USA

Comeback der Reisebüros

Die USA sind der Trendsetter im Online-Vertrieb. Sind die Internet-Reisebüros so austauschbar und grottig, dass die Kunden nun lieber wieder bei realen Menschen buchen?

von Klaus Hildebrandt, 29.08.2008, 08:43 Uhr

Das jedenfalls sagt eine

des Instituts E-Marketer, ein renommiertes Marktforscher für den Online-Markt. Allerdings prognostizieren die Experten trotzdem ein zweistelliges Umsatzwachstum für die nächsten Jahre. Wo das herkommen soll, ist nicht ganz klar. Da müssen die bisherigen Online-Kunden schon wesentlich mehr buchen. Trotzdem: Normalerweise jazzen Marktforscher wie etwa Phocuswright oder Ulysses die Online-Reisebuchung gerne hoch: Internet ist sexy, Bricks-and-Mortar-Reisebüros sind sterbenslangweilig. Da schlägt E-Marketer nun endlich mal neue Töne an. Doch ich frage mich: Ist das Comeback der Reisebüros wirklich Realität oder leider nur ein Wunschtraum?

Kommentare

von Salim Sahi, 29.08.08, 10:57
Solange die Internet Portale Ihre Technologie auf alt eingesessene GDS Systeme setzen, denke ich schon das der stationäre Vertrieb eine Realistische Chance hat. Denn oft finden Expedienten auf Grund Ihres Knowhow immer Mittel und Wege dem Kunden die passende Reise Kombination anzubieten. Die Weltweiten Internet Buchungssysteme stoßen beim Zugriff auf ein GDS auf Ihre Grenzen. Hier sind die Airlines, Hotelketten und Zielgebietsagenturen gefragt, die bis dato Ihren Content nur an GDS Systeme anbinden. Hinzu kommt die ganze Komplexität der IATA,BSP und last but not least eine Zentrale Organisation die unter der Bezeichnung ATPCO Tarife für GDS Systeme aufbereitet. Eine direkte Belieferung an neue Technology Anbieter würde zur Förderung von Innovationen extrem dienen. Das dies funktioniert, haben wir alle im Touristischen Bereich in Deutschland mitterlebt. Reiseveranstalter und lokale Airlines bedienen die Technology Firmen direkt und fördern damit nicht nur Innovationen sondern auch einen gesunden Wettbewerb. Global ist dieser Wettbewerb leider noch nicht zu erkennen, den die Internetportale sind weiterhin abhängig an bestehende Strukturen und Prozesse.

von barthel.eu, 29.08.08, 11:00
Wow. Diese Frage gerade von der FVW, die hier u.a. mit dem FVW Kongress Maßstäbe setzt?! Ich erinnere mich sehr deutlich, dass der Wandel von der "Internet ist Zukunft"-Denkweise zum "das Reisebüro hat seinen Wert" mir gerade im letzten Jahr sehr deutlich aus den Vorträgen in Erinnerung geblieben ist. War's TUI oder Thomas Cook, der bestätigte, dass die Internetbuchungen längst noch nicht den Umsatz der Reisebüros erreichen? Ich vertrete seit 1999 öffentlich (bspw. ITB-Kongress) die Ansicht, dass das Internet den Markt verändert, aber das Reisebüro nicht ersetzen kann. Der Vergleich zum Baumarkt sei mir da erneut gestattet und zum Großhandel. Wo sich durch einfachen Vergleich viel lernen lässt. Bisher bin ich der einsame Rufer im Wald, häufig selbst von Reisebürochefs belächelt. Es wäre schön, wenn sich mit solchen Studien ein neues Selbstverständnis bei den Reisebüros entwickeln würde. "Me too" funktioniert üblicherweise kaum. Wie viele große "Onlinebüros" gibt es? Wie viel Onlineumsatz kommt ins Reisebüro? Online als Ergänzung oder als Konkurrenz? Online wird wachsen, gerade im Bereich einfacher Buchungen. Aber noch wächst es häufig auf einer sehr niedrigen Stufe. » Es gab da mal einen Witz, wo ein Hippie ins Krankenhaus eingeliefert wird und ein junger Assistenzarzt im weissen Kittel auf der einen Seite und zwei Hippieärzten auf der anderen Seite den jungen Assistenzarzt anfleht: "Aber SIE operieren mich doch, oder?". "Tradition" ist nicht immer schlecht, wird aber gern schlecht geredet. Die Dresdner Bank wirbt mit "Die wissen wovon sie reden, die machen das den ganzen Tag". Und wenn _ich_ ein "Reiseproblem" habe gebe ich das - genau aus diesem Grund! - als Profi gern ins Reisebüro meines Vertrauens ab. Mehr _gern_ in persönlicher Diskussion (auch per "Internet" = e-Mail)... :-D

von Wolfgang Hoffmann, 29.08.08, 12:03
Ähnliche Gefälligkeitsstudien hat es von namhaften Marktforschungsinstituten gegeben, als die ersten Tamagotschis und Pager auf den Markt gekommen sind. Und? Gibt es die Heute noch? Ernsthaft: Das WorldWideWeb ist vor gerade mal zwei Jahrzehnten als weltweites Informationsmedium konzipiert worden. Dass es sich auch als mehr oder weniger passables Vertriebsinstrument nutzen lässt, das ist genauso eine Tatsache, wie dass man seine Mikrowelle als Hamsterkäfig nutzen kann. Nur, die meisten von uns haben diese Möglichkeit zu Gunsten besserer familiärer Beziehungen längst aufgegeben. Okay, noch ernsthafter: Dass alte Männer, die 75% ihres Lebens ohne PC und Handy recht wohl gefühlt haben, sich von nassforschen Youngstern in den Profitcentern unterer Etagen diesen Hirnriss haben aufschwatzen lassen, dass die Touristik ganz ohne Menschen auskommen kann, das dachte ich, das kann nur den Nullcheckern in Amiland passieren.

von Angelika, 29.08.08, 13:16
Wer blickt denn im Internet wirklich noch durch? Bei uns gibt es vor allem ältere Kunden, die sind über viele Seiten gesurft und wissen am Ende überhaupt nicht mehr was Sache ist. Die sind richtig dankbar, wenn man ihnen ein Hotel oder eine Zielgebiet empfiehlt, das man selber kennt. Aber jüngere Leute buchen ihre Flüge und Hotels doch oft online. Pauschalreisen sind aber was anderes.

von CaptainJarek, 29.08.08, 16:55
Na endlich mal ein Trend aus dem fernen Amerika, den ich voll und ganz begrüße! ... und ganz ehrlich, bei uns ist dieser Trend doch auch bereits seit 1 - 1,5 Jahren immer deutlicher zu spüren, oder?

von schlecker, 29.08.08, 18:38
wenn die airlines auf nur einen vertriebsweg setzen,auf das internet so werden die langfristig scheitern. diese unterschätzen den vertrieb durch reisebüros,die noch lange nicht den stammkunden verloren haben und der nichts von onlinebuchungen hält. Und nur 5% provision an das reisebüro dürfte den mehrumsatz rechtfertigen. demnächts wird es "reisebürofreudliche" airlines geben und die "geizigen" , die man nicht empfeheln wird. rund 80% der umsätze gehen auf empfehlung, da können die airlines werbung machen wie sie wollen. so bleiben die "geizigen" aussen vor. von schlecker

von beBlog, 31.08.08, 21:37
Ich meine, die Zuspitzung "Entweder (Internet) Oder (Reisebüro) ist so nicht mehr gültig. Pro und Kontra mischt sich in einer Weise, die in Zukunft eine völlig neue Agenturvermittlung mit sich bringt: Marketing und Neukundengewinnung über Internet - in Kombination mit der Beratung durch erfahrene Expedienten, die wirklich beraten und vor allem verkaufen können. Bei letzterem Punkt liegt das Internet noch meilenweit zurück, aber in manchen Reisebüros spüre ich davon genau so herzlich wenig. Viel zu viele Expis machen Dienst nach Vorschrift und haben die Herausforderung (und Vorzüge) des Internets nicht wirklich begriffen.

von Klaus, 24.09.08, 14:53
@beBlog: Da haut die aktuelle RoPo-Studie ("Research online, purchase offline") von Herrn Golly, die wir in der fvw und auf dem Kongress vorstellten, genau in dieselbe Kerbe und zeigt: Das Internet ist der Freund des Reisebüros - wenn man diesen Freund mit offenen Armen empfängt.

von barthel.eu, 26.09.08, 11:43
RoPo. Nicht nur der Freund des Reisebüros. Das gleiche gilt für Fluggesellschaften, Hotelketten, etc.. Das Internet (nicht nur web, sondern auch Mail, Blogs, News, IRC, Sykpe, etc, etc) wird Teil des Marketingmix. -- Interessant auch eine Studie zum durchschnittlichen Preis bei Internetverkäufen. Luxus verkauft sich fast ausschliesslich offline, da ist Internet nur "Informationsmedium". Als solches aber unersetzlich. -- Aktuelle Gerüchte aus USA besagen, dass Google Interesse an "Second Life" hat... Ein Schelm wer böses dabei denkt. Second Life + Google Earth? Schau ma'ma'...

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