TUI

Von Bunkern, Bonzen und Barbies

Wohin geht die Reise in 2013? In sozialistische Bunker, in Honeckers Jagdhütte, mit einer Barbie-Puppe in die Cruise-Kabine oder vielleicht nach Surpi-Iceland? Das klingt nicht nur skurril, das ist es auch. Und das ist gut so, auch für´s Geschäft.

von Dirk Rogl, 14.09.2012, 11:42 Uhr

Sollten wir in diesem Blog schon einmal dezent fehlende Kreativität im Bereich Produkt Management in der Touristik angemerkt haben, so bitten wir dies nach den Ereignissen dieser Woche getrost als gegenstandslos zu betrachten. Die Medien überschlagen sich in diesen Tagen geradezu mit Produktinnovationen, die so skurril klingen, dass von der Massentouristik gestärkte Pauschaltouristiker mit der Stirn runzeln dürfen. Es lohnt sich aber darüber nachzudenken.

TUI hat es bereits getan. Der Veranstalter vermarktet sein jüngstes Viverde-Hotel an der Mecklenburgischen Seenplatte offiziell etwas anders als in unserer Meldung auf fvw.de, aber just der Fakt, dass die Bungalow-Anlage am Drewitzer See auch das Jagdhaus von Ex-SED-Boss Erich Honecker umfasst, ist doch ein echter Hingucker. Hand auf´s Herz, liebes TUI-Konzepthotel-Team, ihr bietet großartige Natur, Kanus und Fahrräder inklusive. Aber dass Genosse Erich hier im Dienst des Sozialismus mit seinem Schießgewehr regenerierte ist doch einfach ein besonderes Schmankerl.

Wer es eine Spur härter mag, sollte sich von einem Reisebüro seines Vertrauens schon mal die Flugverbindungen in den albanischen Küstenort Tale ausarbeiten lassen. Der ist zugegebenermaßen bislang kein Massenziel. Und vermutlich wird auch das neueste Hostel-Projekt daran nichts ändern. Aber die Idee ist einfach großartig. Studenten bauen einen der – leider – sehr landestypischen Bunkeriglus des Landes zum Hostel um. Die Kapazität von maximal zehn Betten ist begrenzt, der Ausblick durch die Schießscharten ebenfalls. Doch das Potenzial ist riesig. Rund 750.000 derartige Betonbunker hat Ex-Diktator Enver Hodscha laut Spiegel Online im Land bauen lassen. Sie gelten als mindestens so unkaputtbar wie die Ferienanlagen in Prora und bieten ein mindestens ebenbürtiges Expansionspotenzial

Wer es etwas stilvoller mag, dem seien die neuen Barbie Experience Cruises von Royal Carribean empfohlen. Von Januar bis März rüstet die Reederei einen Teil ihrer Kabinen im Barbie-Stil aus, zielt damit auf die ganz junge und weibliche Zielgruppe. Stilvoll ist hier aus Sicht des Autors relativ, doch dass Barbie hilt, die Auslastung in der Nebensaison nach oben zu treiben, scheint gewiss.

Zuguterletzt sind da noch die Isländer. Die möchten ihrer Insel gern einen neuen Namen geben. Nicht wirklich, aber doch zumindest halb-offziell. Wer den kreativsten Namen für die Aktion "Island Inspired" beiträgt, wird mit einem ganz offiziellen Namenstag, einem Stück Land auf Island sowie - dem vielleicht dann doch wertvollsten Teil der Aktion - mit einer Reise nach Noch-Island belohnt. Nach vorsichtiger Sichtung der bisher eingegangen Vorschläge meine Zwischenbilanz: Liebe Isländer, das ist eine tolle Aktion. Aber bitte, bitte, bleibt bei Eurem ursprünglichen Namen.

Was halten Sie von diesen Vorschlägen? Sind sie nur verrückt oder haben sie auch monetäres Potenzial? Zumindest schaffen sie viel Aufmerksamkeit. Und das ist doch schon die halbe Miete, oder?

Kommentare

von Hubert W., 14.09.12, 13:34
Der letzte touristische Massenerfolg beim Reiseweltmeister Deutschland waren und sind sicher die von AIDA inspirierte neue Stil der Kreuzfahrten, die bis zu dieser genialen Idee mehr oder weniger stagnierend vor sich hindümpelten. Solange nun Mond und Mars für den Tourismus noch nicht erreichbar sind, wird man sich wohl mit kleineren Gags im Gespräch halten müssen, und da sind die hier vorgestellten doch mindestens dazu geeignet, den einen oder anderen kostenlosen Zeitungs- oder Magazin-Artikel-Schreiber zu inspirieren. Solange das gelingt, ist doch (fast) jedes Mittel recht.

von Skeptiker, 17.09.12, 13:07
Muss man denn da nicht ein wenig unterscheiden? a) Unverändertes Produkt, aber neu beworben (Beispiel Island) b) Verändertes Produkt, darauf abhebende Vermarktung (Barbie-Kreuzfahrt) c) Basierend auf beidem: Vorhandene Ideen und Produkte zu einer großen Sache machen (Huberts Beispiel AIDA, aber die X-Produktion ist auch sowas) Die unterhaltsamsten Ergebnisse dürfte Methode a zeitigen, reich wird man wahrscheinlicher mit Geschäftssinn statt (eigener) Kreativität (also c). Denn wirkliches Neu-Land ist heutzutage schwer zu finden. Der erdnahe Weltraum noch, das fängt ja gerade an, Mond und Mars müssen in der Tag warten. Ansonsten dürften die MICE- und Abenteueranbieter mit die Kreativsten in der Branche sein, weil sie viele Kunden haben, die eben nicht auf Wiederholung stehen. Deren Kataloge/Webseiten sind bisweilen richtige Ideenwettbewerbe. Aus der Ecke kommt dann vielleicht auch "the next big thing".

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