TUIFly

Einsam am Wiesn-Tisch

Manchmal ist Facebook im Marketing ein absolutes Muss. Und manchmal ist es ganz schön überflüssig. Zwei aktuelle Beispiele von Lufthansa und TUIfly.

von Dirk Rogl, 29.09.2010, 15:40 Uhr

Das sprengt jedes Wiesn-Zelt: 2321 Tische umfasst derzeit das virtuelle Lufthansa-Festzelt (Bild). Das hübsch animierte Kranich-Oktoberfest der auch im wahren Leben durchaus Wiesn-affinen Multimedia-Agentur Ray Sono ist eine der zurzeit wohl kultigsten Facebook-Anwendungen im Netz.

Für Lufthansa dürfte sich die Entwicklung bereits gelohnt haben. 2320 Tisch-Inhaber (ich selbst habe mir das Posting aufgrund journalistischer Neutralität erspart) machen aktuell auf ihren Facebook-Pinnwänden kostenfreie Werbung für Lufthansa. Wenn sie es schaffen, fünf Freunde an den eigenen Tisch zu laden, lockt ein 20-Euro-Gutschein für Lufthansa.com.

Ganz anders ist die Lage bei TUIfly.com. Das Vermarktungs-Portal von TUI Deutschland, das organisatorisch nicht mehr ganz viel mit dem gleichnamigen Ferienflieger zu tun hat, schickt am Wochenende drei Hobby-Blogger auf ausgedehnte Europa-Tournee. Auf dem eigenen TUIfly-Portal berichten die "Globeblogger" über ihre Erlebnisse.

Auch diese Aktion dürfte ein Erfolg sein. Knapp 200 reiselustige Bewerber haben sich für den Gratis-Urlaub beworben. Allein Sieger "Benjamin aus Hannover" versammelte 2287 Stimmen auf sich. Bald dürfen die persönlichen Fans seine Beiträge auf TUIfly.com lesen. Einziges Manko: Auf der Facebook-Fanpage der Globeblogger-Aktion herrscht Funkstille. Nur 44 Fans haben sich hier registriert. Kleinmütig verweist TUIfly dort auf das eigene Portal.

Woran liegt das? Eventuell nur daran, dass TUI via Facebook eben nicht mit 20-Euro-Gutscheinen für die Teilnahme lockt, sondern seine durchaus üppigen Gewinne zentral über das eigene Portal auslobt? Oder ist es womöglich so, dass elf Millionen Facebook-Nutzer in Deutschland zwar eine stolze Summe sind, sich mit Hilfe klassischer Werbung aber eben doch noch mehr Teilnehmer auf das eigene Unternehmensportal ziehen lassen?

PS: Ich habe alles technisch mögliche getan, damit mein virtueller Wiesn-Tisch frei bleibt. Sollte ich wider Erwarten doch in den Genuß eines 20-Euro-Gutscheins von Lufthansa kommen, so stifte ich ihn an ein stationäres Reisebüro meines Vertrauens, versprochen.

Kommentare

von kraven, 29.09.10, 16:24
Das ist für die, die sich mit der Materie nicht auskennen und jedem 20-Euro-Gutschein hinterherhecheln und sich freuen, mal wieder unter 600 Euro transatlantisch mit der ach so tollen Lufthansa *hust* zu fliegen. Mit bisschen Suche findet man locker 40-Euro-Gutscheine (bzw. deren Äquivalent in anderer Währung) und man muss sich nicht sinnlos an einen Biertisch setzen.

von La Palma Ferienhaus, 29.09.10, 16:27
Das Problem von Tuifly ist weniger das Nichtangebot eines 20-Euro-Gutscheins, es ist wohl viel mehr so, dass sie mit Facebook nicht umgehen können. Social Media liegt einem oder es liegt einem halt nicht. Die Parfümerie Douglas ködert auch nicht mit solchen Give-aways und sind dennoch stark besucht bei Facebook. Ein schönes Beispiel für "So sollte es auf keinen Fall gemacht werden" liefert auch ein namhafter Mineralwasser Hersteller. Die haben vor ein paar Monaten den Launch ihres FB Auftritts in die Hände von wenig Social Media talentierten Menschen gegeben und versucht sich "Fans" zu "erkaufen". Die ersten 100 Fans wurden mit einem Kasten Wasser belohnt. Das Ergebnis war so skurril, dass man nicht wusste, ob man sie bemitleiden oder auslachen sollte. Innerhalb kürzester Zeit haben sich 100 Leute gemeldet und haben dem Unternehmen auf die Pinnwand geschrieben, welche Wassersorte sie bevorzugen. "Still", "Medium", "Sprudel". Nach dem 100 Leute ihr Wasser bekommen haben, sind seither kaum noch Fans hinzugekommen. Aber was genau hat so ein Mineralwasser auch zu erzählen? Genau in diesem Dilemma scheint sich auch Tuifly zu befinden: was hat ein Flugzeug zu sagen? Lufthansa hingegen hat eine Agentur, die äußerst Online affin zu sein scheint. Egal ob es Facebook, Twittter oder das E-Mail-Marketing ist, mir macht ihre Werbung einfach Spaß. Ich jage gerne Elche oder suche Ostereier und ich freue mich auf jeden Newsletter. Tuifly hat den Draht in die Welt der Mit-Mach-Werbung noch nicht gefunden. Aber ich persönlich finde es auch gar nicht schlimm. Die klassische Werbung ist für manche Unternehmen einfach der bessere Weg. Vielleicht, wenn sie anfangen, in den klassischen Medien auf die Fanseiten in den neuen Medien zu verweisen, dann kommen die Besucher von ganz allein. Gruß, Sandra

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