Veranstalter

Der P-Tag der Branche

Heute ist der Tag der Personalentscheidungen. Und ausnahmsweise geht es mal nicht um TUI und Thomas Cook, sondern um Rewe und Alltours.

von Klaus Hildebrandt, 16.11.2010, 14:00 Uhr

Sören Hartmann und seine beiden Geschäftsführungskollegen Ralph Schiller und Klaus Franke haben heute die neue Organisation der Rewe Pauschaltouristik vorgestellt. In den vergangenen Wochen hat es bereits viele Gerüchte gegeben. Nun ist die Katze aus dem Sack. Auf den ersten Blick sieht das alles gar nicht so revolutionär aus. Aber die Details haben es schon in sich, etwa die separaten Bereiche Kapaziäts- und Revenue-Management, Flugreisen und Hoteleinkauf. Die Betonung der Steuerung und des Yield-Managements erinnert zwar an TUI und Thomas Cook – aber die beiden Veranstalter haben höhere Renditen als die Rewe Touristik, das kann also nicht alles falsch sein.

Und man muss Ex-TUI-Mann Sören Hartmann lassen, dass er schon eine eigenständige Weiterentwicklung des Veranstalters hingelegt hat und keine Blaupause vom Marktführer (der ja übrigens auch gerade auf der grünen Wiese in Hamburg an einem Veranstalter der Zukunft bastelt, mehr dazu in der nächsten fvw vom Freitag). Entscheidend für den Erfolg wird, wie Hartmann und seine Mannen (auf der ersten und zweiten Ebene gibt es mit der Personalchefin nur eine Frau) die neue Organisation mit Leben füllen – und ob die Mitarbeiter die neuen Rollen wirklich leben. Es gibt natürlich auch Verlierer der neuen Struktur: 63 Stellen fallen per Saldo weg (betroffen sind auch durch interne Umbesetzungen insgesamt rund 90 Mitarbeiter), der prominente und in Ägypten hoch geachtete Touristiker Sameh Shalaby wird wohl ausscheiden. Und Gewinner: Kevin Keogh, vom Travel Industy Club in diesem Jahr zum besten Vertriebsmanager gewählt, wird nach dem geplanten Ausscheiden von Theo van den Berg unterhalb von Schiller den gesamten Vertrieb der Rewe-Veranstalter in Frankfurt und Köln leiten.

Personalie Nummer zwei kommt ebenfalls von der Rewe: Ralph Osken hört beim DER auf und will sich ins Privatleben zurückziehen. Der Chef der Geschäftsreise-Sparte FCM Travel Solutions verlässt nach 31 (!) Jahren das DER, wo er einst als Pressesprecher begann. Er hat das Business-Travel-Geschäft des DER gut durch die tiefe Krise gebracht, nun kann er im Aufschwung die Früchte nicht mehr ernten. Es heißt, er gehe aus gesundheitlichen Gründen. Auf jeden Fall ist der Abgang von Osken, der einst Derpart von einem lockeren Verbund zu einem schlagkräftigen Franchise-System formte und dessen Aufsichtsrat bis jetzt vorstand, ein großer Verlust. Und das übrigens nicht nur für das Unternehmen, sondern auch für die Branche, denn Osken ist Vizepräsident des DRV.

Personalie Nummer drei heute ist Willi Verhuven. Der Alltours-Chef kündigt seinen Abschied aus dem operativen Geschäft an. Ein Beirat soll nun einen Kandidaten finden, der den Alltours-Gründer entlasten kann. Aber ob Verhuven wirklich loslassen kann? Er ist zwar ein Unternehmer, der sich auch mal eine Auszeit (bevorzugt auf seiner Lieblingsinsel Sylt) gönnt und nicht von morgens bis abends nur arbeiten muss. Er ist aber nun mal "Mister Alltours" und der Mann, der aus einem kleinen Reisebüro den viertgrößten deutschen Veranstalter und eine echte Pauschalreise-Marke entwickelte. Mal schauen, auf wen der Beirat ein Auge wirft.

Das war es heute mit den Hammer-Personalien. Oder habe ich noch etwas vergessen? Liebe Pressesprecher: Bitte Ihre neuen Personal-Meldungen erst morgen kommunizieren!

Kommentare

von Manfred, 16.11.10, 16:45
Umstrukturierung bei der REWE - mal etwas ganz Neues! Gab es die nicht erst vor kurzem unter Rembert Euling? Mit großen Vorschußlorbeeren gestartet riß dieser Versuch ein großes Loch in die Kasse, welches nun erneut durch die Einsparung von Lohnkosten gestopft werden soll. Eine Milchmädchenrechnung? Dies wird sich zeigen, den weniger Menschen heißt nicht selten auch weniger Qualität. Und oft auch weniger Bindung an den Vertrieb. Aber braucht man den noch, wo es doch "clevere" andere Wege gibt??

von Peter, 16.11.10, 22:14
"Vertrieb stärker mit Frankfurt koordiniert" ...!? (aus dem REWE Artikel)

von Konstantin Herber, 18.11.10, 15:25
Kevin Keogh ist ein guter Mann. Gemäß seiner Vertriebsmaxime " Aus einen verzagten Arsch kommt nur ein verzagter Furz!" wird er den gordische Rewe-Furzknoten schon lösen. Die Geschichte der Häuptlinge der Rewe und ihrer Vorgänger- organisationen füllt Annalen und nicht immer wurden da dicke Bretter gebohrt. Aber Kevin wird die hessische Cashcow nicht zu den drei kölschen Königen bringen, um sie zu schlachten, sondern er wird den Tanz ums golden Kalb heftig anheizen, ob das den Eminenzen am Rhein passt oder nicht! Oder? Konstantin

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