Twitter

Unter uns Freunden, Fans und Followern

Echte Freundschaft ist unbezahlbar. Was aber bringen die Follower und Friends in Twitter & Co? Und in welche Freundschaft sollte investiert werden?

von Dirk Rogl, 17.03.2010, 11:08 Uhr

Es erfreut uns, dass @fvwde, der Twitter-Kanal der fvw, einer der erfolgreichsten Auftritte einer deutschen Fachzeitschrift in diesem Netzwerk ist. 2145 potenzielle Leser haben unsere Kurznachrichten bislang abonniert. Noch schöner: wenn wir es wollten, könnten wir diese Zahl vermutlich binnen weniger Wochen vervielfachen. Denn der qualitative Faktor in Twitter ist gering und das Potenzial für unqualifizierte Neuleser riesig.

Für viele Twitterer gilt ein simples Tauschgeschäft: Folgst Du mir, folge ich Dir. @fvwde folgt aber aktiv nur in Ausnahmefällen, und zwar jenen relevanten Twitterern, die beim Ausbau der eigenen Follower-List ähnlich passiv sind wie wir oder jenen, die sich versehentlich auf unserem Platzhalter @fvw_de verloren haben und den Fehler noch nicht bemerkt haben. Dumm für die Anbieter von Gewinnspielen, sündhafter Unterhaltung und zweifelhafter Beratungsdienste: "@fvwde" folgt diesen Twitterern nicht zurück, auch wenn sie uns abonniert haben. Gemeinhin verschwinden diese Kandidaten so schnell wie sie gekommen sind. Und das passiert täglich mehrfach – keine Schande. Wir wollen im Web 2.0 nur für potenzielle Leser da sein, und das sind solche, die in Ihrem Twitter-Auftritt nach flüchtiger Prüfung ein Interesse an der Branche erkennen lassen.

Noch komplizierter wird die Sache mit dem Wert eines Kontaktes in Facebook. Hier ist die fvw nicht vertreten. Für den Dialog bieten wir unsere Blogs, das Telefon, Twitter und wann immer möglich das persönliche Gespräch. Das sollte vorerst reichen. Social-Media-Experten streiten sich gerade darüber, was ein Kontakt in Facebook & Co wert ist. Manche vergleichen das mit einem Lead im Online Marketing. Darunter verstehen Marketer die Vermittlung eines Kunden mit konkreter Kaufabsicht über das Web. Und dafür werden angeblich schon einmal bis zu dreistellige Beträge bezahlt.

Das wiederum gilt aber wohl primär für margenstarke Märkte. Oder ist die Facebook-Fanpage von L´Tur, die unter den deutschen Reise-Veranstaltern nach eigenen Angaben aktuell den größten Freundeskreis hat, mit aktuell 2081 Fans mehr als 200.000 Euro wert? Aus meiner Sicht wohl kaum. Und wie steht es eigentlich um meinen halb-privaten Twitter-Account @rogl? Klammheimlich habe ich dort meine Refollow-Strategie vor einigen Monaten geändert. Nach anfänglich nur sehr selektivem Rückverfolgen wird nun ähnlich zu @fvwde jeder "refollowed", der mir irgendwann eine touristisch relevante Nachricht liefern könnte. Diese Selektion klappt übrigens nicht immer, unter dem Strich aber doch erstaunlich gut. Ergebnis: Nein, 70.000 Euro wäre mir mein Twitter-Kanal mit seinen aktuell 693 Followern wohl nicht wert.

Und so unter uns: Nein, ich lese nicht alle Tweets jener knapp 400 Twitterer, denen ich folge. Still und leise habe ich mir in Twitter eine interne Favoriten-Liste mit relevanten Twitterern angelegt, für die es sich lohnt, regelmäßig ins Web2.0 zu schauen. Wer nervt, fliegt radikal von der Liste. Genau solche Filter relativieren den Wert eines Followers eindeutig. Gleiches gilt für Facebook. Ich muss mir längst nicht jede Werbebotschaft durchlesen, die über die Fan-Sites ausgestrahlt wird. Es dauert zwei Klicks, und der Absender verschwindet dauerhaft aus meinen Live-Meldungen. Und als neutral arbeitender Redakteur kann ich natürlich trotz häufiger Sympathie kein "Fan" eines touristischen Anbieters sein. Das widerspricht einfach dem journalistischen Selbstverständnis.

Nun aber interessiert mich Ihre Meinung. Was ist ein Follower in Twitter für Sie wert, und was ein Freund oder Fan in Facebook? Ich scanne in der Zeit mal meine handverlesenen Visitenkarten von den ITB-Rundgängen in mein Adressbuch ein. Hinter denen stecken persönliche Kontakte. Die sind absolut wertvoll.

Kommentare

von Karin, 17.03.10, 12:59
Ich gebe Dirk in allem Recht. Auch ich halte mich nicht an das follow-me, follow-you-Dogma. Allerdings sehe ich das mit dem Wert der persönlichen Kontakte bei MESSEN und der erhaltenen Visitenkarten total anders. Gerade diese Visitenkarten landen oft ungelesen und erst nach Jahren in meinem Papierkorb... Ich finde, dass gerade Messe- und Kongress-Small Talk an Flüchtigkeit nicht zu überbieten ist. Das bitte nicht mit Oberflächlichkeit zu verwechseln. Oft sind die Gespräche interessant und anregend. Und dennoch bleibt meist nichts. Das ist jedenfalls meine Erfahrung... Gruß aus Wien Karin

von Andreas Schuerrle, 17.03.10, 13:07
Es ist ein Unterschied, ob ich wahllose Inhalte in englischer Sprache versehen mit jeder Menge hoch populärer Hashtags versende, oder einfach nur, wie z.B. @fvwde, eigene Inhalte auf Deutsch via Twitter anbiete. Im ersten Fall erhalte ich natürlich auch jede Menge Follower in kurzer Zeit, darunter viele in Südkorea und den USA ansässige Twitbots und jede Menge Dauerspammer. Im letzteren Fall erhalte ich aber eine Liste von Followern aus meinem Sprachraum, die sehr gezielt meinen Content abonnieren. Wie viel ein Follower tatsächlich wert ist, leitet sich dann sicherlich von der Konversionsrate, dem Verhältnis der Klicks auf den geposteten Link zur Gesamtanzahl der Follower ab. Diese dürfte bei @fvw.de deutlich höher sein als bei @eCash und dergleichen... Die Konversionsrate je angebotenen Link lässt sich öffentlich einsehen (einfach das Wörtchen "info/" zw. "bit.ly/" und den darauf folgenden Code eingeben) und so sieht man, wie viele der 600+ Follower z.B. von @fvwde sich dann auch zum Artikel durchklicken.

von Uwe Frers, 17.03.10, 15:34
Hallo Dirk, ungeachtet Deiner berechtigten Frage nach dem Wert eines Followers / Fans möchte ich kurz das Zustandekommen dieser Diskussion erklären. Gestern früh habe ich über Twitter folgendes gepostet: "Uwe Frers RT @turi2: Facebook in den USA erstmals laut Hitwise mit mehr Visits als Google. http://arm.in/d3A . Durch eine Schnittstelle ging das automatisch auch auf mein Facebook-Profil. Daraus hat sich eine Fachdiskussion zwischen mehreren Insidern ergeben, die über 16 Beiträge ihre Meinung zum Thema abgegeben haben. Und Du hast als einer der Beteiligten in dieser Diskussion einen Teilbereich danach journalistisch aufbereitet und die Essenz an die Öffentlichkeit gebracht. Was will ich damit sagen? 1. Der Wert eines Fans / Followers kann nur nach dem Ziel des Absenders errechnet werden. Leadgetriebene Absender wie Airlines, Veranstalter, Hotels und teilweise Destinationen müssen messen und vergleichen, was eine Buchung über alternative Kanäle kostet und den Ressourceneinsatz für Facebook oder Twitter dem gegenüber stellen. Im Gegensatz dazu bist Du nicht leadgetrieben sondern lebst von Informationen, die Du Dank Socialnetworks mittlerweile eben teilweise über andere Kanäle erhältst. 2. Dieses Beispiel zeigt insofern, dass Socialnetworks heute immer mehr die Rolle von Informationsfiltern übernehmen, der Meinungsaustausch also zwischen Menschen erfolgt, die ähnliche Interessen verfolgen oder dem selben Thema zuträglich sind. Du umschreibst das sehr schön, kein Mensch liest 400 Follower, entsprechende Filterkriterien sind schnell gesetzt. Ich freu mich auf jeden Fall, dass diese Themen bei Dir und Deinen Kollegen eine kritische aber zugleich involvierte Plattform der Berichterstattung gefunden haben. Damit seid ihr im Vergleich zu anderen Kollegen aus dem klassischen Printbereich ganz weit vorne, siehe der FAZ-Artikel über Reisen via Internet vom vergangenen Donnerstag. Beste Grüße, Uwe

von Roland Fricke, 17.03.10, 16:23
Hallo Dirk, meiner Meinung nach bemisst sich der Wert eines Followers/Fans daran, was Du selbst von Ihnen herausziehst. Klar, das Sammeln von Kontakten fällt sicher unter die Jäger und Sammler Nummer. Je mehr Fans ich habe, desto wichtiger bin ich. Ob das stimmt, steht auf einem anderen Blatt. Viel wichtiger ist der Umstand, dass deine Gruppe Dir ungemein hilft, den Überblick in deinen Bereichen, Branchen oder Themen zu behalten. Wie Uwe schon geschrieben hat, erleichtert die "Fan-Gemeinde" erheblich den Rechercheaufwand nach aktuellen Themen in deinem Interessensumfeld. Und das Ganze zeitnah. Sobald etwas veröffentlich wurde, hat es bestimmt schon jemand gelesen und darüber berichtet. Sehr schnell hat man raus, welche in seiner Fangemeinde produktiv zur Informationsbeschaffung beitragen. Denen lohnt sich, etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Und was ist das Wert? Sehr viel! Informationsvorsprung, sage ich nur! Beste Grüße Roland

von Hans Peter, 17.03.10, 17:02
Das gab und gibt es doch auch alles schon seit Jahren - nur hieß es damals nicht "Social Networks" und Web 2.0 - sondern schlicht und einfach "Forum" - auch das sind Treffpunkte von Menschen, die sich für ein spezielles Thema interessieren und dort austauschen. Und die Foren haben (aus meiner Sicht) einen großen Vorteil: im Laufe der Jahre wir daraus ein Archiv - man kann suchen, alte Themen wieder nach vorne holen usw. Damals waren es keine "Follower", sondern einfach User, die sich an einem Forum angemeldet und mitgeschrieben haben. Ich finde, dass es heute nicht einfacher, sondern in vielen Punkten unübersichtlicher geworden ist.

von Thomas Thaler, 17.03.10, 17:46
Ich habe die Frage nach dem "Wert" eines Facebook-Fans bereits mit vielen meiner Branchenkollegen durchdiskutiert. Habe bisher weder eine mathematische Formel, noch einen adäquaten Wert gefunden. Dabei fängt die Fragestellung ja noch viel früher an: Was will ich eigentlich mit meiner Fanpage auf Facebook erreichen? 1) Habe sie, um cool zu sein. Schliesslich kann man in der heutigen Zeit nur mehr als sehr mutiges Unternehmen Facebook als den mit Abstand größten Konsumentenmarkt ignorieren 2) Ich möchte Umsatz generieren 3) Ich will meine bereits bestehenden Kunden bei Laune halten 4) Irgendwie gefällt mir das Thema, aber ich hab in Wahrheit keine Ahnung was ich damit machen soll. 5) Social Media ist mir total egal. Aber bevor einer dieser verfluchten Domaingrabber meine URL klaut, reserviert ich mit 1000Fans lieber selbst die Vanity-URL Abhängig von den angepeilten Zielen relativiert sich also der Wert sehr rasch. Ich geh also mal den rechnerisch deutlich einfacheren Weg: Was KOSTET ein Fan? Habe etliche Kampagnen in den letzten Monaten für verschiedenste Unternehmen geplant und aufgesetzt: Der Preis von "Ich-kauf-mir-einen-Fan" hat sich im Schnitt bei etwa 90c eingependelt. Die These mit dem "journalistischen Selbstverständnis" kann ich persönlich nicht nachvollziehen. Ich selbst bin Fan von den meisten meiner Mitbewerber. Ich hoffe wohl, auch Redakteure lesen nicht nur die eigene Zeitung, oder etwa doch?

von Dirk Rogl, 17.03.10, 17:58
@Thomas Thaler: Oh nein. Wir lesen hier so ziemlich alles, was Relevanz haben könnte. Und wie Sie sehen, zunehmend auch Social Media. Trotzdem: ein Journalist sollte meines Erachtens nicht "Fan" eines Unternehmens sein. Es sei denn, es gelingt ihm, über Fanpages das relevante Marktsegment annähernd komplett abzudecken. Aber "Fan" von Düsseldorf ohne auch Fan von Köln zu sein? Von Amadeus ohne Sabre und Travelport? Von TUI ohne Thomas Cook, Rewe, undundund? Von Österreich ohne Deutschland oder Italien? Nein, das geht (noch?) nicht und macht den Autor angreifbar – in meiner Zunft.

von Andreas Schuerrle, 18.03.10, 10:25
Es gibt auch Ansätze die den Wert eines Twitter (oder Facebook) - Accounts danach bemessen, wie aktiv und vernetzt dessen Follower wiederum sind. Also: Hab ich nur follower, die alle paar Wochen mal reinschauen und selbst nur 50-200 follower haben, kann ich auch 10.000 von solchen haben - mein Account bleibt recht wertlos, denn in Twitter geht es ja darum, eine Nachricht zu verbreiten, möglichst viele Menschen zu einer Aktion (meist einen Klick auf einen Link) zu bewegen. Den so bemessenen Wert eines Accounts kann man u.a. auf http://tweetvalue.com einmal einschätzen lassen.

von Benjamin Krauss, 18.03.10, 11:40
Hallo Dirk, Ich halte den Wert eines Fans/Followers in Facebook, Twitter und anderen Sozialen Portalen für nicht nessbar, denn jeder Fan ist anders - da kann es keine Pauschalisierung geben. Im Optimalfall sagt mir ein Mensch im Social Web ganz ungefiltert, welche Bedürfnisse er hat, was ich richtig gemacht habe, und was ich verbessern kann. In Geldscheinen lässt sich das nicht messen. Viele Grüße aus Berlin, Benjamin

von Jan Badur, 19.03.10, 15:39
Hallo Dirk, sehr schöner Beitrag. Wie in den vorangegangenen Kommentaren bereits deutlich wird, ist die Bewertung bzw. Messbarkeit in der Tat sehr schwierig. Ganz entscheidend ist dabei die Zielsetzung des Unternehmens und dessen Zielgruppen/Fachzeitung und dessen Leserschaft. Fakt ist: mit Social Media kann man kein Geld verdienen (richtig, es gibt Ausnahmen). Euer Blog ist ja auch kostenfrei, eine (zukünftig mögliche) Fanpage bei Facebook wäre das auch. Geld verdienen tut Ihr mit Abonnenten und Werbeanzeigen. Genauso ist es für den Veranstalter mit einem Katalog. Der Katalog an sich bringt kein Geld (im Gegenteil, dieser kosten sehr viel Geld), das angebotene Produkt generiert beim Verkauf den Umsatz. Überspitzt gefragt: was bringt mir der Katalog am Messestand, wenn der Kunde seine Reiseplanung, seine Kaufentscheidung und seine Buchung im Internet tätigt? Salopp geantwortet: ich gehe dorthin wo der Kunde ist. Und wenn die Verbraucher viel Zeit in Facebook verbringen, dort selbst entscheiden was sie sehen wollen, sich unzähligen Gruppen anschließen, Fans von zahllosen Seiten werden – dann sollte sich jedes Unternehmen fragen, wieso man immer noch (nur) am Messestand steht. Der Kunde entscheidet. Auch, ob er Fan von 1 oder 100 Seiten ist, ob er zum „Followen“ 5 oder 45 Minuten „investiert“. Daraus resultiert die Frage: muss ich den Wert des Fans in Zahlen messen? Facebook und Twitter können sehr gut für die Kommunikation mit den Kunden, für das Bewerben von neuen Produkten, für die Gewinnung neuer Kunden genutzt werden. Den ganz entscheidenden Vorteil gegenüber allen herkömmlichen Kanälen ist das „Teilen“ bzw. „Retweeten“ also die Vervielfältigung der Botschaft. Wenn ich in Facebook 100 Fans habe und von denen 1 meine Botschaft an 1000 Freunde weitersendet (und sich daraus neue Geschäfte/Kunden generieren) stelle ich fest: Die Vervielfältigung kostet mich nichts, diese Freunde meines Fans erreiche ich mit keinem anderen „Tool“ kostenlos. Und ich kann es nicht messen… Fazit: Messen kann ich die reellen Umsätze. Die Frage bleibt: muss ich den Wert des Fans in Zahlen messen? PS. Viele unserer Fans sind unsere Kunden, mit zahlreichen Kunden (nicht alles Fans) kommunizieren wir direkt über Facebook. Und wir haben dank Twitter neue Kontakte gewonnen, die zu Geschäften geführt haben. Aber allein mit Facebook und Twitter würden wir keine Geschäfte machen. ;)

von Bernd Schray betravel, 21.03.10, 21:50
Hallo zusammen, die Zahl der Follower muss man je nach Einsatz seines Twitter-Accounts unterschiedlich qualifizieren. Ich (wir) nutzen Twitter ua auch als Echtzeit-Instrument. Da ist die Zahl der Follower völlig egal.Da brauch ich keine Fangemeinde. Den Informationsvorsprung bekomme ich auch ohne. ps: Meine Lieblingstätigkeit nach der ITB war Pflege der Visitenkartenkontakte. Durchaus lustvoll. Ohne Murren und Widerwillen beim Abtippen. Mit vielen guten Erinnerungen verbunden. Weil konkrete Absichten, Gefühle, Jobs und Inhalte damit verbunden sind.

von Heiko Eckert / bigmouthmedia, 31.03.10, 12:40
Auf unserem (bigmouthmedias) letztem Retail Day in London sagte Hitwise "40% of retail site traffic comes from search engines, just over 4% comes from social networks" http://twitter.com/bigmouthmedia/status/11039523271 Nun weiss ich nicht wie das im Travelbereich aussieht, aber ich finde es erdet auch wieder ein wenig..

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