TUI

TUI: Gibt es guten Klüngel?

Der Tag danach: Die Zeitungen sind voll mit den Berichten von der spannenden Hauptversammlung der TUI. "Ende des Klüngels", kommentiert die "Süddeutsche Zeitung". Natürlich ist TUI-Chef Michael Frenzel ein großer Klüngler. Aber ist das eigentlich schlecht?

von Klaus Hildebrandt, 08.05.2008, 16:24 Uhr

Die kritischen Aktionäre, angeführt vom Norweger John Fredriksen und dessen Sprachrohr Tor Olav Trøim, sind sich einig: Ein Aufsichtsrat, im dem die Aktionäre mit touristischen Interessen den Ton angeben, kann den TUI-Vorstand um Michael Frenzel nicht wirkungsvoll kontrollieren. Und an Trøims Aussage, das Gremium sei von Frenzel "handverlesen", ist viel Wahres dran. Allerdings: Aktionäre wie Fredriksen und große Bankfonds wollen nur eins: Viel mit der Aktie verdienen. Aus touristischer Perspektive – und wir machen nun mal ein Magazin für Touristiker, nicht für Kapitalanleger – kann man die Sache aber auch anders sehen. Denn eine TUI in den Händen von Hoteliers wie etwa Riu oder langfristig denkenden Investoren wie dem Russen Mordashow ist für die Branche doch besser, als eine TUI, bei der nur rein renditeorientierte Heuschrecken den Ton angeben. Schließlich war die TUI einst lange in den Händen von Investoren aus der Branche – gegründet wurde sie von Reisebüro-Unternehmern! Natürlich gibt es Interessenkonflikte mit den TUI-Veranstaltern, wollen Hoteliers mit Aktienkäufen ihre Geschäftsbeziehungen mit der TUI absichern und ausbauen. Natürlich will Frenzel mit ihm wohlgesonnenen Aktionären seine Macht absichern. Aber ist dieser "Klüngel", den die "SZ" beklagt, nicht vielleicht das kleinere Übel?

Kommentare

von Wolfram Schneppe, 09.05.08, 12:04
Ja, was für Themen am heutigen morgen, über die es durchaus ein wenig zu sinnieren gilt... Panikartige Gerüchte (und Berichte) - seit Jahren - wer da alles was ändern, verkaufen, verlagern, umorganisieren will bei der TUI, und dann: alles bleibt eigentlich beim alten. Gott-sei-Dank! Vielleicht auch deswegen, weil 100 (!!!) TUI-Mitarbeiter bei der Hauptversammlung aus Angst auf die Strasse gegangen sind?! Aber, was wäre gewesen, wenn...??? IBEROSTAR - ich erinnere mich noch bestens an die Treueschwüre pro Reisebüro (wie ehedem bei Lufthansa, Air Berlin, na, das sind schon alles Partner, wenn man die als Freunde hat...), ja, vergessen, "aus den Augen - aus dem Sinn"! Hat halt doch zu viel negativen Einfluss der NEC-/TOC-Gruppe, kennen wir ja von denen. Auch "Gott-sei-Dank" muessen wir nun wirklich kein Iberostarthotel verkaufen bei der Fuelle an guten Alternativen, das wird HRS schon richten! Flughafen Köln (könnte auch Hahn heissen)- wahrscheinlich muss man doch eines Tages anfangen, richtig Geld zu verdienen. Nur wortgewaltig Passagierzahlen zu feiern, vielleicht mal eines Tages einen Billigfliegerlangstreckenflug, an denen wieder "Null" verdient ist, duerfte auf Sicht kaufmaennisch desastroes sein... Und abschliessend noch die BAHN - war da nicht irgendein Gewerkschaftsfuehrer, der sich bei Abstimmungen recht Arbeitnehmerunfreundlich zeigte und ploetzlich ins Management wechselt? Einfach unglaublich... wird eines Tages einen prima Spitzenpolitiker abgeben, von dort dürfte er es ja wohl abgeschaut haben! Und dann war da noch ein "Huber", und wenn man sooooo viel Geld versemmeln darf wie der, ohne das Konsequenzen gezogen werden, dann hat man es geschafft... Musste ich mal schnell loswerden, und wuensche allen ein schoenes, sonniges Pfingstfest!

von Wolfgang Hoffmann, 09.05.08, 15:34
Es ist schon unwirklich, wie wir uns alle nach diesen Sondermeldungen ausrichten. Im Fernsehen gucken wir die "Börse" genauso gespannt, wie das "Wetter". Wir sind erleicherte, wenn der Dax klettert und kriegen schweißnasse Hände, wenn der Nikkei abzustürzen droht! Dabei haben die wenigsten von uns überhaupt monetär erwähnenswerten Aktienbesitz. So gesehen ist es doch - ganz davon abgesehen, dass es sowieso ein Buch mit unendlich vielen Siegeln ist - völlig schnuppe, wer, was, wo bestimmt, bei wem auch immer, ...oder in Hongkong fliegt ein Schluppen aus dem Fenster. Als Mannesmann in Vodafone mutierte, hat es in meinem Handy nicht einmal geknackt!

von Siegfried Egyptien, 09.05.08, 18:09
Die TUI wurde von Touristikern gegründet und dahin gebracht, wo die Preussag zuschlug. Unter Frenzel-Führung ist die TUI zwar größer geworden (mehr Masse, mehr Schulden)aber an Wert gewonnen hat sie unter Dr. Frenzel nicht! Das hat Fredriksen richtig erkannt. Die TUI-Führung muss wieder touristisch werden! In Vorstand und Aufsichtsrat! Sonst sind touristische Investitionen der TUI-Holding in Russland auch verlorenes Geld. Der Mann hinter Mordaschow weiss das!

von betravel, 09.05.08, 20:34
Nur zwischen "guten und schlechten" Investoren zu unterscheiden wäre zu einfach. Zwischen renditeorientierten Investoren und solchen, die touristische Perspektiven haben. Rendite (Marge) ist eine gemeinsame Klammer, die alle! verbindet. Das kann es also nicht sein. Die Unterschiede betreffen eher strategische und politische Gewichtung und Ausrichtung. Die langfristige Perspektive der TUI bleibt mit der Containersparte auch dann problematisch, wenn Hoteliers und Frenzel wohlgesonnene Aktionäre keinen Widerspruch einlegen. Ich unterstütze ebenfalls die Meinung, dass TUI in den Jahren der derzeitigen TUI - Konzernführung zwar Masse, aber nicht unbedingt Perspektive gewonnen hat. Die eigentlichen Trends wurden teilweise verschlafen (TUI Cruises) oder nicht in vollem Umfang rechtzeitig erkannt. Wie das Spannungsverhältnis von Leistungsträgern (Carrier, Hotels) - Veranstaltern - GDS-Systemen - klassischer (Reisebüro-) Vertrieb. Das alles verbindende und neu aufmischende Internet wird noch für manche Überraschung und Entwicklung3.0 sorgen. Ich bin mir nicht sicher, ob das den Beteiligten in vollem Umfang klar ist.

von Martin Pundt, 09.05.08, 22:09
Michael Frenzel hat's wahrlich nicht leicht: Jetzt "klüngeln" auch noch "seine" Aktionäre. Dabei hat er doch so schon genug Mäuler zu stopfen: - Die Hotels, Airlines und Zielgebietsagenturen wollen alle ihr Stück vom Reisekuchen abhaben - Die Reisebüros wollen eine faire Partnerschaft - Die Mitarbeiter wollen einen sicheren Arbeitsplatz mit Perspektive - Die Vorstände und Aufsichtsräte haben schließlich auch noch lange nicht ausgesorgt - Das ginge ja alles noch, aber leider haben dann sogar noch die Kunden hohe Ansprüche an die TUI (wehe dem, der die Kunden vergisst!) - Und jetzt sind sich zu guter Letzt die Aktionäre auch noch untereinander uneins! Ja, wie soll er das denn schaffen, alle Beteiligten glücklich zu machen? Das ist wahrlich zu viel verlangt... Aber mit einem gelungenen Showdown in der Niedersachsenhalle ist es dem deutschen David (Michael Frenzel) noch einmal gelungen, sich gegen die norwegische Heuschreckenplage des Goliaths (John Fredriksen) durchzusetzen: Spart jede Menge PR-Kosten und bindet Partner: "Liebe Hoteliers, liebe Reisebüros, stellt Euch mal vor, der geldgierige Onkel Fredriksen hätte sich durchgesetzt, dann würde die TUI ja auf Eure Kosten Geld verdienen. Ist doch viel besser, es bleibt alles so, wie es ist". Hmm - oder etwa nicht?

0

Informativ, spannend, subjektiv: Abonnieren Sie den RSS-Feed für den fvw Blog und bekommen Sie ungewöhnliche Einblicke in die Touristik.

 
Folgen Sie uns:
Top
© 2018 FVW Medien GmbH, Alle Rechte vorbehalten
Über uns FAQ Impressum AGB Datenschutz Kontakt Mediadaten