Vanity-URL

Sympathieverlust für den virtuellen Freund

Es ist schon erstaunlich, wie viel Sympathie man in einer Woche verspielen kann. Investoren von Facebook stöhnen über die fallenden Aktienkurse, Inhaber von Destinations-Fanpages über den drohenden Entzug ihrer Seitennamen. Eine alte Frage gewinnt an Relevanz: Kann man überhaupt mit Facebook Geld verdienen?

von Dirk Rogl, 25.05.2012, 15:48 Uhr

Wir wissen nicht, ob und wann die Facebook-Aktie jemals wieder ihren Ausgabe-Kurs erreicht. Viel relevanter aus touristischer Sicht ist ohnehin ein Beitrag der Social-Media-Agentur Tourismuszukunft, die Facebook-Pages mehrerer Destinationen betreut. Wie vermutlich viele andere Inhaber von Fanpages mit Städtenamen bekamen sie unerfreuliche Post von dem Netzwerk. Mit einer Frist von drei Wochen seien die Fanpages mit neuen Namen zu versehen. Ordinäre, generische Städte- und Destinationsnamen dürfen nicht mehr verwendet werden, weder für den Namen der Seite noch für die Domain, die so genannte Vanity-URL.

Was das bedeutet, hat im Frühjahr testweise die Stadt München zu spüren bekommen. Offenbar ohne Vorwarnung war die beliebte Fanpage der Bayern-Metropole von Facebook gelöscht worden. Mühsam erholt sich die Seite unter dem Namen Stadtportal.Muenchen. Immerhin 312.000 Fans aus aller Welt sind wieder dabei, doch das ist noch immer weitaus weniger als das frühere Millionen-Publikum, das durch die Löschung verloren ging.

Inhaber von entsprechenden Städte-Fanpages sind nun zum schnellen Handeln gezwungen. In Berlin, Köln, Hamburg & Co gilt es sich nun schnell Gedanken zu machen über einen neuen griffigen Seitennamen. Wer seine bisherige Facebook-Adresse in Kataloge oder auf Visitenkarten gedruckt hat, hat dabei Pech. Und für den Facebook-User selbst ist es sicher ein Unterschied, ob sie Fan einer großen Stadt sein möchten oder einer Seite die dann auf so zauberhafte Namen wie "Visit Berlin", "Entdecke Hamburg" oder vielleicht "My Cologne" heißen könnte.

Gut möglich, dass der ein oder andere sein Facebook-Engagement in diesem Zusammenhang noch einmal überdenkt. Vor voreiligem Frust sei allerdings gewarnt. Bislang macht Facebook keine Anstalten, die frisch eingesammelten Destinations-Fanpages für eigene vielleicht sogar kommerzielle Zwecke zu nutzen. Wer also schnell unter neuem Namen seine starke Präsenz sichert ist klar im Vorteil, zumal er – anders als die armen Münchner – seine bislang eingesammelten Fans behalten darf, so er denn die Umbenennung in einer Frist von drei Wochen einhält.

Immerhin einen kleinen Lichtblick gibt es für die Fanpage-Betreiber. Wie die Facebook-Insider von Allfacebook.de ermittelt haben, soll es künftig möglich sein, eine Fanpage in nationale Unterseiten zu gliedern. Fans aus Übersee könnten also ganz andere Inhalte angezeigt bekommen als deutsche User. Diese Funktion, die natürlich auch eine Darstellung in diversen Sprachen ermöglicht, macht gerade auch für touristische Web-Sites viel Sinn.

Bleibt noch die Frage, wie es mit der Facebook-Aktie weitergeht. Wer denkt, dass der Kursverlauf nur ein Problem für einst stolze Käufer dieses Wertpapiers ist, der irrt gewaltig. Wir haben bereits im Vorjahr darauf hingewiesen, dass am Börsenwert der Facebook-Aktie die Unternehmenswerte einer ganzen Generation von Internet-Start-Ups gemessen werden, die früher oder später das Gründerkapital ersetzen müssen. Mit einer weiteren Talfahrt der Facebook-Aktie ist der Touristik vermutlich ebenso wenig gedient wie mit der in den Fluren diverser Tourismuswerber aufkommende Idee, auf eine Facebook-Präsenz gleich in Gänze zu verzichten. So ist das halt im Jahr 2012, ohne Facebook geht es kaum mehr. Und das obwohl niemand sagen kann, ob und wie man mit dem sozialen Netzwerk tatsächlich einmal Geld verdienen kann.

Kommentare

von Jürgen Barthel, 25.05.12, 17:43
Seinerzeit ging auch nix ohne Yahoo. Oder Amadeus. Oder... Die Frage ist doch: Was kommt "nach Google". Oder "nach Facebook"?

von Andreas Schulte, 05.06.12, 13:51
nach google und facebook wird es wieder was NEUES geben, das dürfte sicher sein. Warum aber müssen "am Börsenwert der Facebook-Aktie die Unternehmenswerte einer ganzen Generation von Internet-Start-Ups gemessen werden " ? Und warum müssen die Start-Ups, früher oder später das Gründerkapital ersetzen ? Ein gutes Beispiel gegen diesen vermeintlichen Zwang hat doch die FVW-Mediengruppe geliefert. Wurde in der Familie Niedecken nicht das Gründerkapital sehr erfolgreich vermehrt, statt es durch fremdes Kapital zu ersetzen ? Ich finde, man sollte nicht jede Hype zu hoch stilisieren. Schon allein dieser Zockerbörsengang zeigt doch, wie schnell die Realität die Spieler wieder auf den Boden holt und aus der Sache ein gutes Stück Luft raus lässt.

von Michael Buller, 06.06.12, 14:49
Erstaunlich (oder auch nicht)....was letzte Woche noch gehypt wurde...wird heute schon in Grund und Boden geschrieben. Tatsache ist...nach jedem Hype kommt immer ein wenig Ernüchertung und wir treten in eine Phase des normalen Umgangs. Wichtig ist doch...Facebook...oder soziale Medien haben einiges verändert...sogar die Touristik (den Touristiker sind fleißige Facebooker). Kann man wirklich den Erfolg von Facebook anhand seines Börsengangs festmachen (dann müssen wir noch ein wenig warten...denn Googles Aktie sollte mit 100 USD rausgehen....sie ging mit 80 USD raus und ist heute 500USD wert). Aber Börse sagt überhaupt nichts aus ....denn hier gehts um Spekulation und Glaskugellesen (bei den Meisten). ...entscheidend wird sein wie Facebook sich weiterentwickelt. Aber auch das ist egal...denn die sozialen Medien werden sich weiter entwickeln und weiter Einfluss auf Verhalten von Personen und Unternehmen nehmen und da tut sich ein Strauß voller Möglichkeiten für alle auf! Gruß Buller

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