Unister

Axel Springer und Unister: Wer braucht da wen?

Hat der Medienkonzern Axel Springer Interesse an einem Einstieg bei Unister? Nach dem Verkauf des Springer-Printgeschäfts bekommt eine alte Spekulation neues Gewicht. Natürlich hat Springer Appetit auf schnell wachsende Internet-Portale. Aber kann das gut gehen?

von Dirk Rogl, 06.08.2013, 09:09 Uhr

Vor ziemlich genau einem Jahr startete die "Computer-Bild" eine folgenschwere Recherche-Serie gegen Unister. Die Berichte über das so genannte "Abzock-Imperium" trafen den Portal-Betreiber schwer. Vermutlich haben ihn auch die Staatsanwälte in Dresden gelesen. Die Ermittlungen gegen Unister, die nach wie vor ohne Anklage geblieben sind, dürften hier ihren Ursprung gefunden haben. Nun könnten die einst frostigen Beziehungen zwischen Unister und dem Medienkonzern Axel Springer vor dem Wendepunkt stehen. Die Bild-Mutter prüfe einen Einstieg bei Unister, berichten heute mehrere Portale übereinstimmend. Und das ist durchaus realistisch.

Nach recht validen fvw-Informationen steht der Axel-Springer-Konzern sogar bereits seit Frühjahr in losem Kontakt mit dem Leipziger Portal-Betreiber über neue Formen der Zusammenarbeit. Das ist auch nicht weiter verwunderlich. Schließlich hat Unister-Gründer Thomas Wagner zumindest Teile seines Online-Imperiums mehr oder weniger öffentlich ins Schaufenster gestellt. Bereits im Vorjahr gab er die Mehrheit an dem börsennotierten Reise-Portal Travel24.com an branchenfremde Investoren ab. Im Winter folgte der Teilverkauf aus dem Metasearcher Preisvergleich.de an bislang unbekannte Gesellschafter.

Preisvergleich.de ist übrigens einer der härtesten Mitbewerber von Idealo.de, der Preissuchmaschine des Axel-Springer-Konzerns. Die wiederum ist bestens etabliert im lukrativen Vergleich von Flugtarifen. Vermutlich ist sie sogar in Deutschland der stärkste Mitbewerber des Marktführers Swoodoo.de/Kayak.com. Ganz genau weiß man es nicht. Der Markt ist völlig intransparent. Fakt aber ist, dass Idealo-Gründer Martin Sinner schon immer einen Faible für touristische Portale hatte. Gemeinsam mit dem ehemaligen Sport-Bild-Chef Pit Gottschalk und anderen Springer-Managern tourte er seit geraumer Zeit durch die Online-Szene auf der Suche nach lukrativen Investments.

Durch den Verkauf von weiten Teilen des Print-Geschäfts dürfte die Einkaufstour des Springer-Konzerns an Fahrt gewinnen. Die Kriegskasse ist prall gefüllt. Schon heute ist Springer in der Online-Touristik durchaus eine Größe. Zum Portfolio gehören neben dem Idealo-Preisvergleich etwa eine Minderheitsbeteiligung an Airbnb (siehe aktuelle Titelgeschichte in fvw 15/13) oder das von Zanox-Tochter E-Professionell aufgebaute Reise-Portal My-Entdecker.de, das neuerdings ganz offiziell als "das Reise-Portal der Axel Springer AG" firmiert.

Was trotzdem fehlt, ist ein starkes gemeinsames Dach für die touristischen Aktivitäten. Es gibt Gerüchte, dass Springer genau darüber seit geraumer Zeit nachdenkt. Unister würde gut passen, weil die Leipziger ebenso wie Springer nicht ausschließlich auf Touristik fokussiert sind, wohl aber die nötige Branchenkompetenz mitbringen. Insofern wäre es geradezu fahrlässig, wenn sich Axel Springer nicht um einen Einstieg in Leipzig bemühen würde. Das wiederum muss nicht zwingend eine Komplett-Übernahme sein. Thomas Wagner scheint sehr wohl bereit, sein Online-Imperium zu filetieren um an frisches Kapital zu kommen.

Denkbar wären etwa der Verkauf einzelner Portale oder auch der Unister Travel GmbH, die nach wie vor einen Geschäftsführer sucht. Genauso gut denkbar ist, dass Springer und Unister kulturell einfach nicht zusammen passen. Diese Erkenntnis wiederum müsste aber nicht zwingend vor einem potenziellen Einstieg Springers bei Unister einsetzen. Aber auch das ist pure Spekulation, wie weite Teile dieses Blogs.

Kommentare

von Dietmar, 06.08.13, 12:34
Es ist klar, dass ein Konzern wie Axel Springer immer auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern ist. Da sich das Geschäftsgebaren von Unister seit den Computer-Bild-Artikeln nicht geändert hat, dürfte fraglich sein, ob sich Springer das antun will. Wenn, dann sicher nur mit einer komplett neuen Führungsriege, die ihr Geschäftsgebaren um 180 Grad ändert. Vielleicht hat Unister im Moment auch einfach nur wenig Geld in Kasse. Der Grossteil der geplatzen GTI-Internet-Buchungen dürfte über den Unister-Konzern gelaufen sein. Da könnte Unister leicht 5 Mio. Euro (uneinbringliche) Forderungen an den GTI-Insolvenzverwalter abschreiben müssen.

von Dietmar Rauter, 06.08.13, 13:32
Vielleicht wollte Springer mit der Computer Bild Aktion gegen Unister auch den Kaufpreis drücken . So viel Umsatz wie der von Unister sollte nicht zum Schnäppchen-Tarif zu haben sein. . Und nachdem viele Lokalzeitungen , die ja stark mit den lokalen Reiseunternehmen (z.B. Hamburger Abendblatt - Leserreisen) zusammen arbeiteten , verkauft wurden , passt ein so vielschichtetes Portalsystem sicher in die Online-Strategie von Bild & Co , ganz gleich mit welchen Methoden es gross geworden ist.Konkurrent Burda hat ja mit Holidaycheck auch schon zugeschlagen.

von Horst, 06.08.13, 13:39
In die Digitalstrategie würde es passen, und wenn die "schwarzen Schafe" plötzlich in der eigenen Herde zu hause sind fallen auch die kleinen Betrügereien nicht mehr so sehr ins Gewicht. Ob ich mir allerdings die Unister-Butze generell ins Portfolio kaufen sollte...ich weiß nicht. Redaktionell lässt es sich dann durchaus besser steuern... Ja, Burda hat außer holidaycheck auch nix mehr. Focus bringt ja nur noch verbreitete Reichweite = Flugzeug und Lesezirkel beim Arzt. Online machen die auf ecommerce, aber so richtig Kasse macht Burda/TFM nicht. Und ob eine Huffington Post hier in D. so funktioniert? Fraglich, sehr fraglich...

von Dominik | onmari.com, 16.08.13, 14:19
Habe den Blogpost gerade erst gesehen und ja parallel selbst darüber geschrieben. Da 85% der Umsätze der Tomorrow Focus AG aus E-Commerce (HolidayCheck, Elitepartner) und nur 15% aus Online-Werbung kommen ist eine Kombination aus Reichweite (Spriner) + E-Commerce (Unister) sicher nicht unattraktiv

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