Veranstalter

Der Wanderzirkus der Veranstalter

Die Sommerkataloge kommen – und die Veranstalter laden Journalisten und Reisebüros zu ihren Programmvorstellungen ein. Macht das noch Sinn?

von Klaus Hildebrandt, 17.10.2012, 08:57 Uhr

Alltours machte auf Mallorca den Auftakt, Thomas Cook folgt in Kroatien, die TUI in Dubai, die Rewe Pauschaltouristik in Salzburg, die Rewe Bausteintouristik in Italien, FTI in München, Schauinsland in Duisburg, Öger Tours in der Türkei – das sind nur einige der Termine der fvw-Redaktion in den nächsten Wochen. Die Veranstalter stellen mit viel Tam-Tam ihre neuen Programme vor. Auch für die Reisebüros sind große Events geplant, die Rewe Touristik etwa lädt nach Salzburg zur Reisemesse, Thomas Cook stellt in Berlin nicht nur die Neuheiten für den Sommer 2013 vor, sondern feiert mit den Expedienten auch 50 Jahre Neckermann Reisen.

Macht das alles im heutigen Internet-Zeitalter noch Sinn? Im Magazin "Columbus" der Vereinigung deutscher Reisejournalisten stellt der erfahrene Reisejournalist Horst Zimmermann den "Wanderzirkus", wie er es nennt, zumindest aus Journalistensicht in Frage. Ein fast immer gleiches "Corps von Reisejournalisten" werde zweimal im Jahr in eine andere Destination geflogen, obwohl die Neuigkeiten meistens schon vorher bekannt seien und die Zeit für Recherchen im Zielgebiet viel zu kurz sei.

In einem hat Zimmermann Recht: Die Big News sind wirklich nicht zu erwarten. Die börsennotierten Unternehmen dürfen eh keine neuen Zahlen nennen, viele Neuheiten – etwa die Budget-Feienhotels Smartline von Neckermann oder die neuen Häuser der TUI-Hotelmarken – sind schon zumindest in Grundzügen bekannt, die Programme in den Systemen größtenteils buchbar und die Kataloge werden schon nach und nach ausgeliefert.

Trotzdem machen die Veranstaltungen aus meiner Sicht Sinn: Gerade wir als Fachmagazin profitieren von den vertraulichen Gesprächen am Rande, aus denen sich Ideen für neue Geschichten ergeben und wir Hintergrundwissen erhalten, dass wir für einordnende und analysierende Berichte in unserem Magazin benötigen. Und auch die Reiseverkäufer erleben auf den Programmvorstellungen eine Marke und zum Beispiel neue Hotelkonzepte ganz anders, als wenn einfach ein Packen Kataloge mit einem Begleitheft über die Neuheiten ins Reisebüro geschickt wird.

Da sich das Berufsbild des Reisejournalisten stark wandelt, nimmt die TUI Deutschland dieses Jahr übrigens erstmals auch Blogger mit zur Pressekonferenz. Im E-Blog der fvw gab es da neulich gerade eine spannende Debatte, wie unabhängig eigentlich Blogger sind. Davon mal abgesehen, kann ich für meine Person ganz entspannt sein: Ich bin Journalist und Blogger. Also dann mal die Pferde vor die Zirkuswagen gespannt für die nächste Programm-Tournee!

Kommentare

von Knud Hanssen, 17.10.12, 10:40
Ich hab lange überlegt, ob ich den Link zu diesem Artikel anklicke. Die letzten Blogbeiträge waren häufig werblicher Natur. Eine Freude ist der heutige Artikel. Danke schon.

von Bernd Brümmer, 17.10.12, 11:22
Panem et Circenses - auch bzw. gerade im Zeitalter von Internet und Videokonferenzen. Warum nicht ?

von Andreas Schulte, 17.10.12, 13:36
Neben Bauch-Marketing hatten solche Veranstaltung durchaus auch einen Informationswert. Der geht heute zu Gunsten von Selbstbeweihräucherungsszenarien bei den meisten Veranstaltungen eher gegen Null.

von Lisa, 22.10.12, 23:08
Ich finde schon, dass solche Veranstaltungen Sinn machen. Gerade für Fachmagazine wie das Ihre sind solche Termine unabdingar. Wie im Artikel richtig benannt, machen gerade der persönliche Kontakt und die Gespräche am Rande der Vorstellungen den Reiz dieser Veranstaltungen aus. Gerade im Internetzeitalter gewinnen die Veranstaltungen meiner Meinung nach wieder an Bedeutung. Für Reisebüros ist es unglaublich wichtig, dass diese merken, dass sie nicht alleine sind, sondern einen realen Ansprechpartner haben. Im Netz ist alles sehr anonym und ein persönlicher Kontakt und Austausch ist nicht möglich. Vielen Dank für den guten Artikel, der meine Ansicht wiederspiegelt. Viele Grüße Lisa Hübgers

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