Unister

Unisters "Höhenflug" gestoppt?

Was ist los in Leipzig? Unister in der Krise? Warum geht es für die Internet-Shootingstars nicht mehr weiter nach oben?

von Arndt Aschenbeck, 17.02.2010, 16:45 Uhr

Ok, ich gestehe. Mit dem reißerischen Vorspann wollte ich nur die Klickzahlen für meinen Blogbeitrag nach oben bringen. Natürlich geht es nicht um die unternehmerischen Zahlen der Internet-Spezialisten. Vielmehr sorgt ein Disput von Unister mit der Stadt Leipzig für Schlagzeilen in der Messestadt. "Streit um drei Meter" titelte die Leipziger Volkszeitung am Wochenende und widmete dem Thema eine komplette Seite. Stein des Anstoßes ist der Neubau der Unister Firmenzentrale in der Leipziger Innenstadt, der nach Ansicht der Behörden zu hoch geplant ist.

Das neue Domizil des wachsenden Unternehmens soll an prominenter Stelle in direkter Nähe der Oper soll die neue Heimat entstehen. Ursprünglich wollte Unister den Altbau der früheren VEB Chemieanlagenbau, der dort stand, sanieren. Doch dann entschloss sich die Führungscrew um Thomas Wagner für einen Abriss und Neubau. Und das Unheil nahm seinen Lauf.

Denn die neue Unister-Heimat soll am höchsten Punkt 36,8 Meter hoch sein. Drei Meter zu viel für die prominente Innenstadtlage, sagt die Stadt Leipzig. Gespräche mit dem Oberbürgermeister und dem Baubürgermeister haben offenkundig nichts genutzt. Jetzt greift Thomas Wagner die Behörden in einem Interview frontal an und wirft ihr vor, massiv Arbeitsplätze in der Messestadt zu gefährden. „Die Stadt besteht darauf, dass wir eine Etage streichen, was 200 Arbeitsplätze bedeutet", sagt Wagner.

Insgesamt sollen in dem neuen Gebäude rund 1400 Mitarbeiter Platz haben. Derzeit hat das Internet-Unternehmen rund 700 Angestellte. Bisher habe sich die Mitarbeiterzahl jedes Jahr dreistellig erhöht. „Bei einer Bauzeit von 18 bis 20 Monaten ist eine Größe um 1400 durchaus realistisch", meint der 31-Jährige.

Umso weniger versteht der Unister Boss, dass ihm die Stadt, statt einen goldenen Teppich auszurollen, nur Steine in den Weg legt. „Andere Städte würden solche Firmen mit aller Kraft unterstützen, Leipzig nicht. Eine solche Führungsschwäche auf dieser Ebene habe ich bisher noch nicht erlebt", fährt Wagner schwere Geschütze auf.

Die Leipziger Stadtverwaltung versteht den Ärger nicht. „Wir müssen uns an die Rahmenbedingungen halten. Auch Unister wäre nicht geholfen, wenn wir eine Baugenehmigung erteilen würden, gegen die Anrainer erfolgreich klagen können", sagt Baubürgermeister Martin zur Nedden.

Wie der Streit ausgeht, steht in den Sternen. Beide Seiten scheinen auf ihrer Position beharren zu wollen. Und Thomas Wagner lässt keinen Zweifel daran, dass er bereit ist, bis zum Äußersten zu gehen. Und die größte Keule heraus zu holen, die ein Unternehmen in der heutigen Zeit hat: die Verlagerung von Arbeitsplätzen in andere Städte. „Es bestehen bereits Büros in Hamburg oder Düsseldorf. Weitere wie Dresden werden dieses Jahr folgen. Ich habe Oberbürgermeister Jung sehr klar kommuniziert, dass das Vorgehen der Stadt bereits jetzt circa 80 Stellen an andere Standorte verlagert hat", sagt der Unister-Chef.

Man darf gespannt sein, ob die Stadt angesichts solcher Muskelspiele doch noch grünes Licht gibt für den „Turmbau zu Leipzig".

Kommentare

von Dede, 22.02.10, 10:18
Scheinbar kann man mit der Stadt Leipzig nicht wie mit Google alle Schweinereien machen.

von evenseos, 02.03.10, 10:12
Hallo Unister, dann geht doch einfach in andere Städte. Rom, London, Paris, New York. If you can make it there, you can make it everywhere.

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