TUI

TUI D bald wieder deutsch

Wird die TUI Deutschland bald wieder von der TUI AG auf der anderen Straßenseite in Hannover geführt? Und was wäre besser für den Veranstalter: Frenzel oder Long?

von Klaus Hildebrandt, 17.04.2009, 09:58 Uhr

Seit längerem rumort es in Hannover, nun werden die Gerüchte um einen Konzernumbau konkreter. Gut möglich, dass der Quellmarkt Europa Mitte mit Deutschland als Zentrum bald wieder von der TUI AG statt bei deren 51-Prozent-Beteiligung TUI Travel in London geführt wird (siehe ausführlichen Bericht auf fvw.de). Im Grunde wäre dies wieder mal eine Rolle rückwärts von Frenzel. Vor zwei Jahren hatte er das Touristikgeschäft der TUI mit First Choice fusioniert, deren Chef Peter Long wurde der große Zampano der neuen TUI Travel. Sollte die TUI Deutschland (zusammen mit dem Geschäft in Österreich, der Schweiz und Polen) wieder von der AG zurückgekauft werden, sähe der Veranstalter-Primus zumindest in Europa Mitte fast wieder so aus wie in den 90-er Jahren zu Zeiten des damaligen TUI-Chefs Ralf Corsten. Dazu passt dann, dass auch TUIfly wohl wieder zur AG wandert. Wenn das Low-Cost-Geschäft der einstigen HLX von Air Berlin vermarktet wird, bleibt ein guter alter Charter-Carrier auch ungefähr in der Größe der Hapag-Lloyd Flug aus der guten alten Charter-Zeit. Die Frage ist, wie eigentlich die Manager und Mitarbeiter der TUI Deutschland es finden würden, wenn sie nicht mehr nach London, sondern wie bis 2007 ein paar Häuser weiter in der Karl-Wiechert-Allee in Hannover berichten. Einerseits waren die TUI-Leute regelrecht erleichtert, dass sie nicht mehr von dem gerne operativ dazwischenfunkenden Frenzel geführt werden. Andererseits ist die Euphorie über Tourismusprofi Peter Long und seine englischen Mannen auch verflogen. Sie richten ihr Geschäft klar an den Maßstäben des angelsächsischen Kapitalmarkts aus: Hauptsache, der kurzfristige operative Gewinn und damit die Bezüge der Top-Manager sind in Ordnung. So wurde schon Ende März in meinem Blog-Eintrag zu den unterschiedlichen Geschäftsphilosophien der "deutschen" und der "britischen" TUI von Lesern moniert, dass Long zwar 2008 seine Vergütung auf über fünf Millionen Euro vervierfacht habe, die TUI-Deutschland-Mitarbeiter aber kurzarbeiten müssten, um die ehrgeizigen und laut an die Londoner Börse hinausposaunten Gewinnziele zu erreichen. Wie sehen Sie das: Sollte die TUI Deutschland zurück zur AG geholt und unter deren deutsche Führung gestellt werden, oder ist die TUI-Travel-Lösung doch besser für das Geschäft und die Geschäftspartner? P.S. Eine persönliche deutsch-englische Randnotiz: Sorry, liebe Thomas-Cook-Leute: Auch wenn die Kicker von Manchester City Euren Namen auf der Brust tragen – als Hamburger freue ich mich, dass der HSV gestern im UEFA-Cup eine Runde weitergekommmen ist.

Kommentare

von Elmar, 17.04.09, 11:37
"Die TUI AG will sich stärker im Reisegeschäft engagieren" - schreibt heute die FAZ und der unbedarfte Leser, der seit Jahrzehnten mit einem Unternehmen namens TUI verreist ist, reibt sich verwundert die Augen: war das nicht schon immer der größte Reiseveranstalter unter der Sonne? Und der will sich jetzt stärker engagieren? Ja, was hat denn diese Firma sonst noch alles gemacht? Fragen über Fragen. Und ganz alte Branchenhasen vermuten inzwischen gar, dass die TUI sich bei dieser "Hannoveraner Springprozession" nicht nur zu den guten alten Corsten-Zeiten zurückentwickelt, sondern wieder in die Gründerunternehmen Touropa, Scharnow, Hummel und Dr. Tigges aufgespalten werden könnte.

von Andreas Schulte, 17.04.09, 12:48
So kommt das, wenn man im Kreis läuft. Dann ist man irgendwann immer wieder bei den roots angelangt. Die Frenzel-TUI hat da ja schon Erfahrungen gesammelt. Man denke z.B. an HLF. Da läuft das Reset auf die Grundvariante ja auch gerade. Zur Verbesserung der Managergehälter hat man mal eben min. ne halbe Milliarde verbrannt (ca. 110 Mio für HLX und rund 410 Mio für die Intergration von TUI Travel Plc) und strebt jetzt an, nachdem der Aktienkurs auch ziemlich im Keller ist, da weiter zu machen, wo man schon mal war. Monopoly ist ein so schönes Spiel für große Jungs.

von Andreas Schulte, 17.04.09, 13:44
ja, und für den Vertrieb würden auch wieder bessere Zeiten anbrechen. Denn wenn " der Veranstalter-Primus zumindest in Europa Mitte fast wieder so aus sähe wie in den 90-er Jahren zu Zeiten des damaligen TUI-Chefs Ralf Corsten ", dann hätten wir natürlich auch wieder das Provisionsmodell aus den 90-er Jahren, fair und partnerschaftlich, so ganz ohne Malus. Das könnte der TUI-D dann so nen richtigen Umsatzschub bescheren.

von Martin Pundt, 17.04.09, 13:51
Einerseits schaue auch ich, wie die anderen Kommentatoren, leicht schmunzelnd auf diese "Vorwärts Leute, wir müssen zurück!"-Einlage. Schließlich ist es für uns Mittelständler immer wieder gut zu sehen, dass selbst der Marktführer trotz zuletzt sehenswerter Kür den berühmten "vierfachen Frenzel"-Sprung nicht schafft: Kunden, Management, Aktionäre UND Mitarbeiter alle gleichzeitig zufrieden zu stellen, ist selbst in London bzw. Hannover im derzeitigen Umfeld wohl nicht machbar. Andererseits sollte sich alle Schadenfreude der "Marktbegleiter" von alleine verbieten: Wenn der Marktführer so scheinbar orientierungslos ständig die Strategie wechselt und mit seiner Marken- ebenso wie mit der Beteiligungs-Politik Partner, Kunden, Aktionäre (groß und klein) verwirrt, kann das niemanden glücklich machen, denn das färbt auf die ganze Branche ab - auch auf die vielen soliden und erfolgreichen Mittelständler, die aus welchem Grunde auch immer nicht so im Rampenlicht stehen. Oder, um beim Fußball zu bleiben: Über den Erfolg des HSV gestern habe auch ich mich sehr gefreut - doch machen wir uns nichts vor: Das wird eine Randnotiz im internationalen Fußball des Jahres 2009 bleiben. Die Schande, die der FC Bayern mit seiner blamablen Pleite in Barcelona über den gesamten deustchen Fußball brachte: Die wird uns länger anhaften. So geht es eben, wenn jemand das große Rad drehen will und dazu gar nicht in der Lage ist...

von Stefan Werner, 17.04.09, 15:07
Mal sollte die TUI AG mit der TUI Deutschland verschmolzen werden, dann mit Hapag-Lloyd in Hamburg, dann ging die Touristik nach London, jetzt wieder alles retour: Jeder Mittelständler, der seinen Laden so führen würde, würde für verrückt gehalten.

von Wolfgang Hoffmann, 17.04.09, 16:25
Nein, ich werde keine Häme anrühren. Ich halte mich zurück, ernsthaft! ...Was ich allerdings nicht zurückhalten kann - sollte diese Meldung sich tatsächlich bewahrheiten und wirklich auch aus gutem Grund eine Rückorientierung in Hannover stattfinden, dann gebe ich einen Rat: Malus weg! Mutige Entscheidungen zugunsten von uns Reisebüros. Einfach die Maluszahlungen buchmäßig neutralisieren, streichen, aus dem Marketingetat 2010 ersetzen. Dann erst wird es einen Boom von TUI Buchungen geben von uns Reisebüros. Vor allem nächstes Jahr! Wenn nicht, wenn ein Drittel der TUI Büros dieses Jahr mit Malus abgestraft wird, dann werden die Umsätze nächstes Jahr bei TUI dramatisch einbrechen. Ist doch eine ganz einfach Milchmädchenrechnung. Und wenn man gerade dabei zu sein scheint, die Bücher zu durchforsten, dann sollte man in Hannover genau das, jetzt, beachten und sehr mutige Schritte auf uns zu machen.

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