Uber

Uber-haupt nicht uber-flüssig

Streikenden Taxi-Fahrern und jetzt auch blockierenden Behörden sei Dank: jetzt spricht auch ganz Europa von dem amerikanischen Transfer-Anbieter Uber. Der Protest wird wenig helfen. Was man von Uber lernen kann.

von Dirk Rogl, 24.07.2014, 13:52 Uhr

Kennen Sie Uber? Ober besser gefragt: Würden Sie Uber bereits kennen, hätten im Juni nicht die gegen den Transfer-Anbieter protestierenden Taxi-Fahrer in Berlin, London und Paris zumindest ansatzweise für Verkehrschos gesorgt? Und hätte nicht nach der jüngsten Kapitalerhöhung die Wirtschaftspresse nicht über die daraus resultierende Unternehmensbewertung berichtet. Aberwitzig anmutende 18,2 Mrd. US-Dollar ist Uber in den Augen der Finanzwelt zurzeit Wert.

Es darf angenommen werden, dass der Wert von Uber mit jedem Protest und jeder Schlagzeile steigt. Bei den jüngsten Taxi-Streiks schossen die Download-Zahlen der Smartphone-App massiv in die Höhe, gewiss nicht nur aus purer Neugier der Smartphone-User, sondern weil Uber für viele Reisende an diesen Tagen die einzige Alternative war. Und Dank der Verfügung der Hamburger Verkehrsbehörde, Teile von Uber zu verbieten, weiß der Kunde nun auch, dass Uber mehr ist als eine Taxi-Alternative, wie sie mit Limousinen-Services a la Sixt My Driver oder Blacklane längst am Markt sind.

Was nun in Hamburg verboten wird, sind private Mitfahrdienste. Die heißen bei dem Unternehmen Uber Pop. Und unabhängig von der nun abschließend zu klärenden Frage, ob sie gegen das deutsche Personenbeförderungsgesetz verstoßen, sie erfreuen sich weltweit rasant steigender Popularität. Aus Sicht von Uber entspricht das Angebot so ziemlich genau dem, was auch deutsche Mitfahrzentralen seit Jahrzehnten bieten, nämlich eine Plattform für private Mitfahrten. Der Charme an Uber liegt in der Kombination kommerzieller und privater Dienste in nur einer Anwendung. Und so lässt es sich wohl auch erklären, dass Investoren für Uber fast doppelt so viel Geld Zahlen würden, wie für den Privatzimmer-Vermittler Airbnb, dessen Unternehmenswert bei fast ebenso grandiosen zehn Milliarden US-Dollar liegt. Der hat nbislang offiziell noch keine breite Palette von Hotelzimmern im Portfolio, bislang wohlbemerkt.

Über Airbnb haben wir viel berichtet und diskutiert. In der Hotellerie setzt sich langsam aber sicher die Erkenntnis durch, dass sich die private Übernachtung als Alternative zum Hotel vielleicht bremsen aber eben nicht aufheben lässt. Die Sharing Economy ist auf dem Vormarsch. Erfolg hat, wer alle Arten eines Angebots im Portfolio hat, so wie Uber in seinem Segment. Uber ist nicht überflüssig. Der Kunde will diese Alternative im Mobilitätsmarkt.

Wie bei Airbnb wird es im kommerziellen Reisevertrieb darum gehen, dieses Angebot sinnvoll in sein Portfolio zu integrieren. Die Nase vorn hat wieder einmal Google. Die treiben gerade die Integration von Uber in ihre Mobilitätsplaner voran. Und so ganz nebenbei gehört der Investment-Arm Google Ventures auch zu den prominenten Investoren von Uber. Wohlbemerkt: Solche Investments haben laut Google keinerlei Auswirkung auf das operative Kerngeschäft der Suchmaschine. Offiziell zumindest nicht. Die laufende globale Integration der Uber-Buchungsfunktion in Google Maps ist für Uber aber viel mehr wert als ein vorläufiger Bescheid der Hamburger Verkehrsbehörde.

Kommentare

von Klaus Laepple, 28.07.14, 23:40
Die Wahrheit ist bekanntermaßen häufig unangenehm,aber dies ändert nicht,dass die Wahrheit die Wahrheit bleibt. Auch der Versuch,sie zu ignorieren,ändert daran nichts.Und wenn es noch so bitter sein mag,es ist auch gut so.Wie sähe denn erst eine Alternative aus? Wunschdenken sollte nicht bestimmend für unser Handeln sein.

von Karsten Lüchow, 18.11.14, 23:22
Ich freue mich, dass Unternehmen, die gegen geltende Gesetze in Deutschland verstoßen bzw. andere auffordern, dies zu tun, in der fvw nicht mehr hochgejubelt werden. Dazu passt dieser Artikel aus der sueddeutschen.de vom 18. November 2014: PR-Desaster bei Start-up Uber muss sich entschuldigen Der umstrittene Fahrdienst-Vermittler Uber wird nun auch von US-Medien unter Druck gesetzt. Auslöser sind Äußerungen eines ranghohen Uber-Managers, der über Pläne spekuliert hatte, das Privatleben von Journalisten auszuforschen, um sie unter Druck zu setzen. Am Dienstag entschuldigte sich Emil Michael, der bei Uber für das operative Geschäft zuständig ist, für seine Äußerungen: "Weder ich, noch mein Unternehmen würden jemals zu einem solchen Vorgehen greifen", versicherte er über den Kurznachrichtendienst Twitter. Der Sturm der Empörung war da jedoch bereits in vollem Gange. Diverse Journalisten kündigten an, ihre Uber-Konten zu löschen. Für den Fahrdienst ist ein gutes Verhältnis zu US-Medien, die über die Internet-Branche berichten, aber besonders wichtig. Das Unternehmen steckt weltweit im Grabenkampf mit dem Taxi-Gewerbe. Schnüffler gegen Journalisten Michaels Äußerungen bei einer Veranstaltung in New York waren bekannt geworden, weil dort ein Redakteur der US-Website Buzzfeed anwesend war. Es war vorgesehen, dass von dem Treffen keine Zitate verbreitet werden sollten - dem Journalisten hatte dies allerdings niemand gesagt. So wurde veröffentlicht, dass Michael über einen Plan sprach, für eine Million Dollar vier Spezialisten für die Ausforschung von Gegnern sowie vier Journalisten anzuheuern. Diese könnten kritische Reporter und ihre Familien durchleuchten und unangenehme Fakten aus deren Privatleben zutage fördern. Namentlich erwähnte er die amerikanische Blog-Gründerin Sarah Lacy, die Uber mehrfach scharf kritisiert hatte. Der Fehltritt Michaels erscheint besonders peinlich, da die Firma erst im Sommer David Plouffe, den früheren Wahlkampfmanager von US-Präsident Barack Obama, als politischen Berater engagiert hatte.

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