USA

Die Lehren der Ecotasa

Mallorca fiel mit der Ökosteuer auf den Bauch – warum sollte es den USA mit einer Einreisegebühr anders ergehen?

von Klaus Hildebrandt, 09.09.2009, 12:27 Uhr

Seit Jahren wird in den USA über die Tourismuswerbung diskutiert. Die Regierung Bush stand nach reiner marktwirtschaftlicher Lehre auf dem Standpunkt, dass die Reisebranche ihre Promotion gefälligst selbst bezahlen solle. An dieser Einstellung hat sich unter Obamas Ägide offensichtlich nicht viel geändert – zumal der neue Präsident von seinem Vorgänger leere Kassen übernahm.

Die seit langem diskutierte Idee, von jedem Besucher aus einem visumsfreien Land (darunter auch Deutschland) zehn Dollar zu kassieren (siehe News), schaffte es wegen des Protests der EU-Kommission sogar ins deutsche Fernsehen. Und spätestens seit die "Bild" vor einigen Jahren den spanischen König auf der Titelseite anflehte, doch die (von ihren absoluten Beträgen her ebenfalls nicht dramatische) Ökosteuer auf Mallorca zu stoppen, wissen wir, wie solche Berichte wirken.

Die Balearen haben lange gebraucht, um sich imagemäßig von dem Ecotasa-Desaster zu erholen. Und selbst wenn die geplanten zehn Dollar bei einem US-Trip nur Peanuts sind, würden sie die dank günstiger Wechselkurse und Obama-Effekt gerade wieder neu erwachte Liebe der Deutschen zu ihrem wichtigsten Fernreiseziel erheblich dämpfen.

Zwar will die Regierung die Mittel aus der Einreisegebühr aufstocken, so dass eine schöne Summe für die lange vermisste US-Reisewerbung zusammen käme. Aber trotzdem ist die Idee unter Touristikern umstritten. Denn noch ist unklar, inwieweit Veranstalter und Reisebüros einbezogen würden und in welche Länder die Marketinggelder fließen würden. Eine reine Online-Direktbucher-Kampagne, die dann auch noch stark auf neue Quellmärkte wie Indien oder China zielt – dafür würde kein deutscher Touristiker gerne bei der Einreise zahlen.

Aber noch ist ja nichts vom US-Kongress entschieden. Falls es doch zu einer Einreise-Gebühr kommt, müssen dann eben wieder die Kollegen von der "Bild" ran: "Mr. President, verschonen Sie Ihre deutschen Freunde von der Einreisegebühr!"

Kommentare

von Berthold, 09.09.09, 15:57
USA? Nein, danke! Die Schikanen, denen sich USA-Reisende zu unterwerfen haben, sind schon jetzt unerträglich: Vor Abreise muss das ESTA-Formular im Internet ausgefüllt werden, das aber beim Flughafen-Check-in niemanden interessiert (z. B. bei US-Airways), denn dort wird das gleiche Formular nochmals ausgehändigt (Frage: Warum? Antwort:as System funktioniert noch nicht!) Die Sicherheitsfrager/Innen vor dem Check-In haben einen Ton am Leib, der vermutlich dem von (US-)Gefängniswärtern abgekupfert ist, oder sie wurden vom ehemaligen Personal der vorwendlichen Panam-(selig)Berlin-Strecken rekrutiert. An Bord von US-Flugzeugen ist die Behandlung nicht viel besser, und wenn man Pech hat, gerät man bei der Ankunft auch noch an einen Passkontrolleur, der in jedem ankommenden Passagier einen potenziellen Terroristen vermutet. Nicht immer, aber leider viel zu oft genug, um eine Reise in die USA kräftig zu vergällen. Positive Erlebnisse gibt's erst, wenn man eingereist ist, und mit "Normalen" Amis zu tun hat. Und jetzt soll dafür auch noch Eintrittsgeld bezahlt werden? Die US-Behörden werden die Proteste kaum interessieren: Take it, or leave it, lautet deren Devise - das unterscheidet sie von Mallorca.

von Wolfgang Schneider, 09.09.09, 19:06
Warum sollen diejenigen, die ohnehin schon den Lockungen der USA erlegen sind und freiwillig (?) dorthin reisen nun auch noch die Promotion für diejenigen bezahlen, die sich bisher nicht zu einer USA Reise durchringen konnten? Wer profitiert denn vom USA Tourismus? Doch wohl in erster Linie die Tourismusindustrie der USA! Und der tragen gerade diese Reisenden bereits ihr Geld zu. Da soll man mal dort kassieren. Dieses Prinzip gilt doch sonst auch in den USA. Und eine Kreditkarte auf einem US Server hinterlegen, wo man nicht weiß, welche US Behörde sich dann auf die Suche nach den vergangenen Umsätzen mit dieser Karte macht. Aber sicher tritt die zuständige Behörde bis dahin noch dem Safe Harbor Abkommen mit der EU bei… Und sicherlich ist dort PCI DSS bereits umgesetzt, da können dann solche Daten auch nicht gehackt werden. ? Wenn diese Abgabe nicht vermeidbar ist, soll sie über die Fluggesellschaften oder anderweitig vor Ort erhoben werden. Im Übrigen sind derartige „Eintrittsgelder“ dem Prinzip von Reisefreiheit und Abbau von Grenzhemmnissen nicht förderlich und hier ja auch nicht einmal mit der Notwendigkeit des „Anti-Terror-Kampfes“ begründet. Schicken wir also mal die EU los; dass sollte doch eine Gemeinschaftsaufgabe sein. Und ansonsten sollten wir zukünftig 10 Euro für die Promotion der notleidenden europäische Reiseindustrie kassieren. Schließlich fließen die staatlichen Fördergelder für Tourismuswerbung in den europäischen Ländern auch schon lange nicht mehr üppig.

von Ekkehardt Kaifel, 09.09.09, 19:45
Was will man von den Amis denn sonst schon erwarten? Das Denken haben die doch leider schon längst eingestellt. Was kam denn in den Jahren schon alles von dort? in der Hauptsache nur Negatives: Commisson caps der Airlines, Finanzkrise, Afghanistan, Iran, keine Mitwirkung beim Klimaschutz .... und die "Europäer" nicken alles ab oder versuchen es auf ihren Märkten gleich zu tun und gieren nach den "Innovationen" der Amerikaner. Lasst die "Ideen" doch bei den Amerikanern, verlangt mindestens 50 Euro Eintritt für Europa und vorherige Regeistrierung per Postkarte (= sicher vor Hackern) Mal sehen was den Damen und Herrn dann dazu einfällt.

von TUI Austria, 10.09.09, 12:09
Aus der Historie gelernt? Nein! ..hat es alles schon mal gegeben, Stichwort 1000 Mark Sperre! http://de.wikipedia.org/wiki/Tausend-Mark-Sperre

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