Veranstalter

Das Spiel mit der Marge

TUI und Thomas Cook versprechen ihren Kunden sinkende Preis und ihren Aktionären stabile Margen. Wie passt das zusammen?

von Dirk Rogl, 13.07.2009, 14:46 Uhr

Bloß kein Preisrutsch – zur Vorstellung ihrer Winterkataloge bemühen sich Deutschlands Top-Veranstalter nach Leibeskräften, zwei eigentlich konträre Aussagen in Einklang zu bringen. Zwar sinken die Preise bei Neckermann und TUI um fünf Prozent, doch die Marge soll stabil bleiben. Die Erklärung dafür ist eigentlich kein Zauberwerk. Man gebe günstigere Preise im Einkauf an die Kunden weiter, heißt es in Hannover und Oberursel. Keine Frage, dass die gebeutelten Hoteliers am Mittelmeer ihre Betten derzeit zum Schnäppchenpreis über die Veranstalter abgeben. Klar auch, dass die Ferienflieger den im Vergleich zum Vorjahr gesunkenen Fuel-Preis nun stärker als noch im Sommer in ihre Kalkulation einbeziehen. Unklar freilich ist, ob das allein reicht, um auch die Aktionäre von TUI Travel und Thomas Cook glücklich zu stimmen. Denn von den sinkenden Preisen der Leistungsträger profitiert halt auch die Konkurrenz. FTI-Chef Dietmar Gunz versprach jetzt schon einmal für den Winter Preissenkungen von 15 Prozent, Türkeispezialist GTI sogar von 20 Prozent. Auf das Wohlwollen von Analysten und Anlegern haben es die Mittelständler nicht abgesehen, eher schon auf die Sympathie der Verbraucher. In Hannover und Oberursel dürfte man derartige Versprechungen nun kritisch beobachten. Denn unter dem Strich funktioniert Marge eben trotzdem nur mit einem gewissen Volumen. TUI weist zurecht darauf hin, dass die reduzierten Kapazitäten im Ferienflug den Spielraum für Preiszugeständnisse enger gemacht haben. Ausgeschlossen freilich sind sie nicht. Und so untermauerte der "profitabelste Großveranstalter in Deutschland" (O-Ton von Thomas-Cook-Chef Peter Fankhauser) seine börsenrelevante Mitteilung von der wohl kalkulierten Preissenkung gleich mit einem dezent verpackten Goodie für die Volumenmarke Neckermann: Wer jetzt bucht, bekommt einen 100-Euro-Gutschein für eine zweite Reise im Winter. Für das Volumen ist das prima. Aber für die Marge?

Kommentare

von Wolfgang Hoffmann, 15.07.09, 11:24
Mir fällt da die Schlüsselszene ein im Roman "Alexis Sorbas", bei der die Seilbahn über die volle Länge zusammengebrochen ist und Alexis Sorbas dem somit mittellosen Freund aus England lachend fragt, ob er jemals in seinem Leben etwas so schön hat zusammenbrechen sehen.

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