TUI, Thomas Cook

Manny, Peter und die Börsen

Die Börsen sind auf Talfahrt, die Touristik- und Airline-Aktien rauschen mit in die Tiefe. Heute hat TUI Travel passable Zahlen vorgelegt – und Peter Long dem alten Rivalen Manny Fontenla-Novoa den Abgang zusätzlich vermiest.

von Klaus Hildebrandt, 10.08.2011, 15:24 Uhr

Zum "schwarzen Montag" kam es glücklicherweise nicht an den Börsen. Und auch heute stürzt der DAX nicht ab, aber erholt sich auf niedrigem Niveau auch nicht von den Verlusten. Die Aktien von Touristikunternehmen und Airlines bilden da keine Ausnahme, die TUI AG zum Beispiel notiert bei läppischen fünf Euro, Lufthansa bei weniger als zwölf Euro und Air Berlin bei unter drei Euro.

In einem derartigen Umfeld helfen gute Zahlen und ein positiver Ausblick, wie ihn die weltgrößte Hotelkette Intercontinental Hotels Group am Dienstag präsentierte, nicht weiter. Auch die Aktie von Europas größten Veranstalter TUI Travel dreht nach ordentlichen Quartalszahlen am Nachmittag an der Londoner Börse ins Minus.

Die TUI-Zahlen stehen unter besonderer Beobachtung, weil Thomas-Cook-Chef Manny Fontenla-Novoa vergangene Woche wegen der verfehlten Gewinnziele, vor allem wegen der Probleme beim britischen Veranstalter, seinen Hut nahm. Auch wenn TUI Travel heute die Nummer zwei in ihrem Statement mit keinem Wort erwähnte, so bedeutete das Lob von Peter Long für die "Qualität des Management-Teams" in UK und für das "exklusive und differenzierte Produkt" im Umkehrschluss eine Klatsche für den ewigen Rivalen.

Dazu muss man wissen, dass Peter und Manny eine wechselvolle Geschichte verbindet. Einst waren sie Kollegen beim britischen Veranstalter Sunworld, Fontenla-Novoa ging dann mit Sunworld zurück zu Thomas Cook, Long übernahm den Chefsessel bei First Choice. Als First Choice 2007 ihr britisches Pauschalreise-Geschäft verkaufen wollte, ließ Manny Peter lange in dem Glauben, dass Thomas Cook zugreifen wolle. Doch parallel verhandelte der spanisch-britische Touristiker dann schon mit My Travel über eine Fusion.

Als ich die beiden 2007 für den fvw Kongress für eine gemeinsame Diskussion einlud, war eine Menge diplomatische Arbeit notwendig. Schließlich redeten die beiden damals kein Wort mehr miteinander. Das gab sich dann mit der Zeit (auch auf der fvw-Bühne redeten sie wieder miteinander), aber eine gesunde Rivalität blieb. Bei den Fusionen schlugen sie eine andere Gangart ein: Während Manny My Travel und deren Hauptmarke Airtours im Grunde auf die eigenen Systeme überführte und das Personal entließ, ging Long einen behutsameren Weg. Da First Choice Juniorpartner der Fusion war und Long großen Respekt vor dem Marktführer Thomson und deren starker Marke hatte, integrierte er die beiden Veranstalter nicht mit der Brechstange.

Das zahlt sich heute aus. Wie die Quartalsbilanz zeigt, kann sich TUI Travel auf dem britischen Markt gut behaupten. Die Zahlen belegen auch, dass es eben nicht allein an der britischen Konjunkturflaute, sondern auch an der internen Organisation, dem höherwertigen Produkt- und Markenportfolio und der Qualität des Managements liegt, dass Thomson und First Choice besser laufen als Thomas Cook und Airtours. Manny, sonst immer Charmeur, teilte gerne gegen die TUI aus, die ihm immer etwas zu behäbig vorkam. Aber nun lacht der alte Haudegen Peter Long zuletzt.

Von den Quartalszahlen kann allerdings TUI Travel heute auch nicht profitieren, am Nachmittag gab die Aktie ihre anfänglichen Gewinne wieder ab. An der Börse ist in diesen Tagen nicht viel zu gewinnen. Man ist ja schon zufrieden, wenn Analysten und Kommentatoren trotz der weltweiten Konjunktursorgen keine globale Rezession wie nach der Lehman-Pleite 2008 erwarten. Und auch das zeigen die aktuellen Zahlen von Veranstaltern und Airlines: Die Reiselust ist derzeit trotz hoher Ölpreise und der Lage in Nordafrika ungebrochen. Oder wie sehen Sie die Perspektiven?

Kommentare

von Horst, 11.08.11, 09:40
Schon auffällig, dass TUI auch in UK bessere Zahlen vorlegen kann. Die Ausrede "wirtschaftliche Situation in UK" von Thomas Cook kann also nicht zu 100% stimmen. Dann doch deutliche Qualitätsunterschiede im Management-Board? Es sieht ganz stark danach aus... Und mal ehrlich: zu viele Köche verderben den Brei. Aktuell steht die TC-Aktie bei 0,625€, die Zeit für eine Übernahme steht günstig...;-) Und Weihagen und Co haben ja die letzten Tage nochmal eifrig eigene Aktien eingekauft...

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