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Syrien und der Tourismus

Auch wenn Syrien kein Reiseland ist: Der drohende US-Militärschlag gegen das Assad-Regime beschäftigt die Touristiker mehr als es ihnen lieb ist.

von Klaus Hildebrandt, 29.08.2013, 09:52 Uhr

Noch hat US-Präsident Barack Obama nicht über einen Raketenangriff wegen des abscheulichen Giftgas-Einsatzes entschieden. Aber allein die hohe Wahrscheinlichkeit wirkt sich auch auf die Reisebranche aus: Der steigende Ölpreis und Befürchtungen, dass sich die Lage in der gesamten Nahost-Region inklusive Israel und Jordanien durch ein Eingreifen einer Allianz vor allem aus den USA, Großbritannien, Frankreich und der Türkei zuspitzen könnte, haben die Aktien von Touristikkonzernen und Airlines schon mal auf Talfahrt geschickt.

Kaum entspannt sich die Lage in Ägypten und hoffen die Veranstalter, dass das Auswärtige Amt bald nicht mehr vom Roten Meer abrät, wendet sich der Blick nach Syrien. Schließlich ist das Bürgerkriegsland Nachbar der Tourismushochburg Türkei, die derzeit zudem am meisten von Umbuchungen von Ägypten-Urlaubern profitiert. Sollte die syrische Regierung ihre Drohung wahrmachen und im Falle eines Militärschlags des Westens Vergeltung üben, könnte dies die gesamte Region destabilisieren.

Grund zur Panik besteht meiner Meinung nach aber trotzdem nicht. Auch wenn Syrien an die Türkei grenzt (und dort auch deutsche Soldaten stationiert sind), ich glaube, vielen Deutschen ist sehr wohl bewusst, dass die türkische Riviera eine eigene Welt ist (und Antalya über 1000 Kilometer von Damaskus entfernt liegt).

So entwickelt sich der Tourismus nach Tunesien in diesem Jahr stabil, trotz der Probleme in Ägypten (und den Demonstrationen in Tunis nach der Ermordung von Oppositionspolitikern). Auch in Ägypten können zumindest Stammgäste zwischen dem Roten Meer, wo es die ganze Zeit ruhig blieb, und dem 500 Kilometer entfernten Kairo unterscheiden. In den letzten Tagen, in denen das Land am Nil nicht mehr so im Blickpunkt steht, sind bei den Veranstaltern auch wieder Neubuchungen eingegangen – wenn auch auf einem sehr niedrigen Niveau.

Hoffen wir also, dass Syrien nicht auch für den Tourismus zu einem Pulverfass wird. Oder ist meine Einschätzung zu blauäugig?

Kommentare

von Dieter K.Eichmann, 29.08.13, 10:40
" Auch wenn Syrien kein Reiseland...." Das möchte ich so nicht stehen lassen.Ich war vor ca. 4 Jahren in Syrien und empfand es als eines der spannendsten Reiseländer in der Region . Wir haben mehrfach Gruppe in Syrien gehabt, und unsere Kunden waren begeistert von der Kultur und den Menschen. Sehr,sehr schade was dort passiert.

von Dietmar, 29.08.13, 16:29
Insbesondere die Gegend um Aleppo war bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges bei Rundreisen ein beliebtes Reiseziel aus der Türkei.

von Roland Delion, 29.08.13, 16:55
Die Situation in Ägypten können wir Deutschen "nur" durch unsere Reisezielwahl beeinflussen. Bei der Planung eines Angriffes auf Syrien können wir immerhin die "befreundeten" Partnerländer beeinflussen. Zumindest von unserer Branche sollte ein klares Signal für Frieden ausgehen. Mit Beschwichtigungen, dass es schon nicht so schlimm werden wird, ist es nicht getan. Das diejenigen, die den Angriff planen, beschwichtigen, verstehe ich eher als Verkaufsargument.

von Insa Witte, 30.08.13, 10:22
Leider wird der Nahe Osten oft aus Unwissenheit über einen Kamm geschert, wenn also in Syrien etwas Schlimmes passiert, dann leiden darunter alle umliegenden Länder. Jordanien zum Beispiel ist seit Jahren ruhig, hat jetzt viele Flüchtlinge aufgenommen, wird aber leider oft zur Krisenregion dazugezählt. Das schadet Image und Tourismus. Israel ist (komischerweise) von dieser Verallgemeinerung ausgenommen.

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