Unister

Wild West im Online-Flugvertrieb

Auch im Mai 2014 ist es auf vielen Flug-Portalen kaum möglich, Fluege zum zuvor dargestellten Preis zu buchen. Nicht einmal Ordnungsgelder scheinen gegen diesen klaren Rechtsverstoß zu helfen. Was bleibt als letztes Mittel: die Vernunft, gegenseitige Abmahnungen unter den Portalen oder der geballte Kundenfrust? Hoffen wir auf Ersteres.

von Dirk Rogl, 24.04.2014, 14:23 Uhr

Fast vier Jahre ist es her, seit dass Landgericht Leipzig (AZ 5 O 2485/09) die Dinge gegen das Unister-Portal Fluege.de klar regelte: Flugpreise müssen inklusive aller unverweidbaren Kosten angezeigt werden. So sagt es auch die EU-Verordnung 1008. Und damit ist klar: Eine in den Geldbörsen der Verbraucher fast nie vorhandene "Fluege.de Mastercard Gold" reicht nicht als einzige kostenfreie Zahlungsoption. Wenn zusätzlichen Zahlungsgebühren fälllig werden, gehören sie eben auch in den zuvor dargestellten Endpreis.

Unister muss nun 5000 Euro Strafe zahlen, weil sich sein Portal Fluege.de noch immer nicht, übrigens bis zum heutigen Tage, an diese Praxis hält. Und die Leipziger sind nicht allein. Ein kleiner Test vom heutigen Tag ergab: Bei Opodo und ihrer Schwester Edreams führt allein die Nutzung der quasi unbekannte Prepaid-Karte Entropay zur aufschlagfreien Flugbuchung, bei Bravofly die Prepaid- und Debitkarten von Mastercard. Andernfalls werden teils deutliche Zuschläge fällig, und zwar erst, nachdem der Kunde seine sensiblen persönlichen Daten in die Buchungsmaske eingegeben hat.

Die Liste der schwarzen Schafe ließe sich deutlich verlängern. In fvw 2/14 (ab Seite 30) haben wir die führenden Flugportale auf versteckte Aufschläge überprüft, mit besorgniserregenden Ergebnissen. Passiert ist seit Februar offenbar nur wenig, trotz klarer Rechtslage, konstruktiven Signalen aus der Branche und nun erstmalig verkündeter Ordnungsgelder gegen Unister. Die vom Landgericht verhängten 5000 Euro dürften die Leipziger gut verschmerzen. Vermutlich dauert es weniger als einen Tag, um die Geldbuße durch die Einnahmen aus den nach wie vor fälligen Kreditkarten-Fees zu kompensieren.

So gesehen ist die Ankündigung des Verbands Internet Reisevertrieb (VIR) ein cleverer Ansatz. Der hatte im März bekannt gegeben, bei Bedarf künftig selbst Abmahnungen gegen die eigene Zunft auszusprechen. Cleveres Detail dabei: Als Betroffener darf der VIR nachträglich auch Gewinnabschöpfungsklagen einreichen. Für die schwarzen Schafe bleibt es also nicht bei einem moderaten Ordnungsgeld. Es geht dann um die komplette Marge aus der zweifelhaften Geschäftspraxis.

Doch die Methode hat auch Nachteile: Die Erhebung nachträglicher Entgelte ist für viele Portale als offenbar quasi einziges verbliebenes Mittel zur Steigerung der Rentabilität in Mode gekommen, seit die Airlines auf ihren eigenen Portalen auf die Erhebung von Service-Entgelten verzichten. Und das trotz klarer Gesetze. Und genau diese Wild-West-Manier ist das eigentliche Dilemma. Immerhin: Führende Online-Touristiker gehen inzwischen davon aus, dass der Markt das Problem von alleine regeln wird. Denn Kunden achten inzwischen zunehmend darauf, dass sie nicht nachträglich mit Aufschlägen belastet werden. Aber wann wird sich dieser Effekt bemerkmachbar machen? Und mit welchen Konsequenzen?

Es gibt durchaus eine Reihe von Flugportalen, die für sich in Anspruch nehmen, die Endpreise im Sinne des Kunden und des Wettbewerbsrecht stets korrekt darzustellen (siehe fvw 2/14). Neben renommierten Anbietern sind das häufig auch Neueinsteiger aus dem Ausland, die mit prall gefüllten Marketingbudgets um Marktanteile in Deutschland kämpfen. Braucht es zwingend Gewinnabschöpfungsklagen aus den eigenen Reihen oder gar die massive Abwanderung von Kunden, bis diese Praxis die Regel wird?

Kommentare

von Bernd Hellmuth, 24.04.14, 17:05
Aufschläge, Zuschläge, Einzelleistungen, Nachbelastungen, Zusatzkosten auf der einen Seite. Abschläge, Rabatte, Rückvergütungen, Preisnachlässe auf der anderen Seite. Kunden sind heute an die Praxis der "fragmentierten Preisgestaltung" gewöhnt! Ob es nun um einen Flug, ein Busfahrschein oder um Kuchen bei Bäcker geht. Das der Markt das in absehbarer Zeit selbst regelt glaube ich nicht. Dass die Anbieter sich bei 5000€ Strafe jemals an gesprochenes Recht halten werden auch nicht. Und dass der VIR mit scharfen Waffen gegen seine "eigenen Homies" schießt ist bis auf weiteres zu bezweifeln....

von Michael Buller, 29.04.14, 13:52
Es ist Zeit das damit endlich Schluss gemacht wird. Jeder zeigt auf den anderen....solle er doch anfangen es richtig zu machen....die Kunden bleiben dabei auf der Strecke und bekommen auf Dauer Buchungsfrust! Nachzuvollziehen ist es nicht das jemand seit mind. 2010 immer wieder wegen dem Ergebnis ....falsche Darstellung der Endpreise....vor Gericht steht und es bis heute immer noch nicht schafft es richtig zu machen (unwissenheit kann es ja wohl kaum noch sein!). Denen die sich an Gesetze halten ist es wohl kaum noch vermittelbar warum sie es tun sollen wenn es keine echten Konsequenzen gibt ( 5.000 EUR ist mehr als lächerlich). Man muss eigentlich denen Respekt zollen die es bis jetzt durchgehalten haben es richtig zu machen und damit weniger Einnahmen haben und weniger Werbebudget in kauf genommen haben und vermutlich sich ihre Marktposition dadurch verändert hat. Wenn man zulässt ....auch als Branche ....das einer damit durchkommt führt das eben zu Wettbwerbsveränderungen am Anfang....und später zu Chaos im Markt.....armer Kunde!

von Mario Vogelsteller, 18.08.14, 22:12
Ich buche nur daher nur noch direkt bei den Airlines. Da weiß man, was man hat und spart dabei vielleicht nicht immer Geld, aber auf jeden Fall viel Zeit und Nerven.

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