb lösen und einen Start in eine ergebnisorientierte Zukunft ermöglichen. Let's roll!

von Marija Linnhoff, 25.08.11, 13:42
Das hört sich alles wunderbar an und ja; wir sind auf dem richtigen Weg und gerade ich bin erstaunt, wie konstruktiv und von Respekt gezeichnet die Gespräche bisher verlaufen sind. Deshalb bin ich umso trauriger das die geplante Infoveranstaltung am 11.09.11 nicht stattfinden kann, denn da hätte man die Einigkeit bzw. Schnittpunkte bei einzelnen Themen deutlich erkennen können, sodass die VA, Airlines etc. zur Kenntnis nehmen müssen, hier tut sich etwas, hier wird sich zusammen getan. Begeistert bin z. B. von der Argumentation der Angelika Hummel, die mich vollends überzeugt hat, allerdings hat sie mich nicht vom DRV überzeugen können, denn da sehe ich immer noch die Interessenkollision. Andres sieht es da beim ASR aus, das könnte ich mir persönlich schon vorstellen, aber eine eigene Interessenvertretung/Verband ist eben auch noch nicht vom Tisch. Da kommt es jetzt maßgeblich auf die Unterstützung des Vertriebes an. Aber egal was auch passiert/kommt, die Kommunikation unter der Vertretern einzelner Verbände, Intressengemeinschaften etc. sollte/muß das Ziel sein und dieses ist auf jedem Fall schon einmal erreicht.

von Rainer Wedel, 25.08.11, 16:48
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, sollte "mein Traum" doch noch Wirklichkeit werden? Eine Branche, die möglichst mit "einer Zunge" spricht und dafür das Optimale für seine Mitglieder erreicht? Wenn 5 Verbände zusammensitzen und einen Konsens erreichen, finde ich das zunächst einmal großartig und unterstützenswert. Es sollte aber kontinuierlich weiter regelmäßig getagt werden, um gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. Vor allem sollte darauf geachtet werden, dass Reisebüros - wie es in der Vergangenheit oft war - als "Zahlvieh" angesehen wurden, ohne allzu großen Einfluss auf das Gesamtgeschehen( so sollten z.B. bei Jahrestagungen nicht die Stimmen delegiert werden,sondern nur der sollte mitreden, der persönlich anwesend ist!). So könnten Probleme in der Branche, bei größerer Einigkeit sicher besser gelöst werden , wie in der Vergangenheit. Wünschen wir den beteiligten Damen und Herren auch weiterhin ein "glückliches Händchen" im Umgang miteinander und damit eine starke Austrahlung in die ganze Touristik! Bleiben wir optimistisch!

von barthel.eu, 26.08.11, 10:52
Wenn fünf verschiedene Leute (oder Verbände) "ich bin's" behaupten, höre ich keinem zu. Ist doch eh "drei Leute, vier Meinungen"... Oder ich suche mir aus, wer mir am genehmsten ist und 'legitimiere' diesen. Insofern hat Dirk recht und auch das sollte Ihnen zu denken geben. Also weiter auf dem Weg zu einem Verband. Sinnvoll ist er im DRV schon, sofern er im DRV eine (gleichberechtigte) Stimme hat, denn sonst geht das Spiel mit den unterschiedlichen Ansprechpartnern weiter.

von Wolfgang Hoffmann, 29.08.11, 12:25
mir ist der Wunsch nach "Einigkeit" genauso, wie der Wunsch anch einem "neuen Verband" zu sehr ritualisiert und zum Selbstzweck reduziert. Wenn das, was geändert werden muss definiert wird, dann ergibt sich auch Gemeinsamkeit und dann wird auch ein gemeinsamer Weg aufgezeichnet, wie Lösungen aussehen können. Ob dann ein Verband gegründet wird oder man sich im DRV zusammenschließt, das ist sekundär und eine mögliche Schlussfolgerung von vielen. Dass es dazu nicht gekommen ist, weil der Termin für eine Aussprache und einen Gedankenaustausch am 11. September wg. "nur" 130 Teilnehmern gecancelt wurde, das bedaure ich. Gleichwohl gibt es andere Initiativen, die sich konkret den Lösungsmöglichkeiten widmen, entstanden aus den hier geschmähten social medien und Kooperationsmitgliedern, nebst Reisebüro Beiräten. Allerdings nehmen diese nicht in Anspruch eine "vertretung der reisebüros" zu sein. Vielmehr werkeln diese im Stillen und ohne großen öffentlichen Tamtam, aber in dem Bewusstsein, dass alles, was einem selbst nutzt auch der ganzen Branche nutzt.

von Timo Iserlohe, 29.08.11, 13:52
Wolfgang, dadurch das du es immer wieder falsch verbreitest wird es nicht richtiger! http://www.reisebuero-verband.de/home/pressemitteilung-zur-abgesagten-diskussionsveranstaltung "Die Anzahl der Zusagen von Kolleginnen, und Kollegen, sowie Fachpresse und interessierte Veranstalter lag bei über 130, leider hatte wir aber von vielen nur lose Zusagen, und keine festen Anmeldungen, diese beliefen sich nur auf 37 Personen."

von Claudia Mades, 29.08.11, 13:56
Ich möchte gerne einen wichtigen Punkt festhalten, der eigentlich mittlerweile auch Herrn Wolfgang Hoffmann hinlänglich bekannt ist (aber man kann in der ufregung ja schon das eine oder andere Detail vergessen...!) : Weiterhin : Zu dem leider vordergründig aus gesundheitlichen Gründen abgesagten Termin lagen lediglich 37 feste Zusagen vor. Die restlichen Teilnehmer hatten zu diesem Zeitpunkt lediglich Interesse an der Veranstaltung bekundet. Jeder der schon einmal eine Veranstaltung organisiert hat, weiß dass a) diejenigen die den Konferenzraum zur Verfügung stellen (Hotel) die Teilnehmerzahl wissen möchten und b) dass man nicht einen Raum für 40 TN mieten kann, wenn dann evtl. doch 130 TN kommen. Eine Klärung dieser erheblichen Differenz in der "Interessensbekundung" und "fester Zusage", hätte einen sehr große Zeitaufwand gefordert, den die damit betraute Organisatorin eben aus akuten gesundheitlichen Gründen nicht mehr erbringen konnte. Eine Übergabe dieses Aufgabenfeldes an eine andere Person war aufgrund der Kurzfristigkeit nicht mehr zu realisieren. Dazu befragte Kollegen hatten selbst kein Zeitfenster dafür. Dies ist mein Stand der Kenntnis und ich möchte alle Kollegen, die noch offene Fragen haben, bitten sich bei den Organisatoren der Veranstltung zu erkundigen. Es wird mit Sicherheit großes Interesse bestehen, bei dem neuen Termin dabei zu sein. (sorry an die Red, das war jetzt bisschen lang, gell...)

von Claudia Mades, 29.08.11, 13:59
sorry ... hier "aber man kann in der ufregung ja" fehlt das A, welches ich hiermit nachreiche ;)

von Wolfgang Hoffmann, 29.08.11, 15:11
Falsch, die Anzahl von 130 zugesagten Teilnahmen wurde ständig verbreitet, nicht nur von den Fachzeitschriften auch in den öffentlichen Beiträgen der Initiatoren. Ich verbreite weder "immer wieder falsch", noch ist mir ein Unterschied zwischen "Interesse bekundet" noch "offiziell angemeldet" bekannt gewesen. Auch hatte ich auf die angekündigte Bekanntgabe gewartet, wo das Treffen denn jetzt eigentlich und um wieviel Uhr stattfindet. Wann ist denn der Ersatztermin angesetzt? Ich finde, das sollte schnellstmöglich bekannt gegeben werden.

von Timo Iserlohe, 29.08.11, 15:21
Wolfgang, Du verbreitest JETZT aktuell und weiterhin vorsätzlich und wieder besseren Wissens die falschen Zahlen! Spätestens seit der Absage sind Dir die korrekte Zahlen bekannt! Einen neuen Termin werden wir in Rücksprache mit den zur ersten Veranstaltung angemeldeten und interessierten Kollegen bekannt geben, sobald die Entscheidung dazu getroffen wurde.

von Frank Dost, 29.08.11, 17:32
Dirk, mit dem Kommentar auf den Punkt gebracht, gerade durch die Aussagen in den beiden letzten Absätzen.

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