Veranstalter

Club Med à la chinoise

Ein chinesischer Investor steigt groß bei Club Med ein. Helfer in der Not oder traurige Folge der Globalisierung?

von Klaus Hildebrandt, 28.05.2013, 12:23 Uhr

Honni soit qui mal y pense: Der chinesische Investor Fosun will zusammen mit der Versicherung Axa und dem Management Club Med übernehmen und das Unternehmen von der Pariser Börse entfernen. Wir haben uns ja schon dran gewöhnt, dass ein russischer Oligarch größter Aktionär der TUI ist, Air Berlin unter maßgeblichem Einfuss der Scheichs aus Abu Dhabi steht, Steigenberger einem Ägypter und Kempinki Thailändern gehört und Neckermann und Condor zu einem mehr als 170 Jahre alten britischen Veranstalter zählen.

Aber nun Club Med, Inbegriff des französischen Lebensstils, Erfinder des Club-Urlaubs und standesgemäß geführt vom Sohn eines bekannten französischen Präsidenten! Doch gerade Club-Chef Henry Giscard d‘Estaing tritt die Flucht nach vorn an. Das Konsumklima in Frankreich ist auf einem Tiefpunkt (darunter leiden auch TUI und Thomas Cook im Nachbarland), die Zahlen von Club Med mäßig. Mit Ferienanlagen in China will der CEO schon länger mehr wohlhabende asiatische Kunden gewinnen. Und, ganz Staatsmann, achtet er darauf, dass mit den Anteilen der französischen Versicherung Axa und des Managements die Mehrheit der Anteile in der Grande Nation verbleiben. So kann er das Unternehmen ohne den quartalsweisen Druck der Börse weiterentwickeln.

Voilà, also alles in allem vielleicht ein guter Deal. Und sind nationale Sentimentalitäten, welcher Investor aus welchem Land bei einem Unternehmen die Strippen zieht, in der globalisierten Tourismuswelt völlig fehl am Platze?

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